LGBTQ-Rechte

So machen die Republikaner trans Kinder in den USA zur Zielscheibe

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Republikanerin Marjorie Taylor Greene propagiert transfeindliche Legislatur in Washington. Ihr Gesetz wird wohl kaum durchgehen - zeigt aber gefährliches Potential.
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Hass im Namen der Kinder: Wie die Republikanische Partei in den USA Hass gegen trans Menschen schürt und sie für ihre Politik nutzt. Eine Analyse.

Washington D.C. – Gleich zwei Bombendrohungen innerhalb weniger Wochen führten zur kurzzeitigen Räumung des Boston Children’s Hospital im US-Bundesstaat Massachusetts. Der Grund: Das Personal erhält regelmäßig Todesdrohungen, seitdem der rechte Social Media Account „Libs of TikTok“ die Klinik ins Visier genommen hat. Der Account, der für seine hetzerischen Posts gegen trans Menschen bekannt ist, hatte ein erklärendes Video der Klinik geteilt und fälschlicherweise behauptet, dass dort „Minderjährige verstümmelt“ würden. Es ist die neueste Eskalationsstufe einer landesweiten moralischen Panik - ausgelöst und vorangetrieben durch das rechte und konservative Spektrum.

Die Republikanische Partei ist längst auf diesen Panik-Zug aufgesprungen und versucht in von ihnen regierten Bundesstaaten, die Rechte von trans Menschen zu beschränken. Oft vor dem Hintergrund, dass man gerade Kinder „schützen wolle“. Dahinter steckt die erfundene Erzählung, dass Homo- oder Transsexualität sozial übertragbar, also „ansteckend“ sei. Da homosexuelle und trans Menschen sich nicht vermehren könnten, müssten sie Kinder in ihre Reihen „rekrutieren“, so die Deckmanteltheorie. Tatsächlich basiert diese Aussage auf einer einzigen Studie - bei der sich herausstellte, dass die Wissenschaftlerin gezielt Eltern aus anti-trans Online-Foren befragt hatte. Die Brown Universität hat sich inzwischen von der Studie distanziert und das Journal, in der sie erschienen war, hat eine Korrektur gedruckt.

USA: Wie die US-Republikaner gegen trans Menschen mobilisieren

Doch die Religiöse Rechte in den USA, seit Jahrzehnten schon Treiber der Republikanischen Partei, hat es bereits seit längerer Zeit auf trans Menschen abgesehen. Angesichts einer inzwischen klaren Mehrheit in der Bevölkerung für die gleichgeschlechtliche Ehe schien deren Kampf gegen die Rechte von Homosexuellen vorerst verloren, auch wenn sie ihn längst nicht aufgegeben haben.

Stattdessen wandte man sich einer anderen Bevölkerungsgruppe zu, noch kleiner und marginalisierter: trans Menschen. Vor einigen Jahren hatte man bereits versucht, sogenannte „Bathroom Bills“ zu verabschieden, bei denen trans Menschen in Schulen nur der Besuch einer Toilette, die mit ihrem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht übereinstimmt, gestattet wurde. Dafür gab es kaum öffentliche Zustimmung. Doch jetzt, sagt Corinne Green von der Non-Profit-Organisation Equality Federation, hätten sich die Religiöse und Politische Rechte neue Methoden überlegt. Um auch Menschen aus dem linken oder zentristischen Spektrum erreichen könnten, machen sie sich deren Unkenntnis zu nutze.

„Dass die Menge der trans Menschen so klein ist, macht uns zu einem leichten Ziel für diese Leute“, sagt Green, die selbst trans ist und in New Orleans, Louisiana lebt. „Mittlerweile haben auch viele Republikaner, wenn sie älter sind, Kinder oder Nichten und Neffen, die homosexuell sind – aber die wenigsten von ihnen haben schon mal wissentlich eine trans Person getroffen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir in den State Capitols auftreten und mit Republikanischen Politikern sprechen“, sagt Green.

