Zahlen und Daten

Zu dieser Uhrzeit in Deutschland steht das End-Ergebnis der US-Wahl fest

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Bei der US Wahl warten alle auf die Ergebnisse der führenden Medien. Die Zahlen basieren auf komplexen Analysen. Notwendig ist ein riesiges Netzwerk.

Washington, D.C. – Wer liegt vorne, wer gewinnt, wer wird neuer Präsident? Das sind die Fragen, die alle vier Jahre die Wahlnacht in den USA beherrschen. Sobald die Wahllokale geschlossen sind, wartet die Nation deshalb gespannt auf die Prognosen der führenden Zeitungen und TV-Sender. Auch bei der US-Wahl 2024 im November spielen diese Zahlen und Daten wieder eine entscheidende Rolle.

Für die Medien ist das eine Herkulesaufgabe. Immerhin gibt es alleine bei der Präsidentschaftswahl einundfünfzig separate Wahlen – eine in jedem Bundesstaat und eine im Bundesdistrikt Washington, D.C. Jede hat unterschiedliche Regeln und Vorschriften. Zudem gibt es keine landesweite Wahlleitung, die noch am Wahlabend das Ergebnis verkündet. Die USA sind deshalb auf die Medien angewiesen. Wie aber kommen die Prognosen zur US-Wahl 2024 überhaupt zustande?

Termin5. November 2024
Kandidatin der DemokratenKamala Harris
Running MateTim Walz
Kandidat der RepublikanerDonald Trump
Running MateJ.D. Vance
Amtierender PräsidentJoe Biden

Vorläufige Ergebnisse und Prognosen zur US-Wahl kommen noch in der Wahlnacht

Sobald die Wahllokale in einem Bundesstaat ihre Türen schließen, starten die Behörden mit der Auszählung der Stimmen. Die genauen Regeln variieren von Staat zu Staat, doch meistens beginnt dieser Prozess um 19 Uhr Ortszeit.

Aufgrund der verschiedenen Zeitzonen in den USA, sind an der Ostküste die Stimmen bereits ausgezählt, während die Wähler in Staaten wie Alaska und Hawaii noch auf dem Weg zu den Wahlurnen sind.

RegionBundesstaatenSchließung nach deutscher Zeit
Süd- und OststaatenGeorgia, Indiana, Kentucky, South Carolina, Vermont, Virginia1 Uhr
Mittlere AtlantikstaatenOhio, North Carolina, West Virginia1.30 Uhr
Nordost- und SüdstaatenAlabama, Connecticut, Delaware, Florida, Illinois, Maine, Maryland, Massachusetts, Mississippi, Missouri, New Hampshire, New Jersey, Oklahoma, Pennsylvania, Rhode Island, Tennessee, Washington D.C.2 Uhr
ArkansasArkansas2.30 Uhr
Zentral- und SüdstaatenArizona, Colorado, Iowa, Kansas, Louisiana, Michigan, Minnesota, Nebraska, New Mexico, New York, North Dakota, South Dakota, Texas, Wisconsin, Wyoming3 Uhr
BergregionMontana, Nevada, Utah4 Uhr
WestküsteIdaho, Kalifornien, Oregon, Washington5 Uhr
PazifikinselnHawaii, Alaska6 Uhr (Hawaii), 7 Uhr (Alaska)

Die Resultate werden in der Regel innerhalb weniger Stunden veröffentlicht. In Deutschland treffen diese daher noch während der Wahlnacht ein. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die am Wahlabend veröffentlichten Ergebnisse vorläufig und stets unvollständig sind. Sie verändern sich zwangsläufig, je mehr Stimmen ausgezählt werden. Die endgültigen Ergebnisse der US-Wahl stehen manchmal erst nach Wochen fest.

Prognosen zur US-Wahl: Medien kommt eine entscheidende Rolle zu

Hier kommt es vor allem darauf an, eifrig Daten zu sammeln. Dafür zuständig sind in den USA vor allem zwei Organisationen. Während die Zeitungen hauptsächlich auf die Zahlen der Nachrichtenagentur Associated Press zurückgreifen, haben die großen TV-Nachrichtensender – ABC, CBS, CNN und NBC – ein Konsortium gegründet, das seine Ressourcen zu bündeln. Der National Election Pool (NEP), der mit dem Forschungsunternehmen Edison Research zusammenarbeitet, lizenziert die Daten an mehrere Nachrichtenagenturen, darunter zum Beispiel Reuters.

