Internationale Pressestimmen

„Verrat“: Europa reagiert auf Trumps Ukraine-„Wahnsinn“

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Donald Trump sorgt mit seinen Aussagen zur Ukraine für Entsetzen in Europa. Die internationalen Pressestimmen.

Brüssel – Donald Trumps neuer Umgang mit dem Ukraine-Krieg und Russland schockt aktuell Europa. Nachdem sich die USA in Riad ohne europäische oder ukrainische Beteiligung mit Russland getroffen haben, legte der US-Präsident nun nach. Dabei nannte er Wolodymyr Selenskyj einen „Diktator“, der ohne Wahlen regiere und gab sogar der Ukraine die Schuld am Krieg. Damit übernimmt Trump offen die Propaganda von Wladimir Putin. Europa ist entsetzt – gemeinsam.

Von einem „Wendepunkt“ für die Sicherheit Europas sprach EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, vor einem „Diktatfrieden“ warnte Kanzler Olaf Scholz. Die europäische Presse ist ebenfalls entsetzt, und sieht jetzt dringenden Handlungsbedarf – ein Überblick:

„Verrat an einem Bündnis“: Italien reagiert deutlich auf Trumps Ukraine-Wende

Die italienische Zeitung La Repubblica meint zu den Vorwürfen von US-Präsident Donald Trump gegen den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj:

„Der amerikanische Präsident benutzte dieselben Worte wie der russische Präsident. Die Werte, an die die Ukrainer seit der Revolution auf dem Maidan-Platz glauben, wurden verhöhnt. (…) Es ist ein Verrat an einem Bündnis, das nie militärisch war, sondern aus einer gemeinsamen Vision der Geschichte geboren wurde. Hunderttausende haben dafür einen Blutzoll gezahlt: Es gibt keine Familie, die nicht einen Gefallenen zu betrauern oder einen Amputierten zu pflegen hat.

Trump hat nicht nur die Grundlage ihres Kampfes zerstört, indem er so weit ging, sie zu beschuldigen, für den Konflikt verantwortlich zu sein. Er hat sich die Argumente von (Russlands Präsident Wladimir) Putin zu eigen gemacht. (…) Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Amerika immer der Bezugspunkt, fast ein Nordstern, der das Wachstum der aus der Niederlage des Nazifaschismus hervorgegangenen Institutionen leitete. Jetzt hat sich alles geändert.“

„Wahnsinn oder Maßlosigkeit“: Harte Worte für Trump aus Frankreich

Einen Monat nach Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump schreibt die französische Zeitung Libération:

„Wir alle haben geahnt, dass die zweite Amtszeit von Donald Trump viel schlimmer sein würde als die erste. Der Milliardär hatte vier Jahre Zeit, um seine Rache an denjenigen zu schüren und zu organisieren, die in seinem gequälten Geist seine Wiederwahl im Jahr 2020 gestohlen hatten. (…) Es war bekannt, dass Tesla-Chef Elon Musk einer seiner stärksten Unterstützer war, aber es war nicht abzusehen, dass er zu einer Art Zweitpräsident werden würde, der die amerikanische Verwaltung von innen heraus zerstört, wie man gegen eine Sandburg tritt. (…)

Was können die Gegenkräfte sein? Auf Wahnsinn oder Maßlosigkeit muss mit Rationalität reagiert werden. Und wie könnte man besser versuchen, die Wogen zu glätten, als mit Richtern. Im Moment sind sie die Einzigen, die versuchen, der Trumpschen Dampfwalze zu widerstehen. Aber sie können sich nicht ewig halten, wenn sie nicht von der Zivilgesellschaft unterstützt werden. Hier und da beginnt sich Wut zu regen. Die Opposition organisiert sich allmählich. Sie wird sich mit Mut wappnen müssen. Und einer unerschütterlichen Entschlossenheit.“

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

„Was am bizarrsten ist“: Londoner Zeitung fasst Trumps Ukraine-Vorstoß zusammen

 Zu den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über den Ukraine-Krieg meint der Londoner Independent am Donnerstag:

„Präsident Wolodymyr Selenskyj ist durch die radikalen Veränderungen in der US-Politik seit der Rückkehr von Donald Trump ebenso irritiert wie alle anderen. Doch er hat durch den Verlust des amerikanischen Wohlwollens weitaus mehr zu verlieren. Vielleicht wäre es klüger gewesen, wenn er sich zurückgehalten hätte. Denn Trump mag es nicht, wenn seine Einschätzungen infrage gestellt werden. Aber der bedrängte ukrainische Staatschef hat völlig recht, was die Gedanken des US-Präsidenten angeht.

