US-Republikaner

Trumps Konkurrenz: Eine Frau, eine Katze und fast nur weiße Männer

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Wer kann Donald Trump herausfordern? Das Rennen um die republikanische Kandidatur fürs Weiße Haus nimmt an Fahrt auf – bald steht die erste TV-Debatte an.

Washington DC – Der Elefant ist im Raum, immer noch. Trotz – oder wegen – all des Irrsinns: dem Kapitolsturm, den Prozessen, dem Ausbleiben der „roten Welle“ bei den Midterms 2022 und dem Festhalten an der Wahllüge, Joe Biden habe ihm die US-Präsidentschaft geklaut. Donald Trump trampelt nach wie vor durch die Reihen der Republikaner:innen. Und dennoch wächst die Konkurrenz für die Wahl Ende 2024.

Die US-Bundeswahlkommission listet für die Konservativen offiziell gar 280 Bewerber:innen, viele davon sind jedoch höchstens auf dem Papier aktiv – darunter auch eine Katze mit Tiktok-Profil mit dem Namen Oskar Cats.

Ron DeSantis bildet mit Trump dann das Favoritenduo

Doch fünf Männer und eine Frau sind in Trumps riesenhaftem Schatten mehr oder weniger ernsthaft ins Rennen um die Kandidatur der Grand Old Party (GOP) eingestiegen. In gut einem Monat, am 23. August, werden die mit den besten Umfragewerten bei der ersten TV-Debatte erbittert um Aufmerksamkeit kämpfen.

Floridas Gouverneur Ron DeSantis bildet mit Trump dann das Favoritenduo. Seit der 44-Jährige im Herbst souverän wiedergewählt wurde, fuhr er sukzessive eine Kulturkampf-Offensive, seinen „war on woke“, und versucht sich damit als ultrarechter Scharfmacher neben Trump zu profilieren. Anfangs lief es prächtig, inzwischen fällt er in Umfragen zurück.

Pence wirft Trump vor, keinen Sinn für Religiösität zu haben

Dahinter eröffnet Mike Pence das weite Feld der eigentlich schon Abgehängten. Trumps einst loyaler Vize hat sich völlig entkoppelt und hofft nun darauf, das „Nie wieder Trump“-Lager in der Partei zu mobilisieren – und die strenggläubigen christlichen Wähler:innen. Zuletzt warf er Trump vor, keinen Sinn für Religiösität zu haben. Er habe ihm mal die Bibel gezeigt, doch Trump hätten nur „die Passagen über das Schlagen und Verderben deiner Feinde“ interessiert.

Einzige Frau mit Hoffnung auf die Nominierung: Die ehemalige Gouverneurin und UN-Botschafterin Nikki Haley.

Auf eine weitere riesige Gruppe in der Partei zählt als einzige Frau im Feld Nikki Haley: Rund die Hälfte der Parteimitglieder sind Frauen. Eine Kandidatin fürs Weiße Haus hat die von (weißen) Männern dominierte Partei selbstredend aber noch nie aufgestellt. Trotzdem setzt Haley auf ihr Alleinstellungsmerkmal im Schlagabtausch: „Wenn du zurücktrittst, tut es ihnen mehr weh, wenn du Absätze trägst“, sagte die frühere UN-Botschafterin bei der Bekanntgabe ihrer Kandidatur. Ihr kleiner Vorteil: Wenn Anfang 2024 die Vorwahlen beginnen, bei denen die bis dahin verbliebenen ihre Wahlmänner und -frauen sammeln, steht mit South Carolina Haleys Heimatstaat als einer der ersten an. Dort hofft die Ex-Gouverneurin auf einen beflügelnden Sieg.

Außenseiter mit Momentum

Doch auch Tim Scott kommt aus South Carolina. Der Senator ist der einzige Schwarze mit Chancen im Rennen und setzt anders als Trump und DeSantis auf optimistische und konstruktive Töne: Auch wenn sein Großvater noch Baumwolle habe pflücken müssen, sei er überzeugt, dass die USA „das Land der Möglichkeiten und nicht das Land der Unterdrückung“ seien. Schließlich sei ihm der Aufstieg gelungen.

Ein Außenseiter mit wachsendem Momentum ist Vivek Ramaswamy. Der 37-jährige Geschäftsmann aus Ohio hat bisher zwar kaum Erfahrung in der Politszene, spielt in Umfragen aber eine überraschend gute Rolle. Ein Grund dafür ist sein Reichtum. Mit Pharma-Unternehmen hat er laut „Forbes“ ein Vermögen von mindestens 630 Millionen Dollar angehäuft – und Geld schadet bekanntlich nie, wenn man US-Präsident:in werden möchte. Der Bewerberliste der Wahlkommission zufolge steht finanziell gesehen Trump an der Spitze. Doch dahinter liegt bereits Ramaswamy. Daneben macht er mit zahlreichen Interviews von sich hören. Und er dürfte dank der Umfragewerte aller Voraussicht nach zum Kreis der TV-Debattierenden gehören.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Wie „Politico“ berichtet, wird er sich – Stand jetzt – mit Trump, DeSantis, Haley, Scott und dem ehemaligen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, die Bühne teilen. Mike Pence hingegen hat demnach die erforderliche Marke von 40 000 Einzelspender:innen aus mindestens 20 verschiedenen Staaten noch nicht erreicht.

Die Anti-Trump-Stimmen dürften sich auf viele verteilen

Der Weg auf den Wahlzettel ist also ein weiter. Dennoch verfügen die Anwärter und die Anwärterin aus der zweiten Reihe über genügend Unterstützung in einem frühen Vorwahl-Staat oder in einem Segment der GOP-Wählerschaft, um glaubhaft an ihrer Kandidatur festzuhalten. Manche, etwa Tim Scott, dürfen sich zudem Hoffnungen machen, als künftiger Vize von Trump die Karriere voranzutreiben.

Wie schwer vorstellbar es letztlich aber ist, dass 2024 nicht Trumps Name auf dem Wahlzettel steht, zeigt sich nicht nur darin, dass sich im wachsenden Bewerberfeld die Anti-Trump-Stimmen breit streuen dürften. Auch ein Auftritt von Top-Rivale DeSantis auf seiner Reise nach Japan vor wenigen Wochen stimmt bedenklich: Da er damals noch nicht offiziell im Rennen war, kam von Medienseite wenig überraschend die Frage, wo er sich als Trumps Rivale sehe. DeSantis wackelte wirr mit dem Kopf, riss den Mund auf und rang sich ausweichende Worte ab – bei der bald anstehenden TV-Debatte dürfte mehr Schlagfertigkeit gefragt sein. (Jakob Maurer)

Rubriklistenbild: © IMAGO/USA TODAY Network

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