Designierter US-Präsident in Frankreich

Dreiertreffen in Paris mit Selenskyj und Macron: Trump glänzt – Scholz fehlt

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In Paris wird der künftige US-Präsident Trump hofiert, als wäre er schon im Amt. Er trifft zahlreiche Regierungschefs. Nur nicht den deutschen. Warum?

Paris/Berlin – Es ist nicht nur ein höflicher Empfang, es ist ein herzlicher. Emmanuel Macron rollt Donald Trump den roten Teppich aus vor dem Élysée-Palast, die Ehrengarde salutiert mit gezücktem Säbel vor dem Amtssitz. Immer wieder Händeschütteln der Staatschefs, posieren für Fotos, sie legen die Hände ineinander, umarmen sich sogar. Das ist ungewöhnlich für ein Treffen mit einem Kollegen, der noch nicht im Amt ist. Und es ist ein Signal an die Welt.

Mit dem von Macron ermöglichten Auftritt in Paris meldet sich der designierte US-Präsident Donald Trump auf der Weltbühne zurück, noch ehe er am 20. Januar vereidigt wird. In Paris führt er konkrete Gespräche über die Zukunft der Ukraine. Denn, auch das kein Zufall, in das bilaterale Treffen Macron-Trump wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geführt, um über das Schicksal seines Landes zu diskutieren.

Weltpolitik in Paris: Bald-Präsident Donald Trump mit Gastgeber Emmanuel Macron und Wolodymyr Selenskyj

Ukraine-Krieg: Selenskyj dringt bei Treffen mit Trump in Paris auf „gerechten Frieden“

Selenskyj bezeichnet die Dreier-Runde hinterher als gut und Trump als „resolut“. Und: „Wir alle wollen, dass dieser Krieg so schnell wie möglich und auf gerechte Weise beendet wird. Wir sprachen über unsere Menschen, die Lage auf dem Schlachtfeld und über einen gerechten Frieden für die Ukraine.“ Die drei hätten vereinbart, weiter zusammenzuarbeiten. Trump verbreitet im Internet die Forderung einer „unverzüglichen Waffenruhe“. Selenskyj strebe einen „Deal“ mit Russland zur Beendigung des Krieges an, erklärte Trump. Man wolle „den Wahnsinn beenden. Zu viele Leben werden sinnlos verschleudert, zu viele Familien zerstört, und wenn es weitergeht, kann es zu etwas viel Größerem und viel Schlimmeren werden“.

In der Ukraine ist die Angst groß, dass Trump nach seiner Vereidigung die US-Militärhilfe für das von Russland angegriffene Land drastisch zurückfahren und Kiew so eine Niederlage bescheren könnte. Noch sind die USA der wichtigste Unterstützer und größte Waffenlieferant der Ukraine. Auch in vielen EU-Staaten wird befürchtet, dass Trump einen unausgewogenen Waffenstillstand durchsetzen könnte, der Kremlchef Wladimir Putin faktisch als Sieger des Angriffskriegs dastehen lassen könnte.

Der Trump-Vertraute Elon Musk spricht in Paris über geplante US-Zölle

Umso wichtiger ist der Dialog in Paris, zumal auch der Trump-Vertraute Elon Musk vor Ort ist und hinter den Kulissen viel über weitere Weltkrisen und die drohenden US-Zölle gesprochen wird. Doch eines fällt überdeutlich auf: Die Deutschen als zweitwichtigster Unterstützer der Ukraine fehlen. Kanzler Olaf Scholz ist nicht nach Paris eingeladen. Er äußert sich nur in einem Interview über die Weltlage, behauptet, mit Trumps „Verantwortlichen für Sicherheitspolitik“ sei er im Austausch.

Der offizielle Grund für die Abwesenheit: Es seien, und das von Macron persönlich, nur „Staatschefs“ eingeladen worden, also für Deutschland Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er sitzt tatsächlich in der Kathedrale Notre-Dame, Reihe 2, hinter Macron. An politisch relevanten Gesprächen nimmt Steinmeier nicht teil, weil im deutschen System der Präsident eine fast nur repräsentative Rolle hat; anders als etwa in Frankreich, den USA, Polen.

