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Smartphones als Achillesferse von Putins Armee in der Ukraine? – „Die Russen sind ziemlich naiv“

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Ein zerstörter Panzer der russischen Armee, fotografiert in der Region Kiew.
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Ein Mobiltelefon ist überall nutzbar. Auch im Ukraine-Krieg. Dort verschafft es den Invasoren aus Russland aber offenbar einen immensen strategischen Nachteil. 

Kiew – Dass Mobiltelefone im Krieg von großem Nachteil sein können, wissen Kommandeure des US-Militärs seit langer Zeit. Denn das Handysignal von Soldaten kann geortet werden, um Raketen zielgenau auf Positionen zu feuern, berichtet das US-Miltärnachrichtenportal Task & Purpose. Genau das soll nun während des Ukraine-Konflikts passiert sein.

Nach den Informationen des Portals geben ukrainische Streitkräfte an, Ende Februar zwölf russische Offiziere getötet zu haben – unter anderem, weil die russischen Militärkommandeure ihr Mobiltelefon genutzt hätten, als die Kommunikationssysteme ausfielen.

Ukraine-Krieg: Russische Truppen übers Mobilnetz geortet?

Der Hintergrund: Wenn russische Truppen in die Ukraine eindringen, senden ihre Mobiltelefone ein Roaming-Signal aus. Das wiederum stellt eine Verbindung zum ukrainischen Mobilfunknetz her und ermöglicht es den Ukrainern, den Aufenthaltsort der Russen anhand der drei nächstgelegenen Mobilfunkmasten zu triangulieren, so Artem Starosiek, CEO von Molfar, einer Open-Source-Intelligence-Community mit Sitz in Kiew gegenüber Task & Purpose.

„So erhalten die ukrainischen Spezialdienste automatisch Informationen mit der ID-Nummer des Geräts, der Roaming-Nummer und natürlich dem Standort der Person“, erklärte Starosiek. „Glücklicherweise sind die Russen ziemlich naiv und unwissend im Umgang mit mobilen Geräten, sodass sie oft zu Hause anrufen, ihre Telefone einschalten und sich mit den ukrainischen Stationen verbinden.“

Warum zerstört Russland nicht das Mobilfunknetz der Ukraine?

Wenn diese Strategie funktioniert, stellt sich allerdings die Frage, warum Russland nicht seine Bemühungen darauf konzentriert, das ukrainische Mobilfunknetz während der fortschreitenden Offensive zu zerstören, wenn es für die eigenen Truppen eine strategische Bedrohung darstellt.

Doch die Antwort scheint simpel. „Das ist lächerlich, aber genau so ist es. Die Russen brauchen 3G und 4G, damit ihre Kommunikation funktioniert. Sie haben keine unabhängigen Kommunikationsnetze aufgebaut, wie es die Amerikaner oder Chinesen vielleicht getan haben“, betont James Lewis, ein Technologieexperte des Center for Strategic and International Studies bei Task & Purpose. Auch Blockaden im Mobilfunknetz sollen russische Generäle schon das Leben gekostet haben. (marv)

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