Trans Personen fühlen sich alleingelassen

Gleichzeitig fühlen sich diejenigen, die für trans Rechte kämpfen, oft von vermeintlichen Unterstützer:innen der Demokratischen Partei im Stich gelassen. Wie in Louisiana, wo Green lebt: Dort hatte sich der Demokratische Gouverneur einst gegen ein transfeindliches Gesetz ausgesprochen. Doch im Juni 2022 unterzeichnete er trotz Protesten ein Teilnahmeverbot für trans Mädchen und Frauen im organisierten Sport. „Ich kann es mir so erklären, dass er vielleicht noch andere politische Ambitionen jenseits des Gouverneursamtes hat“, sagt Green.

Auch auf republikanischen Seite strebt man nach Höherem. Der texanische Gouverneur Greg Abbott und sein Generalstaatsanwalt Ken Paxton waren einst nicht „MAGA“ genug für Trump-Anhänger:innen und versuchen seither sich mit rechten Positionen zu überbieten. Dabei besonders im Fokus: die Abschaffung von Rechten für trans Menschen.

Protest der LGBTQ-Community in Texas: Durch die Südstaaten schwappt eine regelrechte Welle LGBTQ-feindlicher Gesetze.

Paxton nannte die für trans Menschen gender-bestätigende Gesundheitsversorgung „Kindesmissbrauch“. Abbott wies die Jugendschutzbehörde an, gegen Eltern von trans Kindern und Jugendlichen, die ihnen Zugang zu dieser Versorgung gewährten, zu ermitteln. Ein Bundesrichter blockierte die Anordnung des Gouverneurs zwischenzeitlich, doch der Texas Supreme Court hob die Blockade wieder auf. Ein Schulbezirk in Texas hat kürzlich beschlossen, dass Wort „transgender“ in seinen Klassenräumen komplett zu verbieten und weigert sich die Existenz von trans Menschen überhaupt erst anzuerkennen.

200 LGBTQ-feindliche Gesetze in nur einem Jahr

Texas ist keine Ausnahme. Auch in anderen Republikanisch dominierten Staaten wird die Legislatur Schlag auf Schlag immer transfeindlicher. Allein in diesem Jahr wurden mehr als 200 LGBTQ-feindliche Gesetze vorgestellt. Diese lassen sich meist in drei Kategorien einteilen: Kriminalisierung von Gesundheitsversorgung, Teilnahmeverbote im Schul- oder Universitätssport und die Zensur von Lehrkräften, die LGBTQ-Themen in Schulen ansprechen.

Gerade der Bundesstaat Virginia geht an Schulen besonders extrem vor: Lehrpersonal muss Schüler:innen mit den bei der Geburt zugeteilten Pronomen ansprechen und selbst wenn sie ihren Namen bereits legal geändert haben, dürfen „Deadnames“, die ihnen bei der Geburt gegeben wurden, verwendet werden – für viele trans Menschen eine Demütigung. Auch dürfen sie nicht länger die Toiletten und Umkleiden benutzen, die ihrer Gender-Identität entsprechen,

In Missouri hat ein Schulbezirk den Schutz von trans Schülerinnen und Schülern ganz aufgehoben – nun könnten die Kinder gezwungen werden, sich entsprechend ihres bei der Geburt zugeteilten Geschlechts zu kleiden.

Wie wurden trans Kinder in den USA zur Zielscheibe der Republikanischen Partei?

Remington Johnson, trans Seelsorgerin und Aktivistin in Austin, Texas warnt wie viele andere seit langem, dass es nie „um die Kinder ging“ – sondern um die „Auslöschung von trans Menschen aus der Öffentlichkeit“. Aber woher kommt dieser Fokus auf trans Personen? Wer in das Wahlprogramm der texanischen Republikaner aus dem Jahr 2014 schaut, stellt fest, dass das Wort „transgender“ dort kein einziges Mal auftaucht. In dem neuen Programm von 2022 sind hingegen ganze Textabschnitte transfeindlichen Positionen gewidmet. Weshalb der Wandel?

In der Republikanischen Partei gibt eine christlich-nationalistische Ideologie landesweit den Ton an: Es wird ein Amerika von und für die „richtige Sorte“ Christlicher konstruiert: Weiße Konservative mit traditionell binären Vorstellungen von Geschlecht und Gender. Unterschiede zwischen Mann und Frau werden betont, die Forderung nach Gleichheit sei unnatürlich, verstoße gegen Gottes natürliches Gesetz – egal ob beim Thema Feminismus oder Gender.

