Aus Pappe und Gummibändern

Ukraine sprengt mit Karton-Drohnen russische Kampfjets

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Die Ukraine hat Berichten zufolge erfolgreich in Australien hergestellte Pappdrohnen eingesetzt, um einen russischen Luftwaffenstützpunkt zu bombardieren.

Kiew – Die Erfolgsmeldungen aus der zweiten großen Gegenoffensive im Ukraine-Krieg waren eher spärlich. Doch zuletzt konnte Kiew endlich einen Schlüsselerfolg an der russischen Verteidigungslinie vermelden. Nun setzten die ukrainischen Streitkräfte Berichten zufolge erfolgreich Pappkarton-Drohnen ein, um russische Kampfjets zu zerstören.

Obwohl der genaue Ort der Angriffe nicht bekannt gegeben wurde, meldeten sowohl die Ukraine als auch Russland am selben Tag einen Drohnenangriff auf den Flugplatz Kursk Vostochny.

Die Ukraine hat Berichten zufolge erfolgreich in Australien hergestellte Pappdrohnen eingesetzt, um einen russischen Luftwaffenstützpunkt zu bombardieren.

Ukraine sprengt mit Karton-Drohnen russische Kampfjets

Der Flugplatz Kursk liegt 97 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Ein Insider des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) teilte der Kyiv Post mit, dass eine Vielzahl von Drohnen eingesetzt worden sei, was zur Zerstörung von vier Su-30-Flugzeugen und einer MiG-29 geführt habe. Darüber hinaus wurden Berichten zufolge zwei Raketenwerfer eines Pantsir-Luftverteidigungssystems sowie die Radare eines S-300-Luftverteidigungssystems beschädigt.

Pappkarton-Drohnen attackieren russischen Militärflugplatz

Die Quelle machte zwar keine Angaben dazu, wie viele Drohnen bei dem Angriff eingesetzt wurden, sagte aber, dass „nur drei von ihnen von dem undichten Luftverteidigungssystem Russlands abgeschossen wurden“. Dieses sei „gemessen an der Tatsache, dass sogar die Russen selbst mindestens 13 Explosionen registrierten, beeindruckend.“

Die für den Angriff auf einen russischen Flugplatz eingesetzten PPDS (Precision Payload Delivery System)-Flugkörper stammen vom australischen Unternehmen SYPAQ Systems und bestehen hauptsächlich aus einem kartonähnlichen Material und Gummibändern. Die Zusammensetzung der Drohnen erschwert nach Herstellerangaben die Erkennung durch Radarsysteme.

Der Einsatz des PPDS durch das ukrainische Militär wurde auch über den Kanal Fighterbomber Telegram gemeldet, der von einer mit der russischen Luftwaffe in Verbindung stehenden Person betrieben wird.

Corvo Precision Payload Delivery System (PPDS)-Drohnen, die aus Pappe und Gummibändern bestehen, haben nun russische Kampfflugzeuge zerstört.

PPDS-Drohne wird im Ikea-ähnlichen Bausatz geliefert

Das in Australien ansässige Unternehmen SYPAQ Systems hatte im März angekündigt, kostengünstige Drohnen aus Pappe an die ukrainischen Streitkräfte zu liefern: „Wir sind stolz darauf, dank der Investition des Verteidigungsministeriums souveräne australische autonome Systeme zur Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte liefern zu können“, erklärte Amanda Holt, CEO von SYPAQ, damals. „PPDS ist eine australische Entwicklung, die dem ukrainischen Volk helfen wird, sein Land zu verteidigen.“

Das Corvo Precision Payload Delivery System (PPDS) wird als flacher Bausatz geliefert. „Anschließend werden die Drohnen vor Ort zusammengebaut, als wenn sie von Ikea kämen“, sagte Vasyl Myroshnychenko, ukrainischer Botschafter in Australien, gegenüber dem australischen Fernsehsender 7News Australia. Die leichten Pappdrohnen mit einer Nutzlast von 3 Kilogramm können selbstständig starten und landen, bis zu 120 Kilometer weit und 60 Kilometer pro Stunde schnell fliegen. Nun kamen sie also zum ersten Mal erfolgreich zum Einsatz.