Eröffnung von Notre-Dame: Trump zurück auf der Weltbühne - er trifft alte Feinde und neue Verbündete

Der designierte US-Präsident Donald Trump (l) spricht lachend mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in der Kathedrale Notre Dame.
Der designierte US-Präsident Donald Trump (l) spricht lachend mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in der Kathedrale Notre Dame. © Ludovic Marin/dpa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (M) schüttelt einem Gast in der Kathedrale Notre Dame die Hand. Frankreichs berühmte Kathedrale wurde nach einem verheerenden Brand offiziell wiedereröffnet wird. Viele Staatschefs und andere Prominente waren dabei.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (M) schüttelt einem Gast in der Kathedrale Notre Dame die Hand. Frankreichs berühmte Kathedrale wurde nach einem verheerenden Brand offiziell wiedereröffnet wird. Viele Staatschefs und andere Prominente waren dabei.  © Thibault Camus/dpa
Der französische Präsident Emmanuel Macron (2.v.l) und seine Frau Brigitte (r) begrüßen den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender vor der Kathedrale Notre Dame anlässlich ihrer feierlichen Wiedereröffnung.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (2.v.l) und seine Frau Brigitte (r) begrüßen den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender vor der Kathedrale Notre Dame anlässlich ihrer feierlichen Wiedereröffnung. © Christophe Petit-Tesson/dpa
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l) spricht mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame, die in Paris feierlich wiedereröffnet wird.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l) spricht mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame, die in Paris feierlich wiedereröffnet wird. © Teresa Suarez/dpa
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l-r) und seine Frau Brigitte posieren für ein Foto mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame. Melania Trump begleitete ihren Mann nicht auf seiner Reise nach Frankreich.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l-r) und seine Frau Brigitte posieren für ein Foto mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame. Melania Trump begleitete ihren Mann nicht auf seiner Reise nach Frankreich.  © Christophe Petit-Tesson/dpa
Die Ehefrau von Präsident Emmanuel Macron, Brigitte Macron (Mitte l), unterhält sich flüsternd mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump (Mitte r). Daneben sitzen die Tochter von US-Präsident Joe Biden, Ashley Biden, (l.), First Lady Jill Biden (2.v.l.) und Emmanuel Macron (r.).
Die Ehefrau von Präsident Emmanuel Macron, Brigitte Macron (Mitte l), unterhält sich flüsternd mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump (Mitte r). Daneben sitzen die Tochter von US-Präsident Joe Biden, Ashley Biden, (l.), First Lady Jill Biden (2.v.l.) und Emmanuel Macron (r.). © Ludovic Marin/dpa
Glanzvolle Kulisse für Trump: Der britische Prinz William trifft den designierten US-Präsidenten Donald Trump (l) nach der Wiedereröffnung von Notre Dame in der Residenz des britischen Botschafters in Paris.
Glanzvolle Kulisse für Trump: Der britische Prinz William trifft den designierten US-Präsidenten Donald Trump (l) vor der Wiedereröffnung von Notre Dame in der Residenz des britischen Botschafters in Paris. © Aaron Chown
Elon Musk (M.), CEO von Tesla und SpaceX, nimmt am Gottesdienst in der Kathedrale Notre Dame teil und schaut fasziniert zur Decke. Frankreichs ikonische Kathedrale wurde zum ersten Mal seit einem verheerenden Brand, der das 861 Jahre alte Wahrzeichen im Jahr 2019 fast zerstört hätte, offiziell wiedereröffnet.