Auch die Eltern von trans Kindern stehen im Visier der religiösen Rechten.

Im Komplementarismus, so nennt sich diese theologische Schule, die vor allem in weißen evangelikalen Gemeinden zu finden ist, in Grundzügen aber auch bei rechten Katholiken, werden Mann und Frau als „getrennt, aber gleich“ beschrieben. In der Tat sollte der historische Kontext hier schaudern lassen, denn mit derselben Formulierung - „separate but equal“ - rechtfertigten zahlreiche US-Bundesstaaten lange ihre rassistischen Jim Crow-Gesetze. Für die Religiöse und die Politische Rechte stellt die Existenz von trans Menschen die Zuspitzung einer dekadenten, säkularen, individualistischen Gesellschaft dar – alles, was in ihren Augen gottlos und verkommen ist.

„Evangelikale mögen es nicht, wenn man von ihrer Norm abweicht“

Abgesehen von der Zentralität heteronormativer Gender- und Geschlechtervorstellungen spielen auch strenge Vorgaben, gesellschaftliche Ordnung und Gehorsam gegenüber patriarchaler Autorität eine Rolle. Jolene Jones ist trans und in einer streng evangelikalen Familie in Louisiana aufgewachsen, ihr Erwachsenenleben hat sie in Texas verbracht. „Evangelikale mögen es nicht, wenn man von ihrer Norm abweicht“, sagt sie. Es gebe nur richtig und falsch.

Gleichzeitig liebäugelt die Republikanischen Partei immer offener mit dem rechtsextremen Verschwörungsnarrativ des „Großen Austausch“. Ein Mythos nach dem weiße Menschen durch nicht-weiße „ersetzt“ werden sollen. Der Faschismus-Experte Jason Stanley erklärt, wie das mit anti-trans Rhetorik zusammengeht: „Die Logik des Faschismus ist die der Great Replacement Theory, die Angst, dass eine dominante Gruppe kulturell oder physisch durch eine Minderheitsgruppe, die als Sündenbock benutzt wird, ersetzt wird. Der Angriff auf trans Frauen bedient sich dieser Logik – er schürt die Angst, dass Frauen als Klasse ‚ersetzt‘ werden.“

Es ist kein Zufall, dass neben transfeindlichen Gesetzen auch Abtreibungsverbote erlassen wurden. Beide Kategorien verletzen die körperliche Autonomie - und das Normbild der religiösen Rechten. Gefördert wird diese Welle der Gesetzgebung durch ein Netzwerk rechter Organisationen und Think Tanks, die Modellgesetzgebung schreiben und diese dann an wohlgesonnene Politiker:innen weiterleiten. Deswegen ähneln sich die Gesetze auch so sehr: Zwei anti-trans Gesetze in Louisiana und Ohio teilen sich einen Namen und verwenden die gleiche Sprache.

Klare Ziele der US-Republikaner: Gesetze gegen trans Rechte bestimmen Agenda

Unterstützung kommt vom einflussreichen Family Research Council (FRC), einer rechtsreligiösen Gruppe. Ein weiterer Key-Player ist die Alliance Defending Freedom (ADF), die seit Jahren gegen die Gleichberechtigung von LGBTQ-Menschen kämpft und auch vor dem Supreme Court schon Erfolge für die Religiöse Rechte feiern konnte. Die Organisation half laut der republikanischen Senatorin Mary Souza aus Idaho, den Gesetzestext eines Teilnahmeverbots für trans Personen bei Sportveranstaltungen zu schreiben und versprach „für jegliche Kosten zur juristischen Verteidigung“ des Gesetzes aufkommen. Das Verbot wurde im März 2020 verabschiedet.

Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht

Donald Trump als Moderator von The Apprentice, einer Reality-TV-Serie in den USA
Seit über 40 Jahren ist Provokation seine Spezialität: Donald Trump erregte die Gemüter, lange bevor er sich entschied, eine politische Karriere anzustreben. Ob als eiskalter Immobilienmakler in seiner Heimatstadt New York City oder wie hier als skrupelloser Chef in seiner eigenen Reality-TV-Serie „The Apprentice“ - Trump sorgte immer für Schlagzeilen. Ein Blick zurück erinnert an die größten Momente, die schließlich im Wahlsieg 2016 und dem Einzug ins Weiße Haus mündeten. © Imago
Donald Trump und Ivana Trump in den späten 1980er Jahren.
Dabei hatte alles so harmonisch begonnen. Donald Trump, reicher Erbe, Liebling der Klatschspalten und ab 1986 auch noch als Retter der New Yorker Eislaufbahn bekannt geworden, heiratete 1977 Ivana Trump. Das ehemalige Model schenkte Donald seine ersten drei Kinder: Donald Jr., Ivanka und Eric. Doch die Ehe sollte das glamouröse Leben der Trumps nicht überstehen und im Jahr 1990 ein Ende in Scheidung finden. © imago stock&people
Donald Trump und Marla Maples bei ihrer Hochzeit im Dezember 1993
Donald Trump ehelichte daraufhin die Frau, mit der er laut der Regenbogenpresse ohnehin schon seit längerem eine Affäre hatte: Marla Maples. Die damals 30 Jahre alte Schauspielerin gab Trump am 20. Dezember 1993 in New York das Ja-Wort. Kurz zuvor war Tiffany Trump, die gemeinsame Tochter der beiden, zur Welt gekommen. Die Ehe hielt respektable sechs Jahre. Marla Maples hätte über diese Zeit gerne ein Buch geschrieben. Das aber verhinderten laut Vanity Fair die Anwälte ihrer Stiefkinder Ivanka Trump und Donald Junior. © imago
Donald Trump und Melania Trump gemeinsam in New York
Es folgte Ehe Nummer Drei für Donald Trump, diesmal mit Melania Knauss. Das Topmodel aus Slowenien wurde als Kampagnengesicht der Zigarettenmarke Camel 1998 in den USA berühmt. Ihren späteren Ehemann lernte Melania im selben Jahr kennen. Im Jahr 2002 heiratete sie den 24 Jahre älteren Donald Trump. 2006 kam der gemeinsame Sohn des Glamour-Paares auf die Welt: Barron Trump. © Imago
Im Jahr 2016 kam Donald Trump wie hier die goldene Rolltreppe seines Hochhauses in New York herab
Im Jahr 2016 kam Donald Trump wie hier die goldene Rolltreppe seines Hochhauses in New York herab und erklärte seine Kandidatur für die US-Wahl 2016. Kaum jemand nahm die politischen Ambitionen des Fernsehstars zu diesem Zeitpunkt ernst. © Andrea Hanks/imago
Donald Trump gegen Parteigrößen wie Jeb Bush
In den Vorwahlen der Republikaner trat Donald Trump gegen Parteigrößen wie Jeb Bush (im Bild) an. Bei den TV-Debatten der Kandidaten machte er erstmals auf sich aufmerksam – indem er die alteingesessenen Politiker derbe attackierte. Trump sicherte sich so die Nominierung der Partei für die US-Wahl 2016. © imago
Donald Trump und Hillary Clinton beim Wahlkampf 2016
Dort traf Donald Trump auf Hillary Clinton. Die Kandidatin der Demokraten galt als Favoritin - vor allem, nachdem ein Tonband aufgetaucht war, in dem Trump damit angab, Frauen ungestraft sexuell belästigen zu können. Doch es geschah, was kaum jemand für möglich hielt: Trump setzte sich durch und wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. © imago
Barack Obama empfängt nach dessen Amtseinführung seinen Nachfolger Donald Trump im Weißen Haus in Washington DC, USA
Barack Obama hatte sich bei der Wahl für Hillary Clinton, seine langjährige Außenministerin, eingesetzt und vor Trump gewarnt. Genutzt hatte es nichts. Wie üblich besuchte Obama zunächst die feierliche Amtseinführung und empfing anschließend seinen Nachfolger im Weißen Haus – eine Ehre, die Trump vier Jahre später Joe Biden verweigern sollte. © imago
Donald Trump und Emmanuel Macron schütteln Hände
Kaum in Amt und Würden, schlidderte Donald Trump von einer Peinlichkeit zum nächsten Affront. Mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron lieferte sich Trump auf Staatsbesuch in Frankreich einen Wettbewerb im Händedrücken, den am Ende Macron gewann. Das zumindest ließen die deutlichen Spuren vermuten, die die Finger des Franzosen auf der Hand des US-Präsidenten hinterlassen hatten. © Peter Dejone/dpa
US-Präsident Donald Trump auf Staatsbesuch in Schanghai, China.