Prigoschin stirbt bei Flugzeug-Katastrophe – Bilder vom Unglücksort

Söldnerführer Prigoschin offenbar bei Flugzeugabsturz getötet
Flüge unternahm Jewgeni Prigoschin mit seinem Privatjet. Jetzt ist er bei einem Absturz seiner Embraer Legacy 600 getötet worden. Der russische Präsident Wladimir Putin bestätigte dessen Tod. © picture alliance/dpa/Luba Ostrovskaya/AP
Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahe steht, und soll Prigoschins Privatjet zeigen, der vom Himmel fällt.
Am Mittwochabend (23. August) fiel die Maschine auf dem Weg von Moskau nach Sankt Petersburg vom Himmel. Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahesteht. © IMAGO/Gray_Zone
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt.
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt. © picture alliance/dpa/Ostorozhno Novosti/AP
Offenbar ist der Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Es wird über einen Doppelgänger spekuliert.
Noch am Abend meldete die russische Luftfahrtbehörde, dass Prigoschin im Unglücksflieger saß. Sein Tod wurde einen Tag später bestätigt.  © Lev Borodin/IMAGO
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. Die Identifizierung der Leichen ist schwierig.
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. © picture alliance/dpa/Investigative Committee of Russia/XinHua | Uncredited
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld.
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet.
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet. © IMAGO/SNA
Ein Trümmerteil liegt auf dem Boden.
Dass es sich einmal um ein Flugzeug handelte, ist kaum zu erkennen. © IMAGO/Vitaliy Shustrov
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.  © picture alliance/dpa/AP | Alexander Zemlianichenko
Die Toten werden zur Untersuchung in eine Halle nach Twer gebracht.
Die Toten werden abtransportiert. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin der Region Twer wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.  © IMAGO/Petrov Sergey
Ein Mann legt Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder.
Noch am Abend des Absturzes werden in einigen Städten Russlands Gedenkstätten eingerichtet. Hier legt ein Mann Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder. © IMAGO/Alexander Galperin
Prigoschin und Kreml-Chef Putin
Prigoschin galt lange als Vertrauter Putins (r.). Bevor er den Kremlchef kennenlernte, war er ein Krimineller und verbüßte eine langjährige Haftstrafe. © Alexei Druzhinin/dpa
Prigoschin und Putin
Nach seiner Entlassung eröffnete er Restaurants in Sankt Petersburg und lernte Putin kennen, der ebenfalls aus der Stadt kommt. © Alexey Druzhinin/AFP
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf.
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf. © IMAGO / ITAR-TASS
Die berüchtigten Wagner-Söldnertruppen haben, im Kommando von Jewgeni Prigoschin und im Namen Russlands, sich am Ukraine-Krieg beteiligt. Den sehr wahrscheinlichen Tod von Putins Wagner-Chef nehmen in der Ukraine viele Menschen mit Freude wahr.
Ab 2013 begann Prigoschin, das private Sicherheits- und Militärunternehmen Gruppe Wagner zu formen. Die Söldnertruppe war im Auftrag der Regierung weltweit tätig und setzte russische Interessen durch. © Uncredited/Prigozhin Press Service/AP/dpa/Archiv
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützen russische Truppen auch im Ukraine-Krieg.
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützten russische Truppen auch im Ukraine-Krieg. Doch spätestens am 23. Juni 2023 war das Tischtuch zwischen Putin und Prigoschin zerschnitten.  © IMAGO/RIA Novosti
Wagner-Söldner in Rostow am Don.
Nachdem er zuvor im Ukraine-Krieg die russische Militärführung bereits mehrfach scharf kritisiert hatte, befahl Prigoschin an jenem Tag einen Aufstand gegen die russische Regierung. Wagner-Söldner marschierten Richtung Moskau. © IMAGO/Vladimir Konstantinov
Kämpfer der Wagner-Gruppe verlassen Rostow am Don.
Nur einen Tag später brach Prigoschin nach Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko den Aufstand wenige Hundert Kilometer vor Moskau ab. © IMAGO/Sergey Pivovarov
Prigoschin
Der Wagner-Boss ging ins Exil nach Weißrussland. Jetzt starb er im Alter von 62 Jahren. Nicht wenige vermuten, dass sich Putin für Prigoschins Illoyalität rächte. © -/AP/dpa

Der Angriff mit den Kartondrohnen ist nur der jüngste in einer eskalierenden Welle ukrainischer Angriffe auf Ziele in Russland und in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine. Zuletzt hatte Putin wohl eigene Schiffe versenkt, um die Krim-Brücke zu schützen.

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