Wut in Russland über Versorgung verwunderter Nordkorea-Soldaten – „Sind die eine Elite oder was?“
VonSascha Müller
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Putin setzt wohl Soldaten aus Nordkorea im Ukraine-Krieg in Kursk ein. Die Versorgung der Verwundeten sorgt in Russland aber für Ärger, wie ein abgehörtes Gespräch verrät.
Moskau – Das hart umkämpfte Gebiet Kursk an der russischen Grenze stand ab August 2024 für einen erfolgreichen Schachzug der ukrainischen Truppen im Krieg gegen Russland. Allerdings haben die Truppen des Präsidenten Wladimir Putin bereits einige besetzte Gebiete zurückerobert. Bei der jüngsten Offensive Russlands gegen die ukrainischen Besetzer griff Putin auf Soldaten aus Nordkorea zurück. Berichten von ukrainischen Militärangehörigen zufolge sollen die nordkoreanischen Soldaten unerfahren agieren, insbesondere bei Angriffen von Kampfdrohnen, die zahlreich von Präsident Wolodymyr Selenskyjs Armee eingesetzt werden.
Nordkorea-Soldaten für Putin im Ukraine-Krieg – USA berichten von erheblichen Verlusten
Die USA wie auch der ukrainische Geheimdienst hatten von erheblichen Verlusten in den Reihen der von Putin angeheuerten Truppen berichtet. „Nach unserer jüngsten Schätzung hat Nordkorea mehrere hundert Opfer zu beklagen“, sagte ein US-Militärverantwortlicher am Dienstag, dem 17. Dezember, in Washington.
Zurückhaltender formuliert es ein Vertreter des US-Außenministeriums: „Wir haben gesehen, dass nordkoreanische Soldaten an die Front in Kursk geschickt werden, und wir haben gesehen, dass sie Verluste erleiden, sowohl Tote im Gefecht wie Verwundete.“ Betroffen seien seit den ersten Gefechten in Kursk, an denen die Nordkoreaner gewesen sein sollen, Streitkräfte jeden Dienstgrades. „Dies sind keine kampferprobten Truppen. Sie waren noch nie in einem Gefecht“, fuhr der Regierungsvertreter fort.
Putin lässt nordkoreanische Verwundete in Moskauer Krankenhaus wohl bevorzugt behandeln
Auch der Inlandsgeheimdienst der Ukraine (SBU) geht von schweren nordkoreanischen Verlusten aus. Unter anderem ergebe sich dies aus abgehörten Telefonaten. „In nur wenigen Tagen wurden mehr als 200 verwundete nordkoreanische Soldaten in ein russisches Krankenhaus in der Nähe von Moskau gebracht“, so der SBU. Dort gebe es Beschwerden des Krankenhauspersonals, die Betroffenen aus dem Fernen Osten würden bevorzugt behandelt.
In einem abgefangenen Gespräch soll eine russische Krankenschwester gesagt haben, dass Krankenstationen an nordkoreanische Kämpfer vergeben und verwundete Russen unter schlechteren Bedingungen behandelt würden. „Sind diese Koreaner eine Elite oder was?“ Diese Aussage soll laut Informationen des Tagesspiegels abgehört worden sein. Die Angaben des Geheimdienstes lassen sich indes nicht unabhängig bestätigen.
Truppen aus Pjöngjang sind Teil des Abkommens zwischen Putin und Kim Jong-un
Präsident Wolodymyr Selenskyj ging in den vergangenen Tagen mehrfach auf die Nordkoreaner ein und sprach von vielen Toten und Verletzten. Er warf Russland vor, tote Soldaten zu verbrennen, um die Verluste zu verschleiern. Im Rahmen der bilateralen Militärkooperation mit Russland hat das abgeschottete kommunistische Nordkorea nicht nur Munition, Raketen und Geschütze geschickt, sondern auch geschätzt 10.000 Soldaten an Moskau entsandt.
Damit ist Nordkorea zu Russlands wichtigsten Bündnispartner geworden. Der Pakt sieht unter anderem gegenseitige militärische Hilfe vor sowie eine Zusammenarbeit der Länder in Bezug auf westliche Sanktionen.
Die US-Regierung sieht die Ukraine indes im Recht, die Nordkoreaner zu bekämpfen. „Sie sind in einen Krieg eingetreten und sind damit Kombattanten und legitime Ziele für das ukrainische Militär“, sagte Sprecher Matthew Miller vom US-Außenministerium. Bislang lasse sich ein Einsatz der Nordkoreaner nur auf russischem Gebiet beobachten. Sollten sie auch in die russisch besetzten Gebiete der Ukraine vordringen, bedeute diese eine weitere Eskalation des Krieges durch Moskau und Pjöngjang, sagte der Sprecher. (afp/smk)