Doch Donald Trump polarisiert nicht nur mit seinen Taten, auch Spekulationen rund um sein Aussehen sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Warum ist seine Haut orange, was schmiert er sich ins Gesicht, kann sich ein Milliardär kein besseres Toupet leisten? Das verweigert nämlich regelmäßig, ordentlich auf dem Kopf liegen zu blieben – wie hier zum Beispiel auf dem Flughafen in Schanghai zu sehen. © Jim Watson/imago
Angela Merkel, Emannuel Macron, Shinzo Abe und Donald Trump auf dem G7-Gipfel in Kanada
Vor allem die Verbündeten brachte Donald Trump mit seinem Wankelmut auf die Palme. Die schwierige Beziehung zwischen den USA unter seiner Regentschaft und dem Rest der westlichen Welt wird durch dieses Foto zusammengefasst, das auf dem G7-Gipfel in Kanada im Jahr 2018 entstand. Angela Merkel, damals noch Bundeskanzlerin, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Japans Premierminister Shinzo Abe reden auf Trump ein. Der sitzt da, mit trotzigem Gesichtsausdruck und verschränkten Armen. Vor allem Merkel ist die Frustration über einen derartigen Verhandlungspartner deutlich anzusehen. © Jesco Denzel/dpa
US-Präsident Donald Trump und Erotikdarstellerin Stormy Daniels
Wer glaubte, dass Donald Trump als Präsident zumindest nur noch politische Skandale produziert, wurde bald eines Besseren belehrt. Erotikdarstellerin Stormy Daniels machte ihre Affäre mit dem US-Präsidenten öffentlich. Beide trafen sich, während Trump schon mit Melania verheiratet war. Pikant: Melania war wohl damals gerade mit dem gemeinsamen Kind schwanger. Trump befahl seinem damaligen Anwalt Michael Cohen, Stormy Daniels Schweigegeld zu zahlen, damit alles geheim bleibe. Doch weil das Geld angeblich nie bei ihr ankam, schrieb Daniels ein Buch. Nun wissen wir alle, ob wir wollen oder nicht, wie Trumps Penis aussieht. © Mandel Ngan/afp
Donald Trumps legendärer Tweet mit Covfefe in einer Kunstausstellung in New York
Doch weder mit Bettgeschichten noch mit politischen Skandalen erzeugte Donald Trump derart viel Aufmerksamkeit wie mit seinem Twitter-Kanal. Als @realdonaldtrump twitterte Donald, bis sich die Balken bogen: mitten in der Nacht, voll Rechtschreibfehler und am liebsten in Großbuchstaben. Legendär ist sein „Covfefe“-Tweet vom 31. Mai 2017 (im Bild). Zeitweise folgten ihm fast 89 Millionen Accounts. Doch im Januar 2021 war auf einmal Schluss. Im Zuge der Attacke auf das Kapitol sperrte Twitter den Account des damals noch amtierenden US-Präsidenten. Grund: Er habe den Mob zur Gewalt ermutigt. © Christina Horsten/dpa
Neonazis marschieren durch Charlottesville (USA)
In welche Richtung Donald Trump innenpolitisch steuerte, wurde spätestens 2017 klar. Eine Horde Neonazis marschierte damals mit Fackeln durch die Stadt Charlottesville. Uniformierte Männer brüllten im Chor: „Juden werden uns nicht ersetzen.“ Ein Mann raste mit seinem Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten, eine 30 Jahre alte Frau starb infolgedessen. Die ganzen USA waren schockiert. Doch das Staatsoberhaupt weigerte sich, den Neonazi-Aufmarsch zu verurteilen. Stattdessen sprach Donald Trump von „sehr guten Leuten auf beiden Seiten“. © Zach D Roberts/imago
Donald Trump besucht Puerto Rico
Als der Hurrikan „Florence“ im September 2018 die Insel Puerto Rico verwüstete, interessierte das Donald Trump zunächst wenig. Nach politischem Druck schickte er jedoch Hilfe und reiste sogar selbst auf die Insel, die zu den USA gehört, aber kein offizieller Bundesstaat ist. Dort angekommen bewarf Trump die Menschen mit Klopapierrollen. Die Tragweite der Katastrophe schien ihm zu keinem Zeitpunkt bewusst. Star-Koch José Andrés, selbst aus Puerto Rico und bei besagter Situation anwesend, sagte einige Zeit später zur Washington Post: „Es war ein Beweis für seine Unfähigkeit zur Empathie.“ © Evan Vucci/dpa
Donald Trump und das Sharpie Gate
Was nicht passt, wird manipuliert. Kein Moment charakterisiert dieses Credo von Donald Trump so eindrücklich wie das „Sharpie-Gate“. Als der Hurrikan Dorian die USA bedrohte, twitterte Trump, man müsse sich in den Bundesstaaten Florida, Georgia und Alabama in Acht nehmen. Das Problem: laut der offiziellen Karte des nationalen Wetterdienstes war Alabama nicht betroffen. Statt zuzugeben, dass er sich geirrt hatte, schmierte Trump mit einem Sharpie-Filzstift (das amerikanische Pendant zum Edding) einfach auf der Karte rum, erweiterte so das Gefahrengebiet und schwupps: schon war auch Alabama betroffen - zumindest in der Welt von Donald Trump, in der Fakten beliebig austauschbar sind. © JIM WATSON/afp
