Umfrage: Das meinen die Deutschen über Pistorius' Bundeswehr-Offensive
VonBabett Gumbrecht
schließen
Ein höheres Gehalt und Prämien sollen mehr Freiwillige zur Bundeswehr locken. Doch die Pläne des Verteidigungsministers bewerten die Deutschen skeptisch.
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für Bild sehen 49 Prozent der Befragten, dass eine deutliche Sold-Erhöhung und eine Zusatz-Prämie (eher) nicht dazu führen, dass es Pistorius damit gelinge, die Bundeswehr aufzustocken. Gut ein Drittel (34 Prozent) dagegen sagt, dass Boris Pistorius es schafft. Knapp 17 Prozent können oder wollen keine Einschätzung abgeben.
Unionswähler vertrauen Pistorius-Idee: Mehrheit der Bevölkerung aber auch für Wiederkehr der Wehrpflicht
Bei der Befragung vom 25. bis 28. Juli wurden 1003 Bürger befragt. Die Erhebung ergab, dass vor allem bei den Unionswählern das Vertrauen in die Pistorius-Idee mit 48 Prozent am höchsten und bei den AfD-Wählern mit knapp 24 Prozent am niedrigsten ist. Bei SPD und Grünen ist die Zustimmung ebenfalls hoch: 47 und 43 Prozent.
Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr
Interessant ist auch die Frage, nach der Wiedereinführung der 2011 ausgesetzten Wehrpflicht. Denn diese spaltet die Befragten. Rund 52 Prozent, also etwas mehr als die Hälfte sprach sich für die Wiedereinführung aus, 32 Prozent sind (eher) dagegen. Für insgesamt 16 Prozent ist das Thema egal, oder sie gaben keine Antwort.
Laut Insa sind die Wähler der Linkspartei (50 Prozent) und des BSW (61 Prozent) jeweils mehrheitlich gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Bei Wählern der Union ist die Zustimmung mit knapp 70 Prozent am höchsten, so die Bild.
Auch ohne Wehrpflicht: Ministerium meldet steigende Einstellungszahlen bei der Bundeswehr
Tatsächlich steigt aber auch ohne eine Wehrpflicht das Interesse an der Bundeswehr als Arbeitgeber. Wie aus Daten des Verteidigungsministeriums hervorgeht, wurde in diesem Jahr bereits 28 Prozent mehr militärisches Personal eingestellt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bis zum 21. Juli habe es rund 13.750 Einstellungen gegeben. Positive Zahlen gebe es sowohl bei den aktiven Zeitsoldatinnen und -soldaten als auch beim freiwilligen Wehrdienst.
Insa-Umfrage zur Bundeswehr-Offensive: Wehrpflicht und Musterung
Eher (Ja)
Eher (Nein)
Weiß nicht
Ist mir egal
Einstellung zur Wiedereinführung der Wehrpflicht
51,8 Prozent
32,4 Prozent
7,7 Prozent
8,1 Prozent
Schafft Pistorius genügend Freiwillige für die Bundeswehr zu finden?
34 Prozent
49,3 Prozent
16,7 Prozent
/
Sollen auch Frauen zur Musterung eingeladen werden?
54,1 Prozent
29,9 Prozent
6 Prozent
10 Prozent
Nach Ministeriumsangaben hat die Bundeswehr aktuell rund 183.100 Männer und Frauen in Uniform – etwa 2000 mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2024. Allein beim Wehrdienst gab es ein Plus von rund 15 Prozent – insgesamt leisten aktuell 11.350 junge Leute freiwillig Dienst an der Waffe.
Das Ministerium führt die steigenden Zahlen zum einen auf Werbekampagnen der Bundeswehr zurück, zum anderen aber auch auf die angespannte internationale sicherheitspolitische Lage. Diese ist auch Grund dafür, dass die Bundesregierung einen Aufwuchs der Truppe für dringend nötig hält.
Wegen Vorgaben der Nato im Konflikt: Pistorius legt Gesetzentwurf für Bundeswehr vor
Zum Hintergrund: Ende August soll das Kabinett deswegen über einen Gesetzentwurf von Verteidigungsminister Pistorius für einen neuen Wehrdienst abstimmen, der möglichst zu Jahresbeginn 2026 in Kraft treten soll. Er setzt auf Freiwilligkeit und einen attraktiven Dienst mit höherem Sold, um mehr junge Leute für die Bundeswehr zu gewinnen. Ziel ist es, bis zu 15.000 neue Wehrdienstleistende pro Jahr zu gewinnen. Ab 2027 soll zumindest eine Musterung verpflichtend werden.
Ziel ist den Angaben zufolge ein „Lagebild“ über die gesundheitliche Eignung. Denn im Spannungs- oder Verteidigungsfall würde die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht nach aktueller Rechtslage automatisch wieder in Kraft treten. Ziel der Pläne von Pistorius ist es, Vorgaben der Nato für den Konfliktfall zu erfüllen. Diese sehen einen Bedarf von etwa 460.000 deutschen Soldaten vor. Derzeit gibt es nur gut 183.000 Soldaten bei der Bundeswehr sowie gut 49.000 aktive Reservisten.
„Die neuen Wehrdienstleistenden werden nach ihrer Ausbildung und aktiven Dienstzeit in die Reserve beordert“, hieß es weiter. Gleichzeitig will die Bundeswehr versuchen, Wehrdienstleistende von einer Verpflichtung für eine längere Dienstzeit zu gewinnen. Dabei soll aktiv mit Anreizen im Dienst bei der Truppe geworben werden. Als Beispiele werden dabei unter anderem „hohes Grundgehalt, unentgeltliche Unterkunft, freie Heilfürsorge, kostengünstige Verpflegung, kostenloses Bahnfahren“ genannt. (bg/dpa)