Ernster Termin - mit skurrilem Versprecher. Jens Stoltenberg und Boris Pistorius haben Vilnius besucht. Der Tag bringt wichtige Neuigkeiten für die Bundeswehr.
Vilnius – Es sind bewegte Zeiten: Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nahm am Montag (26. Juni) auf Besuch in Litauens Hauptstadt Vilnius ausführlich Stellung zur Wagner-Revolte in Russland. Er attestierte unter anderem Wladimir Putins Herrschaft in Russland angesichts der Ereignisse eine „Fragilität“ - griff dabei aber an entscheidender Stelle im Baukasten der Worte an die falsche Stelle, wie unter anderem ein Stream der Deutschen Welle zeigte.
„Was wir in Russland über die vergangenen Tage gesehen haben, demonstriert die Fragilität des deutschen Regimes“, sagte Stoltenberg wortwörtlich. Der Versprecher fiel dem Nato-Generalsekretär zunächst selbst nicht auf. Wohl aber den Zuhörern.
Stoltenberg-Versprecher bei Termin mit Pistorius: „Deutsches Regime fragil“
In Reihen der anwesenden Journalisten regte sich auch in den TV-Bildern hörbares Getuschel. Der ebenfalls auf dem Podium anwesende Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius lachte zunächst, griff dann aber ein. Während sich Stoltenberg aufgrund der Reaktionen sichtlich ratlos umblickte, assistierte der SPD-Politiker. „Nicht das deutsche Regime!“, berichtigte er.
„Nein, sorry, das russische Regime!“, räumte der Nato-Generalsekretär ein - und stimmte in das aufbrandende Gelächter ein. „Tut mir leid, wir sind zurzeit recht stabil!“, rief Pistorius außerhalb des Blickfeldes der TV-Kameras. Stoltenberg brachte dann seine eigentliche Botschaft fehlerfrei über die Bühne: „Es zeigt, wie gefährlich es für Wladimir Putin ist, auf Söldner angewiesen zu sein.“
Tut mir leid, wir sind zurzeit recht stabil!
Pistorius besucht im Ukraine-Krieg Litauen: 4.000 deutsche Soldaten eingeplant - Bundeswehr überrumpelt?
Der gemeinsame Termin von Stoltenberg und Pistorius hatte indes einen ernsten Hintergrund - und könnte auch in Deutschland noch für Verstimmungen sorgen. Pistorius kündigte an, dauerhaft 4.000 Bundeswehr-Soldaten in Litauen zu stationieren. Auf diesem Wege soll die Nato-Ostflanke gestärkt werden. Ein Wunsch gerade der baltischen Länder, die sich von Putins Russland bedroht fühlen. Stoltenberg begrüßte die deutsche „Führung“ in dieser Frage.
Litauens Präsident Gitanas Nauseda versicherte, sein Land werde alles tun, um die deutschen Einheiten angemessen zu beherbergen. Bis 2026 sollen die nötigen Vorarbeiten bewältigt sein - wenngleich Nauseda bei dem Termin auf eine schnellere Lösung seines Verteidigungsministers hoffte.
Der Bundeswehrverband zeigte sich indes überrumpelt. „Innerhalb der Bundeswehr hat die Ankündigung von Boris Pistorius überrascht“, sagte Verbandschef André Wüstner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Es gibt eine Menge konzeptioneller Fragen, angefangen beim fehlenden Material, notwendigen strukturellen Anpassungen und schließlich, wie sich diese Ankündigungen unmittelbar auf Soldatinnen und Soldaten von Heer, Streitkräftebasis und Sanitätsdienst sowie auf deren Familien auswirken.“
Bundeswehr in Litauen: Stoltenberg sieht Signal an Putin - „um einen Konflikt zu verhindern“
Auf eine Frage nach dem von der Entscheidung ausgehenden Signal an Wladimir Putin und Belarus‘ Machthaber Alexander Lukaschenko erklärte Stoltenberg: „Das sendet natürlich eine Botschaft“, erklärte er. Es gehe um die Fähigkeit der Nato, jeden Zoll ihres Territoriums zu verteidigen. „Der Grund dafür ist natürlich nicht, einen Konflikt zu provozieren, sondern einen Konflikt zu verhindern.“ Dabei sei „Abschreckung“ ein wichtiger Aspekt.
Die Stationierungsentscheidung der Bundesregierung sei grundsätzlich nachvollziehbar, betonte Wüstner indes zugleich. „Zwischen Ankündigung und Realisierung liegen jetzt allerdings eine Menge Hausaufgaben für Litauen selbst, aber insbesondere für unser Verteidigungsministerium.“ Die Bundeswehr ist bereits seit 2017 in Litauen vertreten, aktuell aber „nur“ mit rund 800 Soldaten. (fn mit Material von dpa)
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