Merz-Gesetz im Bundestag gescheitert: Reaktionen auf die Unions-Abstimmung
VonPaula Völkner
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Im Bundestag hat das Unions-Gesetz die Mehrheit verfehlt. Auf den Showdown folgen Reaktionen. Scharfe Kritik an Friedrich Merz von SPD, Grünen und Linken.
Update vom 31. Januar, 22.26 Uhr: Auch nach der Abstimmung am Freitag bricht Kritik an CDU-Chef Friedrich Merz nicht ab – aus verschiedenen politischen Richtungen.AfD-Chefin Alice Weidel hat nach der Abstimmung über das Union-Gesetz am Freitag gesagt, es habe sich gezeigt, dass ihre Fraktion geschlossener agiere als die CDU/CSU. Die AfD-Vorsitzende sagte: „Das ist die Demontage von Friedrich Merz als Kanzlerkandidat gewesen.“ Seine eigene Fraktion habe ihn „abgesägt“. „Friedrich Merz ist als Tiger gesprungen und endete als Bettvorleger.“
SPD-Chef Lars Klingbeil wirft Unionskanzlerkandidat Merz vor, sich auch nach dem Scheitern seines Gesetzentwurfes zu Migration im Bundestag nicht eindeutig von der AfD zu distanzieren. „Er hat heute nicht klar gesagt, dass er das nicht wieder tun wird, dass er nicht wieder auch Mehrheiten mit der AfD künftig suchen will“, sagte Klingbeil im ARD-„Brennpunkt“. Die AfD hatte für das „Zustrombegrenzungsgesetz“ der Unionsfraktion gestimmt, das aber von der Mehrheit im Plenum abgelehnt wurde.
„Vor allem hat Friedrich Merz in den letzten Tagen einen riesigen Scherbenhaufen angerichtet.“ Mit Blick auf die Situation nach der Bundestagswahl sagte Klingbeil, das Vertrauen in Merz, „dass er nicht bei der nächsten Gelegenheit wieder versucht, mit der AfD, mit Frau Weidel, mit anderen gemeinsame Sache zu machen“, sei tief erschüttert. „Die Gräben zwischen Union und SPD sind tiefer geworden“, sagte der SPD-Chef.
Nach Migrations-Abstimmung: CDU-Chef Merz weist Kritik von sich – „es war die Sache wert“
CDU-Chef Merz zeigte sich am Abend hingegen unkritisch. Er habe der AfD nicht die Hand gereicht. Man habe einen Antrag eingereicht, sagte Merz bei einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt. „Wir haben einen Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht, der nach unserer Überzeugung, der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der richtige Antrag war, um wenigstens ein Teil des Problems der Zuwanderung zu lösen“, sagte er. Da schaue er nicht, wer zustimme oder nicht.
Merz lobte die Debatte im Bundestag: „Ich fand, es war die Sache wert, dass wir uns heute mal wirklich offen ausgesprochen haben über das Thema Einwanderung und Migration.“ Es sei heftig gewesen, und es habe auch geknallt.
Scholz reagiert nach Migrations-Abstimmung: „Hämisches Feixen der AfD-Abgeordneten“ sei „kaum erträglich“
Update vom 31. Januar, 19.44 Uhr: Kanzler Olaf Scholz (SPD) stellt nach den Auseinandersetzungen um die Migrationspolitik in dieser Woche die klare Abgrenzung zur AfD heraus. „Wer mit den extremen Rechten gemeinsame Sache macht, der kapituliert vor den Extremisten. Der lässt sich von ihnen den Takt vorgeben, der lässt sich vorführen“, sagte Scholz in einem Video, das auf seinem Abgeordneten-Account auf der Plattform X veröffentlicht wurde. „Das hämische Feixen der AfD-Abgeordneten im Bundestag, ich fand es kaum erträglich.“
Reaktion auf Abstimmung über Unions-Gesetz: Lang scherzt über Merz‘ Karriere-Ende
Update vom 31. Januar, 18.19 Uhr: Nach der Abstimmung über das Unions-Gesetz im Bundestag scherzt Grünen-Politikerin Ricarda Lang über ein mögliches Karriere-Ende des Unions-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz. „Es wäre auf jeden Fall eine Ironie der Geschichte, wenn diese Woche dazu führt, dass Angela Merkel zum dritten Mal die Karriere von Friedrich Merz beendet“, schreibt Lang auf X. Merkel hatte infolge der Abstimmung am Mittwoch Kritik an Merz geäußert.
Merz-Gesetz verfehlt Mehrheit im Bundestag: Emotionale Debatte über AfD-Zustimmung
Erstmeldung: Berlin – Das Migrations-Gesetz der Union hat im Bundestag keine Mehrheit gefunden. Bereits am Freitagmorgen (31. Januar) hätte über das Zustrombegrenzungsgesetz der Union abgestimmt werden sollen. Auf eine stundenlange Unterbrechung folgte eine emotionale Debatte – und schließlich doch die Abstimmung. Bereits während der Debatte zeigte sich die Brisanz um den Gesetzesentwurf – vielmehr jedoch um eine erneute Abstimmung über Unions-Pläne mit Stimmen der AfD.
Abstimmung über Unions-Gesetz: Emotionale Debatte über Merz‘ Pläne im Bundestag
Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz hatte SPD und Grüne in der Debatte aufgefordert, den umstrittenen Gesetzentwurf der CDU/CSU zur Begrenzung der Zuwanderung mitzutragen. Wenn man die Achtung der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zurückgewinnen wolle, „dann müssen wir uns in der politischen Mitte dieses Hauses als entscheidungsfähig erweisen, auch wenn wir wenige Tage vor einer Bundestagswahl stehen“, sagte der CDU-Chef im Parlament.
Merz-Gesetz verfehlt Mehrheit: Linke reagieren erleichtert und kritisieren CDU-Chef
Der Bundestag hat den heftig diskutierten Gesetzentwurf der CDU/CSU-Fraktion zur Begrenzung der Migration abgelehnt. Die Debatte geht dennoch weiter. Erste Reaktionen haben nicht lange auf sich warten lassen. Die Vorsitzende der Linken-Gruppe, Heidi Reichinnek, hat das Scheitern des umstrittenen Unions-Antrags zur Begrenzung der Migration im Bundestag begrüßt. „Ich bin sehr erleichtert“, sagte sie dem TV-Sender Phoenix. Ohne die Stimmen der Linken hätte die Ablehnung so nicht funktioniert. Reichinnek nannte es zugleich „schrecklich, dass es überhaupt so weit kommen musste“. Der vorab auch von der AfD unterstützte Antrag der CDU/CSU-Fraktion hatte in namentlicher Abstimmung eine Mehrheit verfehlt.
Reichinnek, forderte nach der Abstimmung erneut, die Union brauche einen neuen Kanzlerkandidaten – Merz sei nicht mehr tragbar. Auch die AfD-Chefin erklärte nach der Abstimmung: „Die CDU hat ihren eigenen Kanzlerkandidaten abgesägt. Das ist die Brandmauer. Das ist die Blockade.“ Umstritten bleibt, dass das Gesetz der Union überhaupt zur Abstimmung gegeben wurde. Auch wirft der gescheitere Gesetzesentwurf Fragen nach dem Abstimmungsverhalten auf – auch aus den Reihen der Union. (pav/dpa)