DeSantis in Florida: Unterricht über sexuelle Orientierung soll verboten werden
VonJohanna Soll
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Ron DeSantis ist einer der prominentesten Kulturkämpfer der Republikaner. An Floridas Schulen soll Unterricht zur sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität untersagt werden.
Tallahassee – Floridas republikanischer Gouverneur Ron DeSantis will das bereits für Grundschulen geltende umstrittene Verbot von Unterricht über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität auf alle Altersstufen ausweiten. Über den entsprechenden Vorstoß solle Mitte April im Bildungsrat des Bundesstaates abgestimmt werden, wie US-Medien berichten. Eine Zustimmung des Parlaments in Florida zur Ausweitung des „Don‘t say gay“-Gesetzes solle dafür nicht nötig sein.
DeSantis hatte im vergangenen Jahr durchgesetzt, dass Unterricht zur sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität vom Kindergarten bis einschließlich zur dritten Klasse verboten ist. Die Ausweitung der Regelung wurde vom Bildungsrat und dem Bildungsministerium Floridas vorgeschlagen, die beide von Personen geleitet werden, die DeSantis ernannt hat.
Sollte der Vorstoß erfolgreich sein, dürfte künftig sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität auch von der vierten bis zur zwölften Klasse nicht länger im Unterricht behandelt werden. Ausnahmen würden im Sexualkundeunterricht gelten, an dem die Teilnahme allerdings nicht verpflichtend ist.
Ron DeSantis – ambitionierter Kulturkämpfer und möglicher Präsidentschaftskandidat
Das geplante Vorgehen erntete umgehend Kritik sowohl aus Washington als auch von LGBTQ-Aktivist:innen. „Lassen wir uns nicht täuschen. Das ist Teil einer beunruhigenden und gefährlichen Tendenz, die wir im ganzen Land beobachten“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre. Die Organisation Equality Florida schrieb auf Twitter: „Das war von Anfang an das Ziel: Eine allgemeine Zensur und das Verbot von Büchern.“ DeSantis wolle mit seinem Vorstoß, der auf LGBTQ-Personen abziele, „seine Präsidentschaftsambitionen bedienen“.
Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus
Der Gouverneur gilt als möglicher Bewerber für die Präsidentschaftswahl 2024. Sollte er kandidieren, müsste er bei den Vorwahlen der Republikaner gegen Ex-US-Präsident Donald Trump antreten. DeSantis gilt derzeit als der potenziell gefährlichste Rivale Trumps. Er fährt in Florida einen rechtsradikalen Kurs und wurde bei den Midterms im November 2022 mit großem Abstand als Gouverneur wiedergewählt.
DeSantis hat sich gesetzgeberisch dem rechten Kulturkampf verschrieben. In letzter Zeit sorgte Florida für Aufsehen, weil dort das Abtreibungsrecht weiter verschärft werden solle. Auch die Bücherverbote in Schulen sorgen für heftige Kritik: Lehrer:innen droht Strafverfolgung, wenn sie Bücher an Schüler:innen ausgeben, die als „schädlich“ gelten. Das Wahlfach African American Studies in der Oberstufe, in dem es um die Geschichte und Kultur von Afroamerikaner:innen geht, wurde abgeschafft. Laut der Schulbehörde Floridas habe das Fach „keinen pädagogischen Wert“. (jso/AFP)