Verhandlungen über Ende des Ukraine-Kriegs: Putins Partner wird unmissverständlich
VonBabett Gumbrecht
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Lukaschenko, Machthaber von Belarus, prophezeit, dass die Ukraine eine Annäherung an den Kreml suchen wird. Grund: das Rohstoffabkommen von Trump.
Moskau – In einer gemeinsamen Pressekonferenz von Kremlchef Wladimir Putin und dem Machthaber in Belarus (früher Weißrussland), Alexander Lukaschenko, am Donnerstag (13. März) äußerte letzterer zum Ende des Ukraine-Kriegs und an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gerichtet: Er werde „trotzdem hierher zurückkehren, und wenn nicht er, dann ein neuer, anderer Präsident, und er wird sich auf unsere inneren Kräfte verlassen“.
Zukunft nach Ende des Ukraine-Kriegs: Lukaschenko stichelt gegen Trump
Weiter sagte der Putin-Vertraute mit Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg: „Jemand will, dass wir einander umbringen. Wir verstehen das, die andere Seite nicht. Unsere Sache ist gerecht“. Mit „Jemand“ meinte Lukaschenko US-Präsident Donald Trump, der sich in die Friedensverhandlungen des Ukraine-Kriegs eingemischt hat. Vor allem das Abkommen über ukrainische Rohstoffe, welches „so schnell wie möglich“ abgeschlossen werden soll, sieht Lukaschenko kritisch.
Niemand im Westen werde der Ukraine helfen, wenn fossile Brennstoffe, seltene Erden und Schwarzerde abgebaut werden. „Daher müssen diese an Russland und Weißrussland zurückgegeben werden“, sagte Lukaschenko. Laut der Nachrichtenagentur Tass finde es der Präsident merkwürdig, dass die Amerikaner das Thema der Seltenen Erden nicht zu Beginn des Ukraine-Krieges angesprochen hätten.
Hintergrund: Trump hat die US-Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine an den Zugang zu deren Vorrat an Rohstoffen geknüpft, darunter seltene Erden. Die Ausbeutung der Rohstoffe in der Ukraine gilt als strategisch bedeutsam und wirtschaftlich lukrativ. Experten weisen darauf hin, dass die Ukraine auch für den eigenen Wiederaufbau seltene Erden und andere Rohstoffe brauchen wird. Ein großer Teil der Ressourcen liegt auch in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten.
Verhandlungen im Ukraine-Krieg: Putin reagiert reserviert auf Waffenruhe-Vorschlag
Die Pressekonferenz war wegen einer von den USA vorgeschlagenen Waffenruhe im Ukraine-Krieg mit Spannung erwartet worden. Putin reagierte aber nur reserviert auf den Vorschlag der USA und der Ukraine für eine 30-tägige Feuerpause. Nach zwei Tagen äußerte sich Putin am Donnerstag erstmals zu dem Vorstoß und erklärte, grundsätzlich befürworte Russland den Vorschlag zur Einstellung der Kämpfe – allerdings müsse eine solche Waffenruhe „zu einem dauerhaften Frieden führen und die tiefer liegenden Ursachen dieser Krise angehen“. Unterdessen traf der Sondergesandte der US-Regierung, Steve Witkoff, in Moskau ein, um dort Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs mit der russischen Seite zu führen.
Es müssten zudem Fragen zur Kontrolle über diese Waffenruhe im Ukraine-Krieg geklärt werden. So sei unklar, wie die Lage entlang der sich „über fast 2000 Kilometer“ erstreckenden Frontlinie beobachtet werden solle. Putin äußerte Bedenken, dass die Feuerpause gebrochen werde – und sich beide Kriegsparteien gegenseitig die Schuld für solche Vorfälle geben würden. Europäische Friedenstruppen zur Sicherung einer möglichen Waffenruhe lehnt Moskau ab.
Putins Forderung: Kiew darf Waffenruhe im Ukraine-Krieg nicht zur Wiederbewaffnung nutzen
Putin deutete zudem an, dass die Ukraine die Waffenruhe zu einem Durchatmen, zur Wiederbewaffnung und Rekrutierung neuer Soldaten nutzen könne, um anschließend weiter Krieg zu führen. Dies sei nicht hinnehmbar. Die Ukraine sieht ihrerseits die Gefahr, dass die russischen Truppen eine Waffenruhe zur Neuaufstellung nutzen könnten.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Der Kreml betonte zudem noch einmal seine Ansprüche auf ukrainisches Gebiet. Die Lage am Boden müsse bei den Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs berücksichtigt werden, sagten Putin und der neben ihm bei der Pressekonferenz im Kreml sitzende Machthaber Lukaschenko, übereinstimmend. Belarus ist der engste Verbündete Russlands.
Der seit 1994 autoritär herrschende Lukaschenko hatte sich erst im Januar im Amt bestätigen lassen. Bei der Abstimmung schrieb ihm die Wahlleitung ein Ergebnis von mehr als 86 Prozent der Stimmen zu. Unabhängige Wahlbeobachter waren nicht vor Ort. Nach der vorherigen Wahl 2020, die er offiziell ebenfalls deutlich gewann, kam es zu monatelangen Massenprotesten, die Lukaschenko schließlich blutig niederschlagen ließ. Seither hat er sein Land stark an Russland gebunden, da der Kreml ihn während der Krise unterstützte.
Forderungen auf beiden Seiten: Moskau will ukrainische Gebiete und Kiew weitere Sicherheitsgarantien
Nun stellte sich Lukaschenko demonstrativ hinter Putin. Von der Ukraine fordert die Moskauer Führung, dass sie die Gebiete vollständig räumt, die Russland zu seinem Staatsgebiet erklärt hat – das sind Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson. Der verbliebene Teil der Ukraine soll nach russischen Vorstellungen weitgehend entwaffnet werden. Außerdem spricht Russland in seiner Propaganda von einer „Denazifizierung“ der Ukraine, worunter das Einsetzen einer moskautreuen Führung in Kiew verstanden wird.
Die Ukraine besteht darauf, dass sie für einen langfristigen Frieden weitgehende Sicherheitsgarantien bekommt. Die USA wollen solche Verpflichtungen nicht übernehmen. Sie sehen dafür aber die Europäer in der Pflicht. Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens treiben derzeit die Diskussion über Pläne für die Entsendung von Friedenstruppen europäischer Länder voran.
Selenskyj zur Pressekonferenz: Putin-Reaktion auf US-Vorschlag ist Manipulation
Der ukrainische Präsident Selenskyj bezeichnet die von Kremlchef Putin genannten Bedingungen für eine Zustimmung zu einer Waffenruhe derweil als Manipulation. Putin traue sich nicht, Trump offen zu sagen, dass er den Krieg fortsetzen wolle, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft am Donnerstag. Auch andere Experten bewerteten Putins Reaktion skeptisch. Dagegen zeigte sich Trump mit ersten Gesprächen einer US-Delegation in Moskau zum Ukraine-Krieg zufrieden.
Selenskyj kritisierte die von Putin genannten Bedingungen für eine Zustimmung zu einer Waffenruhe. In Moskau würden die Idee einer Waffenruhe mit solchen Bedingungen verknüpft, damit insgesamt nichts herauskommen oder so lange wie möglich nichts gelingen könne. Nach Angaben Selenskyjs ist dies ein häufiger Trick Putins, der statt klar „Nein“ zu sagen alles tue, um eine praktische Umsetzung entweder hinauszuzögern oder unmöglich zu machen. (bg/dpa)