Trump-Anhänger stürmern das Kapitol in Washington DC
Wie sie begann, so endete Donald Trumps Zeit als Präsident: mit einem Skandal. Wochenlang schürte Trump mit seinen Behauptungen vom Wahlbetrug („The Big Lie“) die Aggressionen seiner Anhänger. Am 6. Januar 2021, der Tag, an dem Joe Biden offiziell zum Präsidenten ernannt werden sollte, entlud sich die Wut. Nachdem Trump seine Anhänger aufforderte, zum Kapitol zu marschieren, eskaliert dort die Situation. Der Mob überwindet die Absperrungen der völlig überforderten und unterbesetzten Polizei und dringt in das Parlamentsgebäude ein. Fünf Menschen sterben infolge des Aufruhrs. Für Donald Trump ändert das kaum etwas. Bis heute hat er seine Niederlage öffentlich nicht eingestanden. © Lev Radin/imago
2024, als die Kolumnistin und Autorin E. Jean Carroll (Mitte) ein Prozess gegen den Ex-Präsidenten wegen sexuellem Missbrauch und Verleumdung gewann.
Bis heute hat Donald Trump seine Niederlage bei der US-Wahl nicht 2020 eingestanden. Skandale produzierte er aber auch nach seiner Amtszeit weiter. So im Jahr 2024, als die Kolumnistin und Autorin E. Jean Carroll (Mitte) einen Prozess gegen den Ex-Präsidenten wegen sexuellem Missbrauch und Verleumdung gewann. Ein New Yorker Gericht sprach Caroll Schadensersatz in Höhe von 84 Millionen Dollar zu.  © IMAGO/Mary Crane
Donald Trump, hier mit seiner Anwältin Alina Habba
Noch heftiger fiel das Urteil in einem anderen Prozess gegen Donald Trump, hier mit seiner Anwältin Alina Habba aus. Ebenfalls in New York wurde der Ex-Präsident wegen Verschleierung von Schweigegeldzahlungen an die Erotikdarstellerin Stormy Daniels schuldig gesprochen - in insgesamt 34 Fällen.  © imago
Bis heute hat Donald Trump seine Niederlage bei der US-Wahl 2020 nicht eingestanden.
Trotz aller Skandale tritt Donald Trump auch 2024 erneut zur US-Wahl an. Seine Kandidatur verkündete er in seinem neuen Wohnsitz, dem Luxus-Ressort Mar-a-Lago. © IMAGO/C-Span
Donald Trump und Kamala Harris
Nach dem Rückzug der Kandidatur Joe Bidens hatte Donald Trump im Wahlkampf für die US-Wahl 2024 eine neue Gegnerin: Vizepräsidentin Kamala Harris. Im ersten und einzigen TV-Duell produzierte Trump dann auch den nächsten Eklat. „Sie essen Katzen und Hunde“, sagte der Kandidat der Republikaner über Einwanderer aus Haiti, die sich im Bundesstaat Ohio angeblich über Haustiere der US-Bürgerinnen und Bürger hermachen würden. © SAUL LOEB/AFP
Donald Trump gewann die US-Wahl 2024
Donald Trump gewann die US-Wahl 2024 und zog mit seinem neuen Vizepräsident JD Vance ins Weiße Haus ein. Am Tag der Amtseinführung unterzeichnete Trump in der Mehrzweckhalle Capital One Arena in Washington DC unter dem Applaus seiner Anhängerschaft dutzende präsidentielle Dekrete. © JIM WATSON/AFP
Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um
Kaum angekommen im Oval Office sorgte Donald Trump für den nächsten Eklat. Per Dekret benannte der neue US-Präsident den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um. Weil die Nachrichtenagentur AP diese Umbenennung nicht mitmachen wollte, verbannte die Trump-Administration ihre Vertreterinnen und Vertreter von den Pressekonferenzen des Weißen Hauses. © imago
Donald Trump beim Interview im Oval Office
Ebenfalls im Oval Office kam es zu einem weiteren Eklat, an dem Donald Trump maßgeblich beteiligt war. Während eines Fernsehinterviews behauptete der US-Präsident, man habe die Tättowierung „MS13“ auf den Knöcheln eines abgeschobenen Südamerikaners gefunden, was wiederum dessen Mitgliedschaft in der gleichnamigen Kriminellen-Gang beweisen würde. Mehrfach wies der Reporter Trump daraufhin, dass es sich bei seinem angeblichen Beweisfoto um eine mit Photoshop bearbeitete Aufnahme handle. Trump wiederum ließ sich davon aber nicht stören. © IMAGO/White House
Trump auf der Beerdigung des Papstes in Rom
Doch nicht nur in Washington DC sorgte Donald Trump nach Amtsübernahme für Eklats und Kopfschütteln. Das gelang dem neuen Präsidenten auch in Rom. Bei der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan brach Trump mit seiner Anzugfarbe das Protokoll. Statt in Schwarz erschien der US-Präsident in Begleitung von First Lady Melania Trump in blauem Anzug. © ISABELLA BONOTTO/AFP

