VonJohanna Sollschließen
Innerhalb einer Woche kommt es in den USA zu zwei Amokläufen mit Schusswaffen, mit vielen Toten und Verletzten. Doch die Taten in Colorado und Virginia sind nicht die einzigen.
USA – In den USA ereigneten sich in binnen einer Woche zwei Amokläufe mit Schusswaffen. Der erste am Samstag (19. November) in einem LGBTQ-Nachtklub in Colorado Springs, bei dem der Täter fünf Menschen tötete und 19 weitere verletzte, bevor er von Gästen des Clubs überwältigt und der Polizei übergeben werden konnte. Die zweite Tat ereignete sich am Dienstag (22. November) im Bundesstaat Virginia, in der Kleinstadt Chesapeake. In einem Walmart-Supermarkt schoss der Nachtteamleiter in einem Pausenraum auf seine Mitarbeiter:innen und erschoss sich anschließend selbst. Bei der Tat starben sechs Menschen, mehrere wurden verletzt.
Laut dem Gun Violence Archive (Schusswaffengewaltarchiv) fanden in den USA an sieben Tagen sieben mass shootings, statt – Taten, bei denen mehrere Menschen mittels einer Schusswaffe verletzt oder getötet wurden. Zusätzlich zu dem Blutvergießen in Chesapeake und Colorado Springs wurden vier Menschen auf einer Cannabis-Farm in Oklahoma getötet; eine Mutter und ihre drei Kinder wurden in Richmond, Virginia, erschossen; weitere mass shootings ereigneten sich in den Bundesstaaten Illinois, Mississippi und Texas. Das Gun Violence Archive spricht von einem mass shooting, wenn vier oder mehr Personen durch eine Schusswaffe getötet oder verletzt werden. Damit kam es in der Woche vor dem wichtigen US-Feiertag Thanksgiving zu 22 Toten und 44 Verletzten allein durch diese mass shootings.
Schusswaffengewalt könnte 2022 die beiden Vorjahre noch übertreffen
Nach der Definition des Gun Violence Archive gab es allein in diesem Jahr in den USA 606 mass shootings. Das bedeutet, dass sich 2022 diesbezüglich zu einem der schlimmsten Jahre der jüngsten Vergangenheit entwickelt. Damit könnte dieses Jahr die beiden vergangenen Jahre in puncto Schusswaffengewalt überholen – 2020 verzeichnete 610 mass shootings, 2021 waren es sogar 690.
Das Reaktionsmuster ist immer dasselbe: Von Republikanern kommen „Gedanken und Gebete“ von Demokraten Forderungen nach Verschärfungen des Schusswaffenrechts. Nach relativ kurzer Zeit ist beides verhallt und zumeist geschieht nichts – oder zumindest nicht genug. Der republikanische Gouverneur von Virginia, Glenn Youngkin, schrieb auf Twitter: „Wir trauern heute Morgen mit der Gemeinde Chesapeake. Abscheuliche Gewalttaten haben keinen Platz in unseren Gemeinden.“
If more guns and fewer gun laws made us safer, America would be the safest nation in the world.
— Shannon Watts (@shannonrwatts) November 23, 2022
But 400,000,000 guns in the hands of civilians coupled with weak gun laws have given us a 25 times higher gun homicide rate than any peer nation.
It’s the fucking guns. pic.twitter.com/AjAxvUx87b
Shannon Watts ist Gründerin von Moms Demand Action, einer US-Organisation gegen Schusswaffengewalt. Sie kritisiert an Youngkins Reaktion, dass zwei Worte fehlten, „Täter“ und „Schießen“. „Es sind die verdammten Schusswaffen“, twitterte sie. „Wenn mehr Schusswaffen und weniger Schusswaffengesetze uns sicherer machen würden, wäre Amerika das sicherste Land der Welt. Aber 400 Millionen Schusswaffen in den Händen von Zivilisten in Verbindung mit schwachen Schusswaffengesetzen haben uns eine 25-mal höhere Tötungsrate durch Schusswaffen beschert als jedem anderen Land.“ In den USA leben rund 332 Millionen Menschen. (Johanna Soll)
Rubriklistenbild: © Jack Gruber/Imago