Elon Musk (M.), CEO von Tesla und SpaceX, nimmt am Gottesdienst in der Kathedrale Notre Dame teil und schaut fasziniert zur Decke. Frankreichs ikonische Kathedrale wurde zum ersten Mal seit einem verheerenden Brand, der das 861 Jahre alte Wahrzeichen im Jahr 2019 fast zerstört hätte, offiziell wiedereröffnet. © Ludovic Marin
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l) begrüßt den designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame, die am Samstag, 7. Dezember 2024, in Paris feierlich wiedereröffnet wurde.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l) begrüßt den designierten US-Präsidenten Donald Trump vor der Kathedrale Notre Dame, die am Samstag, 7. Dezember 2024, in Paris feierlich wiedereröffnet wurde.  © Christophe Petit-Tesson/dpa
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l.) und seine Frau Brigitte begrüßen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor der Kathedrale Notre-Dame anlässlich ihrer feierlichen Wiedereröffnung.
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l.) und seine Frau Brigitte begrüßen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor der Kathedrale Notre-Dame anlässlich ihrer feierlichen Wiedereröffnung. © Teresa Suarez/dpa
Der designierte US-Präsident Donald Trump sitzt in der Kathedrale Notre-Dame und wartet auf den Beginn der feierlichen Wiedereröffnung.
Der designierte US-Präsident Donald Trump sitzt in der Kathedrale Notre-Dame und wartet auf den Beginn der feierlichen Wiedereröffnung.  © Thibault Camus/dpa
Elon Musk kommt in der Kathedrale Notre Dame an. Frankreichs ikonische Kathedrale wurde zum ersten Mal seit einem verheerenden Brand, der das 861 Jahre alte Wahrzeichen 2019 fast zerstört hätte, offiziell wiedereröffnet.
Elon Musk kommt in der Kathedrale Notre Dame an. Frankreichs ikonische Kathedrale wurde zum ersten Mal seit einem verheerenden Brand, der das 861 Jahre alte Wahrzeichen 2019 fast zerstört hätte, offiziell wiedereröffnet. © Thibault Camus/dpa
Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen
Am 15. April 2019 fing der Dachstuhl der Notre-Dame Kathedrale Feuer. Vier Stunden lang wüteten die Flammen und fügten dem historischen Bauwerk schwere Schäden zu. Wenige Monate später beschloss das französische Parlament den Wiederaufbau der Kathedrale. Fünf Jahre später und nach Ausgaben von bis zu 600 Millionen Euro wird Notre-Dame am 8. Dezember 2024 feierlich wiedereröffnet. © Christian Böhmer/dpa
Vor der Wiedereröffnung der Pariser Notre-Dame
Kurz vor der Wiedereröffnung der Kathedrale Notre-Dame verschaffte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Begleitung seiner Ehefrau Brigitte Macron einen eigenen Eindruck von den Reparaturarbeiten. © Sarah Meyssonnier/dpa

Kanzler Scholz (SPD) fehlt in Paris – Ex-CDU-Chef Laschet: „Warum nur, warum“

Bei genauerem Hinsehen fällt indes auf: Auch Österreichs Kanzler Karl Nehammer trifft Trump in Paris; Nehammer vertritt protokollarisch Österreichs Bundespräsidenten. Und auch Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni reist an, spricht in Macrons goldenem Palast mit Trump und Musk. Beobachter zählen rund 40 Staats- und Regierungschefs in Paris. Darunter auch nicht: die deutsche EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

„Dass Scholz nicht dabei ist, zeigt erneut, wie isoliert wir sind“, sagt der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter. „Warum nur, warum“, twittert auch Ex-CDU-Chef Armin Laschet, Scholz verstehe einfach die deutsch-französische Freundschaft nicht. „Diese Ignoranz ist nicht mehr nachzuvollziehen.“

Keine Spur von Scholz in Frankreich? Nun, ein bisschen wenigstens: Laut „Bild“ besucht er am Samstagabend privat ein französisches Restaurant („Petit Amour“) in Hamburg – sein 26. Hochzeitstag. (C. Deutschländer, C. Jacke, M. Evers)

Rubriklistenbild: © Sarah Meyssonnier/AFP

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