Kostspieliger Abwehrschirm

Nach Irans Angriff auf Israel: Wann der Iron Dome für Deutschland kommt

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Irans Angriff auf Israel hat die Welt erschüttert. Doch der Iron Dome soll „99 Prozent“ der Drohnen und Raketen abgefangen haben. Die deutschen Anschaffungspläne dauern an.

Tel Aviv/Berlin – Während die iranische Militärführung den Erfolg ihres Angriffs auf israelisches Gebiet verkündet, feiern israelische Verantwortliche die erfolgreiche Abwehr dieser Angriffe. Laut dem israelischen Armeesprecher Daniel Hagari wurden die Raketen und Drohnen, die auf Israel abgefeuert wurden, zu „99 Prozent“ abgefangen. Dies sagte Hagari am Sonntag in einem Fernsehinterview. Die iranischen Angriffe seien somit „vereitelt“ worden. Derzeit stellen viele die Frage: Wie fällt Israels Reaktion auf den ersten Direktangriff des Irans aus? Netanjahu kündigte bereits „erhebliche Reaktion“ an. Deutsche Politiker wie Außenministerin Baerbock (Grüne) sind über die Entwicklungen besorgt. Die Entwicklungen werfen auch die Frage nach dem Schutz des deutschen Staatsgebiets auf.

Angriff gegen Israel: Deutschland gibt Milliarden für Iron Dome aus – Arrow 3 soll pünktlich kommen

Aktuelle Videos zeigen den Iron Dome in Israel in Aktion: Eines demonstriert, wie Luftabwehr Raketen und Drohnen über Jerusalem zerstört. Deutschland beschloss bereits nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs die Anschaffung des Iron Domes für Deutschland. „Wir müssen uns besser vor der Bedrohung aus Russland schützen. Dafür brauchen wir schnell einen deutschlandweiten Raketenschutzschirm“, sagte damals der Hauptberichterstatter im Haushaltsausschuss für den Verteidigungsetat, Andreas Schwarz (SPD), über die Pläne für einen deutschen Iron Dome. Und weiter: „Das israelische System Arrow 3 ist eine gute Lösung.“ Trotz des laufenden Gaza-Kriegs plant Israel nach eigenen Angaben, das israelische Raketenabwehrsystem Arrow 3 pünktlich an Deutschland auszuliefern.

Schutzschirm „Iron Dome“ für Deutschland: Israel will das Raketenabwehrsystem Arrow 3 pünktlich an Deutschland ausliefern.

Die Arrow 3 ist darauf ausgelegt, ballistische Mittelstreckenraketen abzufangen und bietet nach Angaben des israelischen Verteidigungsministeriums „vollen Schutz“ für Deutschland. Israel plant, die erste Batterie dieses Raketenabwehrsystems bis Ende 2025 nach Deutschland zu liefern. Der Rest des Systems, das in Zusammenarbeit mit den USA entwickelt wurde, soll bis 2030 geliefert werden.

Das System umfasst sowohl fest installierte als auch mobil einsetzbare Elemente. Israel und Deutschland arbeiten gemeinsam daran, die genaue Stationierung der einzelnen Komponenten zu planen. Der Kaufvertrag für das israelische Raketenabwehrsystem wurde Ende vergangenen Jahres abgeschlossen und finalisiert damit einen Übernahmeprozess im Wert von etwa rund 3,3 Milliarden Euro, so die israelische Armee zuletzt.

Iron Dome über Deutschland – Raketenschutzschirm „kann nur größere Städte schützen“

Und wie funktioniert der deutschlandweite Raketenschutzschirm? Als erster Standort für Arrow 3 steht laut Spiegel bereits der Fliegerhorst Holzdorf an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg fest. An drei weiteren Standorten in Deutschland Flugkörper-Radarsysteme vom Typ „Super Green Pine“ aufgestellt, die ihre Daten an den nationalen Gefechtsstand in Uedem senden. Dort würden Luftwaffen-Soldaten das Lagebild auswerten. Im Ernstfall würde von einem der im Bundesgebiet verteilten Startgeräte eine „Arrow 3“-Rakete abgeschossen – um die Rakete des Feindes zu zerstören.

Nicht alle Experten sind bislang von der Wirksamkeit des Iron Domes für Deutschland überzeugt. So sagte etwa der ehemalige Nato-General Hans-Lothar Domröse kürzlich dem Redaktions­netzwerk Deutschland, dass ein Schutzschild für ganz Deutschland kaum möglich sei. „Ein Iron Dome wie in Israel kann nur größere Städte schützen“, so der Experte. Das sei zum Beispiel für Berlin, Hamburg oder München vorstellbar. „Aber einen großen Luftraum können wir mit den kostspieligen Iron Domes nicht absichern.“ Zuletzt hatte Putins Propaganda-Show einen Angriff auf München oder Garmisch-Partenkirchen diskutiert.

Rubriklistenbild: © IMAGO (2) / Pond5 Images / robertharding

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