In Minnesota werden zwei Demokraten Opfer eines Attentats. Eine Politikerin überlebt den Anschlag nicht. Das politische Klima in den USA ist zunehmend aufgeheizt.
Saint Paul – In Minnesota verübt ein Mann einen Anschlag auf zwei demokratische Abgeordnete. Melissa Hortman (55) und ihr Ehemann wurden am Samstagmorgen in ihrem Haus in Brooklyn Park nahe der Metropole Minneapolis überfallen und getötet. Hortman war Sprecherin des Repräsentantenhauses in Minnesota und damit eine hochrangige Politikerin im Minnesota Kongress. Bei einem weiteren Angriff wurde John Hoffman, ebenfalls Demokrat und Senator in Minnesota, und seine Ehefrau angeschossen. Hoffman und seine Frau überlebten die Tat und werden aktuell im Krankenhaus behandelt.
Die Motive des Schützen sind derzeit noch unklar. Hauptverdächtiger ist der 57 Jahre alte Vance B. der zum jetzigen Zeitpunkt landesweit vom FBI gesucht wird. Gouverneur von Minnesota Tim Walz erklärte, die Tat sei ein „politisch motiviertes Attentat“ gewesen. B. wurde bereits mehrere Male von den Gouverneuren in Minnesota als Mitglied des „Workforce Development Boards“ ernannt – zuletzt auch von Walz. Laura Loomer, eine MAGA-Hardlinerin und andere MAGA-Persönlichkeiten kritisierten die Verbindung zwischen Walz und dem Verdächtigen.
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Abstruse Verschwörungstheorie von MAGA-Hardlinern über Mord in Minnesota
Auf der Social-Media-Plattform X verbreitete die Aktivistin eine wilde Verschwörungstheorie über den demokratischen Gouverneur. „Die Medien wollen Ihnen weismachen, dass der Schütze in Minnesota ein Trump-Anhänger ist. Er wurde von Walz ernannt. Er war mit Walz befreundet. Und er hatte ‚No Kings‘-Flyer in seinem Auto. ‚No Kings‘ ist eine gewalttätige Gruppe, und es ist keine Überraschung, dass die Schießerei an dem Tag stattfand, an dem die ‚No Kings‘-Proteste im ganzen Land losgingen. Die Organisatoren von ‚No Kings‘ und @GovTimWalz müssen vom FBI festgenommen und verhört werden.“
Die „No Kings“-Proteste in den USA fanden am Samstag als Gegenbewegung zur Militärparade Donald Trumps landesweit statt. Die Demonstrationen waren größtenteils friedlich, mit einigen wenigen Ausnahmen. Beweise für ihre Behauptung brachte Loomer nicht vor. B. war langjähriges Mitglieder des Arbeitsgremiums des Bundesstaates Minnesota. Weiter ist der Verdächtige bisher weder den Demokraten noch den Republikanern politisch zugeordnet.
US-Politiker wegen Mord in Minnesota besorgt über politische Gewalt im Land
In einem Bericht von 2016 ist Vances politische Zugehörigkeit als „keine oder andere“ markiert und in einem Bericht aus dem Jahr 2020 heißt es, B. habe „keine Parteipräferenz“, wie die New York Times berichtet. Ein Manifest oder eine Erklärung des mutmaßlichen Täters, warum er die beiden demokratischen Abgeordneten ins Visier genommen hat, liegt bisher nicht vor.
Der Gewaltakt in Minnesota beunruhigt auch die Politiker im Kapitol in Washington, D.C., berichtet die Onlineplattform Axios. Ein hochrangiger Demokrat äußerte sich anonym man sei aufgrund des Anschlags „verängstigt“. Ein weiterer demokratischer Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus erklärte, es gebe eine „starke Nachfrage“ nach mehr Sicherheitspersonal für die Politiker in Washington. Die republikanischen Abgeordneten im Unterhaus seien ebenso besorgt über die Situation. Der demokratische Minderheitsführer Hakeem Jeffries im Repräsentantenhaus erklärte: „Unser Land ist so nervös wie noch nie.“
Ein republikanischer Abgeordnete erklärte anonym gegenüber Axios es sei wichtig alle Informationen abzuwarten, ohne „voreilige Schlüsse zu ziehen“. Gleichzeitig betonte er: „Wenn es sich als politisch motiviert herausstellt, müssen sich alle Republikaner gegen politische Gewalt aussprechen.“
FBI fahndet nach Täter des Attentats von Minnesota – hohe Belohnung ausgesetzt
Das FBI setzte eine Belohnung von bis zu 50.000 Dollar (43.000 Euro) für Hinweise aus, die zur Festnahme von Vance B. führen. Der 57-Jährige sei dringend tatverdächtig. „Wir glauben, dass er versuchen wird, die Region zu verlassen“, sagte der Leiter der Kriminalpolizei von Minnesota, Drew Evans. B. war in der Region von Minneapolis auf Videoaufnahmen entdeckt worden, in Vororten der Stadt hatte er seine Taten begangen.
Der mutmaßliche Täter suchte seine Opfer nach ersten Erkenntnissen als Polizist verkleidet in ihren Häusern auf. Boelter arbeitete offenbar für einen Sicherheitsdienst. Auf dessen Website wird er als Leiter der Sicherheitspatrouillen bezeichnet. Ein vom FBI veröffentlichtes Foto zeigt den Tatverdächtigen mit einer Latexmaske, möglicherweise um seiner Identifizierung zu entgehen. Sein Mitbewohner David Carlson sagte im lokalen Fernsehen, Boelter habe ihm per SMS geschrieben, dass er für eine Weile weg sei – und dass er „bald sterben könnte“.
Auch Trump verurteilte die Tat. Er sei über den „furchtbaren Schusswaffenangriff“ in Minnesota informiert worden, es habe sich offenbar um einen „gezielten Angriff auf Parlamentarier des Bundesstaats“ gehandelt. In Minneapolis, der größten Stadt in Minnesota, verhängte die Polizei eine Ausgangssperre. Eine in der Stadt geplante Protestveranstaltung gegen Trump wurde abgesagt.
Landesweite Proteste gegen Donald Trumps Politik
Die Behörden riefen die Menschen auf, auch in anderen Städten des Bundesstaates nicht an geplanten Protestveranstaltungen teilzunehmen. Dessen ungeachtet versammelten sich viele Menschen in der Hauptstadt Saint Paul, bei der neben den Protesten gegen Trump auch der getöteten Abgeordneten Hortman gedacht wurde. Quer durch die USA gingen am Samstag hunderttausende Menschen auf die Straße, um unter dem Motto „No Kings“gegen die Politik von Trump und seine Art des Regierens zu protestieren.
Das politische Klima in den USA ist zunehmend aufgeheizt. In den vergangenen Monaten waren mehrere Angriffe auf Politiker verübt worden. Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2024 verübte ein Mann mit einer Schusswaffe ein Attentat auf den damaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump, im April 2025 wurde ein Brandanschlag auf die Residenz des demokratischen Gouverneurs von Pennsylvania, Josh Shapiro, verübt.
Im Jahr 2022 war der Ehemann der damaligen Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi in ihrem gemeinsamen Haus mit einem Hammer attackiert und schwer verletzt worden. (sischr/afp)