Eigenkonstruktionen überraschend effektiv

Bomben aus dem 3D-Drucker: Ukraine improvisiert bei Sprengstoff-Nachschub

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Mitglieder einer ukrainischen Drohnenbrigade am 26. Juli wenige Kilometer vor der russischen Grenze (Symbolbild).
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Der Ukraine geht die Munition aus – nicht aber der Einfallsreichtum. US-Medienberichten zufolge produziert das Land nun Bomben per 3D-Drucker. Die sind überraschend effektiv.

Kiew – Der Ukraine ächzt unter den Anstrengungen des Krieges. Immer wieder forderte das von Russland überfallene Land die westlichen Partner zu mehr Lieferungen von Waffen und Munition auf. Bis diese eintreffen, nimmt Kiew das Problem jetzt wohl selbst in die Hand – und überrascht den Westen erneut mit einer günstigen Lösung für ein teures Problem: Bomben aus dem 3D-Drucker sollen den Munitionsvorrat im Kampf gegen Russland aufstocken.

Ukraine-Krieg: 3D-Drucker sollen für Nachschub bei Munition sorgen

Die ukrainische Armee feuerte im Ukraine-Krieg im vergangenen Jahr pro Monat 180.000 Artilleriegeschosse ab, aktuell sind es etwa 90.000 bis 140.000 Schuss pro Monat, wie der Militärexperte Jack Watling vom Royal United Services Institute der Washington Post sagte. Ein ukrainischer Militär sprach gegenüber der US-Zeitung anonym sogar von 7.700 Geschossen pro Tag, das entspräche über 200.000 pro Monat. Die Nato-Partner kommen mit der Herstellung der Munition indes kaum hinterher: So lag etwa die EU-Produktion von Artilleriegeschossen vor Beginn des Krieges bei rund 14.500 Schuss pro Monat und zog seitdem nur schleppend an. Die Ukraine verfügt allerdings über große Mengen an Rohmaterialien, wie etwa Sprengstoff. Gruppen von Freiwilligen sollen daher begonnen haben, Munition im 3D-Druckverfahren herzustellen, wie das Magazin The Economist am Dienstag (1. August) berichtete.

Eine Einheit produzierte demnach in den vergangenen vier Monaten über 30.000 Bomben. Kostenpunkt pro Stück: 3,85 US-Dollar (etwa 3,52 Euro). Der 3D-Drucker selbst soll mit nur 1.200 US-Dollar (rund 1098 Euro) zu Buche schlagen. Der Anführer einer Einheit gab der US-Publikation gegenüber an, dass künftig noch mehr produziert werden solle. Eine weitere Gruppe stelle wöchentlich etwa 1.000 Stück 800-Gramm schwerer „Anti-Personen-Bomben“ her, auch hier soll die Stückzahl in Kürze auf 1.500 pro Woche klettern, hieß es. Die als „Zaychyk“ (zu Deutsch: Kaninchen) bezeichnete Munition soll Angaben eines der Waffenbauer zufolge beim Abwurf aus der Luft effektiver als herkömmliche, leichtere Granaten sein, die oftmals nur ein Gewicht von 300 Gramm haben.

Waffen aus dem 3D-Drucker können offenbar sogar Panzerung von Fahrzeugen durchschlagen

Die Hüllen der Geschosse würden dem Bericht zufolge per 3D-Drucker hergestellt und im Anschluss mit C4-Sprengstoff befüllt. Selbst Bomben, die gepanzerte Fahrzeuge zerstören können, lassen sich so offenbar herstellen. Der Mantel dieser Bomben enthalte Kupfer und Aluminium, das bei der Detonation so heiß werde, dass es die Panzerung durchdringen könne. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen, doch auch die Washington Post hatte bereits im April von unterirdischen Werkstätten in der Ostukraine berichtet, in denen mithilfe von 3D-Druckern aus nicht explodierter Munition neue Geschosse hergestellt werden. Dem Bericht von Economist zufolge soll die Herstellung teilweise auch außerhalb der Ukraine stattfinden, beispielsweise in Lettland. Seit November 2022 seien demnach mindestens 65.000 Stück Munition aus Europa in die Ukraine eingeführt worden.

„Recycling“ spielt im Ukraine-Krieg auch bei Panzern eine Rolle: Kürzlich wurde bekannt, dass Reparaturzentren für den Leopard 2 in Polen, Rumänien und der Ukraine aufgebaut werden sollen. Denn in den seltensten Fällen führen Treffer bei westlichen Panzern zu einem Totalschaden, sodass die Fahrzeuge nach einer Reparatur oftmals wieder voll einsatzfähig sind.

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