Die ADF schrieb übrigens auch den Text des Mississippi-Abtreibungsverbots, welches zuletzt im Fall Dobbs v. Jackson Women’s Health Organisation vor den Obersten Gerichtshof kam – und zum Ende des verfassungsmäßig geschützten Rechts auf Abtreibung führte. Der größte juristische Sieg der ADF seit Jahren.

Auf ihren Lorbeeren wollen sich diese Gruppen allerdings nicht ausruhen. So haben sich die Heritage Foundation, die Family Policy Alliance und die ADF in einer Koalition zusammengetan, die Initiative „Promise to America’s Children“ ins Leben gerufen und weitere Modellgesetze versprochen. Vertreter:innen derselben anti-LGBTQ Organisationen werden zugleich von Republikanischen Politiker:innen auch als Fachleute in Anhörungen zu anti-trans Gesetzen eingeladen. Diese Welle von anti-trans Gesetzen ist eine koordinierte Attacke dieser rechtsreligiösen Gruppierungen.

Religiöse Rechte mit Kriegserklärung

In diesem Sinne hat jetzt Marjorie Taylor Greene, Republikanische Abgeordnete für Georgia und rechtsextreme Verschwörungsanhängerin, das erste nationale anti-trans Gesetz vorgebracht, das gender-bestätigende Gesundheitsversorgung für trans Minderjährige landesweit kriminalisieren würde. Ärzt:innen würden bis zu 25 Jahren Gefängnis drohen. Momentan hat das Gesetz zwar keine Aussicht darauf, im Demokratisch kontrollierten Kongress verabschiedet zu werden. Aber es ist eine Kriegserklärung der Religiösen Rechten an trans Menschen. Und gibt eine Ahnung von dem, was ihnen vorschwebt, sollten sie bei den Zwischenwahlen die Mehrheiten im Kongress und 2024 die Präsidentschaft zurückgewinnen. (Annika Brockschmidt)

Hinweis: Die Recherchereise für diesen Artikel wurde im Rahmen des Transatlantic Media Fellowship von der Heinrich Böll Stiftung finanziert.

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