Trumps abfällige Äußerungen über Selenskyj und sein Land hätten durchaus aus dem Munde von Wladimir Putin selbst kommen können. Neben anderen Verleumdungen behauptete Trump, Präsident Selenskyj habe eine miserable Zustimmungsrate von lediglich 4 Prozent, der Krieg wäre längst beigelegt, wenn die Ukraine gleich einige Gebiete aufgegeben hätte, und – was am bizarrsten ist – die Ukraine habe diesen Krieg begonnen.

Tatsächlich behauptet nicht einmal der Kreml, dass die Kriegshandlungen von Kiew angefangen wurden. Er sagt nur, dass die ,spezielle Militäroperation‘, die er vor fast drei Jahren gestartet hat, von den Ukrainern und deren (völlig legitimen) Streben nach einem Nato-Beitritt provoziert wurde.“

Londoner Times sieht Putins brutales Kalkül in Trump-Gesprächen: „Unerledigtes Geschäft“

Die Londoner Times kommentiert am Donnerstag die geplanten Ukraine-Verhandlungen zwischen den USA und Russland:

„Schon bevor die Gespräche ernsthaft beginnen, scheinen die Amerikaner Zugeständnisse gemacht zu haben. Russlands Eroberungen – rund 20 Prozent des ukrainischen Territoriums – sollen offenbar nicht rückgängig gemacht werden. Und Kiews Antrag auf Nato-Mitgliedschaft, für den sich der britische Premierminister Sir Keir Starmer erst in dieser Woche eingesetzt hat, dürfte kaum noch Aussicht auf Erfolg haben. Die Russen spüren den Eifer Washingtons, ein Abkommen zu schließen, und beharren darauf, dass keine Truppen aus Nato-Staaten auf ukrainischem Boden stationiert werden dürfen, selbst wenn sie nicht unter dem Kommando der Nato stehen.

Warum ist das so? Nicht, weil der Kreml einen Angriff der schwachen Armeen Großbritanniens, Frankreichs und ihrer kleineren Verbündeten befürchtet. Nein. Der Grund ist, dass eine solche Nachkriegs-Ukraine für Wladimir Putin ein unerledigtes Geschäft darstellt, eine Frucht, die gepflückt werden muss, sobald der Westen ihrer Verteidigung überdrüssig wird. Deshalb muss Russland ein internationaler Paria bleiben, und deshalb muss es durch fortgesetzte Sanktionen geschwächt werden, die erst dann enden dürfen, wenn das schreckliche Leid, das der Ukraine zugefügt wurde, wiedergutgemacht ist.“

Europas Presse reagiert geschlossen entsetzt auf Donald Trumps Aussagen zum Ukraine-Krieg.

„Europa muss sofort handeln“: Spanien reagiert auf Trumps Ukraine-Wende

Zu der neuen Politik der USA gegenüber Ukraine und Russland und den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump gegen den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj schreibt die spanische Zeitung El Mundo am Donnerstag:

„Der Druck, um Selenskyj aus dem Spiel zu nehmen, ist nur ein Teil eines größeren Plans des Trumpismus, die Beziehungen zu Russland zu normalisieren. Das umfasst auch die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen der internationalen Gemeinschaft. In diesem Zusammenhang war die Entscheidung der Europäischen Union, gestern ein neues Sanktionspaket gegen Moskau zu verabschieden, zwar richtig, aber nicht ausreichend.

Die Ordnung, die seit dem Zweiten Weltkrieg bestand, ist zusammengebrochen. Es geht nicht nur darum, dass unser historischer Verbündeter uns im Stich gelassen hat – er hat die Seiten gewechselt. Daher ist es jetzt entscheidend, dass Europa den Schock überwindet und sofort handelt. Wir befinden uns in einer Notfallsituation, die schnelles Handeln erfordert.“

Schweden: „Trump wiederholt russische Lügen“

Die liberale schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter (Stockholm) kommentiert die Ukraine-Politik von US-Präsident Donald Trump:

„Ist eine Desinformationskampagne jemals so erfolgreich wie jüngst die russische? Propagandaminister anderer Zeiten wären neidisch gewesen. Die russischen Erfolge erreichten am Mittwoch ihren Höhepunkt, als Donald Trump die russischen Lügen mehr oder weniger wörtlich wiederholte: Die Ukraine habe den Krieg begonnen und Selenskyj sei ein Diktator, der sich weigere, Wahlen abzuhalten. Tage zuvor hat seine Regierung eine Beteiligung der USA an den natürlichen und mineralischen Ressourcen der Ukraine gefordert – nicht im Austausch für Sicherheitsgarantien, sondern damit die Amerikaner das Geld zurückbekommen, das sie bereits zur Verteidigung der Ukraine gegeben haben.

