Russlands Seekrieg

Nach schweren Verlusten: Putin baut Schwarzmeer-Stützpunkte zu Festungen um

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Die russische Schwarzmeerflotte ankert in einem neuen Hafen. Dort soll sie besser vor Angriffen geschützt sein – gut für den ukrainischen Seehandel.

Noworossijsk – Russland hat die Verteidigungsanlagen seines Marinestützpunktes der Schwarzmeerflotte in Noworossijsk verstärkt, wie das britische Verteidigungsministerium mitteilte. „Die Infrastruktur für Wartung, Logistik und Waffenhandhabung in Noworossijsk wurde höchstwahrscheinlich verbessert“, so das Ministerium in einem Post auf dem Kurznachrichtendienst X vom Donnerstag (18. April).

Es berief sich dabei auf ein Satellitenfoto, das es erhalten hat. Schiffe und U-Boote der Schwarzmeerflotte seien inzwischen „weitgehend von Sewastopol weiter nach Osten nach Noworossijsk abgezogen“ worden, hieß es weiter. Dies sei für Russland die „beste Methode, um einen ukrainischen Angriff von See aus zu verhindern“.

Ein Viertel der russischen Schiffe im Schwarzen Meer versenkt: Putin ersetzt Kommandeur

Russlands Seestreitkräfte haben seit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 erhebliche Verluste erlitten. Im Februar schätzte der Chef der britischen Streitkräfte, Admiral Sir Tony Radakin, dass 25% der russischen Schiffe im Schwarzen Meer versenkt oder beschädigt worden sind. Das berichtete Business Insider. Die Erfolge der Ukraine in der Seekriegsführung führten auch dazu, dass der russische Präsident Wladimir Putin den bisherigen Kommandeur der Schwarzmeerflotte, Admiral Viktor Sokolow, im Februar durch Vizeadmiral Sergej Pintschuk ersetze.

Der russische Präsident Wladimir Putin scheint um seine Schiffe im Schwarzen Meer besorgt zu sein.

Die russische Schwarzmeerflotte sei „die am wenigsten aktive Flotte seit Beginn des Krieges“ gewesen, erklärte das britische Verteidigungsministerium weiter. Gleichzeitig wies es darauf hin, dass die vorgenommene Verlegung nach der Absetzung Sokolows im März stattgefunden habe.

Russland befestigt den Hafen - um „die Überlebenschancen russischer Schiffe zu verbessern“

Im vergangenen Monat teilte das britische Verteidigungsministerium mit, es habe „vier Lastkähne identifiziert, die an der Einfahrt zur Schwarzmeerflotten-Anlage des Seehafens Noworossijsk positioniert sind“. Pintschuk habe „wahrscheinlich versucht, die Überlebenschancen russischer Schiffe zu verbessern, indem er weitere Präventiv- und Verteidigungsmaßnahmen ergriffen hat, darunter die Verengung der Einfahrt zu den Hafenanlagen“, so das Verteidigungsministerium am 31. März auf X.

Eine Fokussierung auf das Schwarze Meer, sowohl auf russischer als auch auf ukrainischer Seite, unterstreicht die Bedeutung des maritimen Handelsweges, urteilte Business Insider. Für die Ukraine ist der Zugang zum Schwarzen Meer für den Export von Getreide und Lebensmitteln des Landes entscheidend. Vor dem Krieg handelte die Ukraine mehr Getreide als die gesamte Europäische Union und lieferte die Hälfte des weltweit gehandelten Sonnenblumenöls sowie Eisenerz und Düngemittel, wie Bloomberg berichtet.

Ukraine hatte 80 Prozent der Schiffe verloren - Trotzdem wurde Russland in die Flucht geschlagen

Erfolge im Schwarzen Meer - ob militärisch oder im Handel - sind aber noch aus einem anderen Grund von großer Wichtigkeit für die Ukraine: Sie halten die Moral aufrecht. Die Wiederherstellung des Schwarzmeerhandels ist ein großer Durchbruch für die Ukraine, der in krassem Gegensatz zu den Verlusten steht, die das Land im letzten Jahr an der östlichen Front erlitten hat. Im Schwarzmeerraum hat die Ukraine zudem die russische Marine zurückgeschlagen, obwohl sie so gut wie keine eigenen Seestreitkräfte hat - schließlich hatte sie nach der russischen Besetzung der Krim im Jahr 2014 rund 80 Prozent ihrer Schiffe verloren.

Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU

EU Parlament Straßburg
Jeder europäische Staat hat laut Artikel 49 des EU-Vertrags das Recht, einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wichtig dabei: „Europäisch“ wird politisch-kulturell verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats mit ein. Das betrifft zum Beispiel die Republik Zypern. Eine wichtige Rolle spielt im Beitrittsverfahren das EU-Parlament in Straßburg (im Bild). Verschiedene Delegationen verfolgen die Fortschritte in den Beitrittsländern und weisen auf mögliche Probleme hin. Zudem müssen die Abgeordneten dem EU-Beitritt eines Landes im Parlament zustimmen. Derzeit gibt es neun Beitrittskandidaten und einen Bewerberstaat. © PantherMedia
Edi Rama Albanian EU
Albanien reichte 2009 den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein – vier Jahre, bevor Edi Rama (im Bild) das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Es dauerte aber noch eine lange Zeit, bis die Verhandlungen beginnen konnten. Grund war ein Einspruch der Niederlande, die sich zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes wünschte. Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen. © John Thys/afp
Bosnien und Herzegowina EU
Auch Bosnien und Herzegowina drängt in die EU. Gut erkennen konnte man das zum Beispiel am Europatag 2021, als die Vijećnica in der Hauptstadt Sarajevo mit den Farben der Flaggen der Europäischen Union und Bosnien und Herzegowinas beleuchtet war. EU-Botschafter Johann Sattler nutzte sofort die Gelegenheit, um das alte Rathaus zu fotografieren. Vor den geplanten Beitrittsverhandlungen muss das Balkanland noch einige Reformen umsetzen. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.  © Elvis Barukcic/afp
Georgien EU
Zum Kreis der EU-Beitrittskandidaten gehört auch das an Russland grenzende Georgien. Das Land, in dem rund 3,7 Millionen Menschen leben, hatte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Aufnahme in die EU beantragt. Auf schnelle Fortschritte im Beitrittsprozess kann Georgien allerdings nicht hoffen. Dabei spielt auch ein ungelöster Territorialkonflikt mit Russland eine Rolle. Nach einem Krieg 2008 erkannte Moskau die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien (im Bild) und Abchasien als unabhängige Staaten an und stationierte Tausende Soldaten in der Region. © Dimitry Kostyukov/afp
Moldau EU
Seit Juni 2022 gehört auch Moldau offiziell zu den EU-Beitrittskandidaten. Das Land, das an Rumänien und die Ukraine grenzt, reichte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs das Beitrittsgesuch ein. Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Die damalige Innenministerin Ana Revenco (Mitte) mischte sich damals ebenfalls unters Volk. © Elena Covalenco/afp
Montenegro EU
Das am kleine Balkanland Montenegro will beim EU-Beitritt zügig vorankommen. Direkt nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Ende Oktober 2023 verkündete Milojko Spajic (im Bild), dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stärken wolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) hörte es damals sicher gerne. Montenegro verhandelt seit 2012 über einen Beitritt, hatte sich aber vor der Wahl nicht mehr ausgiebig um Reformen bemüht.  © Savo Prelevic/afp
Scholz Westbalkan-Gipfel Nordmazedonien EU
Nordmazedonien kämpft schon seit langer Zeit für den Beitritt in die EU. Leicht ist das nicht. So hat das kleine Land in Südosteuropa aufgrund eines Streits mit Griechenland sogar schon eine Namensänderung hinter sich. Seit 2019 firmiert der Binnenstaat amtlich unter dem Namen Republik Nordmazedonien. Auch Bulgarien blockierte lange den Beginn von Verhandlungen. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2023 drängte Kanzler Olaf Scholz dann aber auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Balkanstaaten in die EU. Nordmazedoniens Ministerpräsident Dimitar Kovacevski (rechts) war sichtlich erfreut. © Michael Kappeler/dpa
Serbien EU
Auch Serbien strebt in die EU. Wann es zu einem Beitritt kommt, scheint derzeit aber völlig offen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich die serbische Regierung geweigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Damit ist Serbien der einzige Staat in Europa, der keine Sanktionen verhängt hat. Offen bleibt, welche Auswirkungen das auf die seit 2014 laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt Serbiens hat. Die politische Führung in Belgrad, die seit 2012 von Präsident Aleksandar Vučić (im Bild) dominiert wird, zeigt zudem wenig Willen zu Reformen. Demokratie und Medienpluralismus höhlt sie zunehmend aus. © Andrej Isakovic/afp
Türkei EU
Die Türkei ist bereits seit 1999 Beitrittskandidat. Die Verhandlungen selbst haben im Oktober 2005 begonnen. Inzwischen hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Beziehungen wieder auszubauen, sofern sich die Regierung in Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (im Bild) in einigen Punkten bewegt. Zuvor waren Projekte wie die geplante Modernisierung der Zollunion und eine Visaliberalisierung wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Ein EU-Beitritt scheint aktuell weiter entfernt denn je. © Adem Altan/afp
Ukraine EU
Im Dezember 2023 wurde der Beginn von Verhandlungen mit der Ukraine grundsätzlich beschlossen. Allerdings muss die Ukraine sämtliche Reformauflagen erfüllen. So waren nach dem letzten Kommissionsbericht manche Reformen zur Korruptionsbekämpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen im Land nicht vollständig umgesetzt. Ohnehin gilt es als ausgeschlossen, dass die Ukraine vor dem Ende des Ukraine-Kriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew laut EU-Vertrag militärischen Beistand einfordern – und die EU wäre offiziell Kriegspartei. © Roman Pilipey/afp
Kosovo EU
Kosovo hat einen Mitgliedsantrag eingereicht, jedoch noch nicht den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten. Das Land hat 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Die Freude darüber war damals bei den Menschen riesengroß. Das Bild macht auch deutlich, dass vor allem Menschen albanischer Herkunft im Kosovo beheimatet sind. Die Flagge Albaniens (links) ist ebenso zu sehen wie die des neuen Landes (hinten). Mehr als 100 Länder, darunter auch Deutschland, erkennen den neuen Staat an. Russland, China, Serbien und einige EU-Staaten tun dies aber nicht. Ohne die Anerkennung durch alle EU-Länder ist eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen aber nicht möglich.  © Dimitar Dilkoff/afp

Doch mit einer Kombination aus Raketensystemen und unbemannten Drohnen, die von modernem GPS und Kameras gesteuert werden, konnte sie einen Teil der russischen Schwarzmeerflotte lahmlegen. Außerdem wurden die russischen Nachschublinien unterbrochen, die Tausende von Truppen in den besetzten Gebieten im Süden der Ukraine versorgen. „Russland wollte das Schwarze Meer in einen großen russischen See verwandeln. Aber die Ukraine hat das verhindert“, so Volodymyr Dubovyk, Direktor des Zentrums für Internationale Studien an der Nationalen Universität Odesa Mechnikov gegenüber dem US-Magazin Foreign Policy. Heute würden sich Russische Schiffe „nicht mehr in den Nordwesten des Schwarzen Meere“ wagen. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Vladimir Smirnov

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