Manipulation der US-Wahl

Alles richtig gemacht: Pence lässt sich durch erneute Vorwürfe nicht aus der Fassung bringen

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Der ehemalige US-Vizepräsident Mike Pence sieht sich seit der Abwahl Trumps immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert. Der glaubt aber, richtig gehandelt zu haben.

Sioux City – Eine gesunde Demokratie hält Zweifel an einer Wahl aus und ermittelt geduldig den Sieger. Vor der letzten Wahl begann Donald Trump, damals Präsident der USA, jedoch schon im Vorfeld die Auszählung anzuzweifeln. Bereits im August, mehrere Monate vor der Abstimmung, schwor er seine Wählerinnen und Wähler darauf ein, dass er nur verlieren könne, wenn die Ergebnisse manipuliert würden. Dieses Narrativ, das immer weiter fortgesponnen wurde, führte schlussendlich dazu, dass aufgebrachte Anhänger Trumps am 06. Januar 2021 das Kapitol in Washington D.C. erstürmten – ein trauriger und einschneidender Tag für die US-Demokratie.

Bis heute glauben viele Anhänger Trumps fest daran, dass es bei der Wahl im Jahr 2020 nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Hauptsächlich hat es der zweifelnde Mob auf Joe Biden abgesehen, dem sie das Recht auf sein Amt absprechen. Doch auch Mike Pence, unter Trump Vizepräsident, ist seitdem im Visier der Verschwörungsgläubiger. Der immer wiederkehrende Vorwurf: Pence hätte seine Position nutzen müssen, um die manipulierten Ergebnisse einzelner Staaten zurückzuweisen und damit die Macht des rechtmäßigen Präsidenten, Donald Trump, zu bestätigen.

Mike Pence ist sich auch in Iowa sicher, alles richtig gemacht zu haben.

Maipulation der Wahl: Hätte Pence bewirken können, dass „all die wundervollen Dinge weiterhin passieren“?

Genau mit dieser Anschuldigung wurde Mike Pence am Mittwoch (05. Juli) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Sioux City, Iowa erneut konfrontiert. Eine Teilnehmerin warf Pence an Kopf, dass er der Grund dafür sei, dass alle Amerikaner jetzt das große Übel Joe Biden an der Backe hätten, der ja eigentlich nicht Präsident sei. Hätte Pence, so der Vorwurf, nicht bestätigt, dass die Wahl Bidens zulässig gewesen sei, würden „all die wundervollen Dinge weiterhin passieren und das Land wäre noch immer auf dem richtigen Kurs“.

Ob Mike Pence jemals angezweifelt habe, dass er in der Position gewesen sei, die Wahlentscheidung derjenigen Staaten abzulehnen, deren Ergebnisse gefälscht gewesen seien, fragte die US-Amerikanerin. Diese erneut prüfen zu lassen, sei sein verfassungsmäßiges Recht gewesen. Schließlich hätte er Trump nicht selbst zum Präsidenten wählen können. Immerhin hätten es durch die vorliegenden Wahlergebnisse keinen Zweifel daran gegeben, wer der Gewinner gewesen sei. Pence habe durch seine Untätigkeit „die Geschichte des Landes“ geändert.

Wie laufen die Wahlen in den USA ab?

Die Menschen in den USA wählen alle vier Jahre einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin. Die Namen der Kandidat:innen stehen zwar auf dem Stimmzettel, diese werden aber nicht direkt gewählt. Das Wahlergebnis bestimmt zunächst Vertreter:innen, sog. Wahlmänner, für die jeweiligen Staaten. Diese werden von den Parteien vor der Wahl benannt. Diese wählen dann sowohl den oder die Präsident:in, als auch den oder die neue Vizepräsident:in. Im Electoral College wird dann, unter Aufsicht des/der noch amtierenden Viezepräsident:in die neue Regierung auserkoren. Die Wahlleute müssen dabei nicht dem Wählerwunsch folgen. Falls sie gegen diesen entscheiden, werden sie ein „faithless elector“ (auf Deutsch „treuloser Wahlmann“). Die Stimmen der unterlegenen Parteien sind in fast allen Staaten praktisch wertlos und beeinflussen die spätere Präsidentschaftswahl nicht.

Alles verfassungsmäßig – Hat der ehemalige Vizepräsident „durch Gottes Gnade“ das Richtige getan?

Die Antwort des ehemaligen Vizepräsidenten hätte kaum deutlicher ausfallen können. Er glaube, dass es in der Angelegenheit ein anhaltendes Missverständnis gebe. „Ich weiß, dass ich durch Gottes Gnade an diesem Tag genau das getan habe, was die Verfassung der Vereinigten Staaten von mir verlangte“, so Pence. Er habe „seinen Schwur gehalten“. Es habe im Nachgang der Wahl 60 Klagen gegeben, die auf die Überprüfung der Ergebnisse in den entscheidenden Schlüsselstaaten abgezielt hätten.

Einige Wahlunregelmäßigkeiten seien tatsächlich aufgetreten. Diese hätten jedoch hauptsächlich die Ausweitung der Briefwahlen im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie betroffen. Die Aufgabe des Vizepräsidenten sei letztlich, nach einer Bestätigung der Wahlergebnisse durch die einzelnen Bundesstaaten, den Vorsitz einer gemeinsamen Sitzung zu übernehmen, in der die Ergebnisse ausgezählt werden. „Verlassen Sie sich nicht auf mein Wort. Lesen Sie die Verfassung“, schob Pence nach.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Trump lässt nicht locker: Kein US-Vizepräsident hat jemals eine solche Autorität beansprucht

Seit der Wahl wurde Pence mehrfach von Donald Trump aufgefordert, die Wahlergebnisse derjenigen Staaten zurückzuweisen, die für die Ernennung Joe Bidens zum Präsidenten entscheidend waren. Der ehemalige Vizepräsident besteht jedoch darauf, dass ihm diese Macht qua Verfassung nie zugestanden hat. Sein Vorsitz der gemeinsamen Sitzung sei rein zeremoniell gewesen, die Verfassung sei eindeutig. „Kein Vizepräsident in der amerikanischen Geschichte hat jemals die Autorität beansprucht, von der Sie überzeugt sind, dass ich sie habe“, so Pence in Sioux City. Trump habe seinen Einfluss früher falsch eingeschätzt und schätze ihn weiterhin falsch ein. (Tadhg Nagel)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Brian Cahn

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