Die Ukraine soll gedemütigt, kolonisiert und ihrer Ressourcen beraubt werden. Und dann als Täter benannt werden. Die Ziele der Amerikaner in der Ukraine ähneln allmählich auf unangenehme Weise denen der Russen.

Und als Selenskyj Trump entgegnete, dieser habe die russische Desinformation geschluckt, eilte der US-Vizepräsident herbei, um zu warnen: Wer schlecht über Trump rede, werde bestraft. Also derselbe J.D. Vance, der – bevor er dem Präsidenten loyal wurde – Trump als Amerikas eigenen Hitler bezeichnet haben soll. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass es auch deutliche Unterschiede gibt: Hitlers Propagandaminister war Deutscher. Putins ist der amerikanische Präsident.“

„Dramatische Wende“: Ungarn sieht Sicherheitsordnung durch Trump in Gefahr

Über die Politik von US-Präsident Donald Trump gegenüber Russland und der Ukraine schreibt die Budapester Tageszeitung Nepszava

„Was will Trump? Weiß er es eigentlich selbst? Hat er irgendetwas mit den Russen vereinbart? Man kann es nicht wissen, und es herrscht keine Klarheit, weil die führenden Persönlichkeiten der US-Administration Widersprüchliches von sich geben. So viel ist aber sichtbar, dass der Konflikt (zwischen Russland und der Ukraine) eine dramatische Wende nehmen könnte, wenn Trump die Ukraine und Europa von den ,Friedensverhandlungen‘ ausschließt. 

Trump kann (Wolodymyr) Selenskyj offensichtlich nicht ausstehen, und es ist vorstellbar, dass sich der ukrainische Präsident mit der Zeit zum Rücktritt gezwungen sieht. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass Trumps weltpolitisches Hasardspiel die gesamte europäische Sicherheitsordnung in Gefahr bringt.“

„Kein moralischer Kompass“: Harte Trump-Attacke aus den Niederlanden

Zur Ukraine-Politik von US-Präsident Donald Trump meint die niederländische Zeitung de Volkskrant am Donnerstag:

„Unverdrossen wiederholte Trump russische Propaganda, als er behauptete, der ukrainische Präsident Selenskyj habe nur noch das Vertrauen von 4 Prozent der Bevölkerung. In Wirklichkeit wird er von 57 Prozent unterstützt. Selbst die Opposition drängt nicht auf Wahlen.

Zudem wurde mit den Gesprächen zwischen Russland und den USA in Riad der Status Russlands als Paria für den Westen beendet. Kurzum: Trump scheint den demokratischen Verbündeten Ukraine im Stich zu lassen und auf Russland zu setzen, eine Diktatur, die mit dem Angriff auf die Ukraine die UN-Charta verletzt hat.

Obendrein machte Trump deutlich, dass er keinen moralischen Kompass hat und sich nicht um die internationale Rechtsstaatlichkeit schert. Dies ist nicht nur für die Ukraine beängstigend, sondern auch für Europa, das sich in den letzten 80 Jahren auf den militärischen Schutz der USA verlassen hat. Unter Trump wandelt sich Amerika nun rasch vom Verbündeten zum Gegner, vielleicht sogar zu einem Feind, der Bewunderung für „starke“ Anführer wie Putin und Verachtung für „schwache“ europäische Demokratien hegt.“

„Er lügt seit 2020“: Schweiz rechnet mit Trumps Ukraine-Vorstoß ab

Der Schweizer Tages-Anzeiger kommentiert am Donnerstag die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zum Ukraine-Krieg:

„Wie dreist seine Aussagen auch sind, überraschend kommen sie nicht. Er lügt seit November 2020, was seine Wahlniederlage gegen Joe Biden betrifft. Dito zum Sturm seiner Anhängerinnen und Anhänger auf das Capitol. Und jetzt geht er so weit, der Ukraine die Kriegsschuld zuzuschieben, um Putin zu treffen, einen starken Mann, den er deshalb letztlich bewundert.

Und Trump ging noch weiter: Als wäre es mit Moskau abgesprochen, monierte er, dass die Neuwahlen in der Ukraine wegen des Kriegsrechts verschoben wurden, als wäre dies nicht üblich in einem Krieg führenden Land, siehe Winston Churchill. Damit sprach der US-Präsident dem gewählten Präsidenten eines anderen souveränen Staats implizit die Legitimität ab. (…)

Der tapfere Präsident Selenskyj versuchte höflich zu bleiben und sprach davon, dass sich der US-Präsident „in einem Raum der Desinformation“ bewege, der von Russland angeheizt werde. Aber offensichtlich marschieren Trump und Putin gerade in beunruhigendem Gleichschritt.“ (rjs/dpa)

Rubriklistenbild: © Montage: dpa/Philipp von Ditfurth//IMAGO / Xinhua

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