Krieg in der Ukraine

USA zieht Lieferung von Mehrfachraketenwerfern an Ukraine in Erwägung

+
Das in den USA hergestellte Artilleriesystem HIMARS.

Wie der Sender CNN berichtet, könnte die US-Regierung nächste Woche ein neues Militärhilfspaket beschließen, das auch die Lieferung von Mehrfachraketenwerfern beinhaltet.

Washington - Die US-Regierung zieht einem Medienbericht zufolge in Erwägung, fortschrittliche Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite in die Ukraine zu schicken. Die in den USA hergestellten Artilleriesysteme MLRS und HIMARS könnten Geschosse über bis zu 300 Kilometer abfeuern, berichtete der Sender CNN am Donnerstag unter Berufung auf mehrere Beamte. Ein neues militärisches Hilfspaket könnte bereits in der kommenden Woche angekündigt werden. Die Ukraine habe um diese Art von Waffen gebeten, hieß es weiter. Allerdings sei die US-Regierung zögerlich gewesen, da befürchtet werde, dass die Ukraine die Raketensysteme für Angriffe auf russisches Gebiet nutzen könnte. Es stelle sich die Frage, ob dies eine russische Vergeltungsmaßnahme gegen die USA zur Folge haben könnte, so CNN.

Der Schwerpunkt der US-Waffenlieferungen für die Ukraine lag bislang auf Panzerabwehrraketen vom Typ Javeline, schultergestützten Stinger-Flugabwehrraketen, Schusswaffen und Munition. Die USA haben aber bereits damit begonnen, der Ukraine Haubitzen vom Typ M777 zu liefern, deren Reichweite mit rund 25 Kilometern angegeben wird. Die jetzt diskutierten Systeme könnten also erheblich weiter schießen. Der Kongressabgeordnete Jason Crow, der kürzlich mit einer Delegation Kiew besuchte, sagte, diese Artilleriesysteme könnten der Ukraine einen bedeutenden Vorteil verschaffen. Sie könnten dazu beitragen, russische Artillerie, die eine viel geringere Reichweite habe, von urbanen Zentren in der Ukraine fernzuhalten.

US-Präsident Joe Biden hatte erst am Wochenende ein neues Milliarden-Hilfspaket der USA für die Ukraine mit einem Volumen von fast 40 Milliarden Dollar (38 Milliarden Euro) in Kraft gesetzt. Aus dem Paket entfällt rund die Hälfte der Gesamtsumme auf den Verteidigungsbereich. Davon sind sechs Milliarden Dollar für direkte militärische Hilfe für die Ukraine vorgesehen. Mit weiteren Milliardenbeträgen sollen unter anderem US-Lagerbestände wieder mit militärischer Ausrüstung aufgefüllt werden, die an die Ukraine geschickt wurde. Die US-Regierung hatte zuvor schon mehrere große Pakete zur Unterstützung der Ukraine auf den Weg gebracht.

Ukrainerinnen protestieren auf Friedenskundgebung in Stuttgart für mehr Waffen

Am Rande der zentralen Friedenskundgebung des Katholikentags haben in Stuttgart rund 200 Menschen aus der Ukraine für Waffenlieferungen an das angegriffene Land demonstriert. Mit einer überdimensionalen blau-gelben Ukraineflagge und zum Teil in blutgetränkt wirkenden T-Shirts forderten die Frauen und Kinder am Freitag lautstark militärische Hilfe und mehr Tempo in der deutschen Bürokratie.

Im Mittelpunkt der von mehreren Hundert Menschen besuchten Solidaritätskundgebung mit dem Motto «Leben teilen heißt Trauer und Hoffnung teilen» standen die emotionalen Schilderungen einer Frau, die mit ihrer Tochter aus dem Kiewer Vorort Butscha fliehen konnte. In dem Ort waren Anfang April nach dem Abzug der Russen Hunderte von Leichen gefunden worden. Die Berichte und Bilder der Gräueltaten hatten weltweit Entsetzen ausgelöst.

«Ich habe ein normales Leben geführt wie Millionen von anderen Menschen in unserem Land», sagte Inna Wjzelewa. Nach dem russischen Überfall habe sie zunächst zwei Wochen in einem Keller in der von Russen besetzten Stadt ausgeharrt. «Dann haben meine Tochter und ich unser Schicksal in die Hand genommen und sind selbst gelaufen. Wir haben nur gehofft, dass uns auf der Flucht niemand in den Rücken schießt.» Ihre 14 Jahre alte Tochter habe zwischen den Leichen laufen müssen, um aus ihrer Heimat zu fliehen. «Jetzt will ich, dass die ganze Welt hört und sieht, was dort geschieht», sagte Wjzelewa. «Denn mit Waffen hätte man die Toten von Butscha verhindern können.» (dpa)

Kommentare