Die Arbeitsweise ist bei AP und NEP gleich. Erstes Mittel bei beiden sind die Exit Polls. Bei diesen Nachwahlbefragungen handelt es sich um eine hochgradig koordinierte Aktion, bei der im ganzen Land auf der Grundlage wahrscheinlichkeitsbasierter Stichprobenverfahren die Stimmung im Land abgefragt wird. Diese Umfrage umfasst auch ausführliche persönliche Interviews mit denjenigen, die ihre Stimme bereits vor dem eigentlichen Wahltag oder per Brief abgegeben haben. Dabei handelt es sich im Endeffekt um die einzige Umfrage unter wirklichen Wählerinnen und Wählern.

Wie die Medien bei der US-Wahl ihre Prognosen erarbeiten

Die zweite Aufgabe besteht darin, landesweit alle Stimmen aus jeder Gemeinde des Landes zu sammeln. Die AP nutzt hierfür ein Netzwerk von etwa 4000 freiberuflichen „Stringern“, die überall im Land auf lokaler Ebene diverse Ergebnisse zusammensuchen. Als weitere Quellen werden Websites oder elektronische Datenfeeds von Bundesstaaten und Landkreisen abgerufen.

Die US-Wahl 2024 entscheidet zwischen Trump (Republikaner) und Harris (Demokraten): Erste Ergebnisse und Prognosen gibt noch in der Wahlnacht.

Alle gesammelten Daten müssen anschließend verifiziert werden. Ein Teil der Qualitätskontrolle besteht darin, zu überprüfen, ob die Zahlen in allen Quellen konsistent sind. Zudem kann es vorkommen, dass die Daten mit der bisherigen Wahlhistorie eines Landkreises nicht übereinstimmen. Oder es wird gemeldet, dass mehr Stimmen abgegeben wurden, als es in einem Landkreis registrierte Wahlberechtigte gibt.

Die Entscheidung, ein Ergebnis zu verkünden, fällt am Ende der jeweilige „Decision Desk“. So analysiert in der Regel jeder TV-Sender unabhängig voneinander die verfügbaren Daten und verwendet statistische Modelle sowie ein Team von Fachleuten, bevor es an die Öffentlichkeit geht. Dabei benutzen die Medien üblicherweise drei verschiedene Varianten, als Beispiel sei hier die NBC-Methodik dargestellt:

  • „Too early to call“: Das kann entweder bedeuten, dass die statistischen Standards für eine Prognose noch nicht erreicht sind; oder es liegen noch nicht genügend Daten vor, um ein Ergebnis sicher zu bestimmen.
  • „Too close to call“: Der Abstand wird weniger als fünf Prozentpunkte betragen. Dazu wird es erst dann kommen, wenn statistisch klar ist, dass es so knapp ausgehen wird.
  • „Projected winner“: Der Sender ist sich sicher, das Ergebnis vorhersagen zu können.

Die Medien in den USA liegen mit ihren Prognosen bei Wahlen fast immer richtig

Offiziell sind diese Ergebnisse nicht. In Ausnahmefällen kann es auch zu Irrtümern kommen. Als Beispiel sei die Wahl 2000 zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore genannt. Damals sahen die großen Fernsehsender und die AP zunächst in Gore den Sieger im Bundesstaat Florida. Als die Stimmen ausgezählt waren, erklärten die Sender Bush zum Sieger, widerriefen später aber auch diese Entscheidung. Mehr als einen Monat später stoppte der Supreme Court eine Neuauszählung und sicherte Bush so einen knappen Sieg.

Ein Blick auf die Wahlen 2020 zeigt aber, dass die Medien in der Regel richtig liegen. Die Prognosen der AP zu den Präsidentschafts- und Kongresswahlen waren damals in allen Fällen korrekt. (cs)

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