VonGiorgia Grimaldischließen
Ein Ökonom fordert Unternehmen auf, sich klar gegen rechts zu positionieren. Wie das bei den größten Betrieben des Landes aussieht, erfährst du hier.
Seit dem Bekanntwerden eines Geheimtreffens demonstrieren Hunderttausende in Deutschland gegen Rechtsextremismus und die AfD. Viele Protestierende haben sich für ihre Plakate und Schilder etwas ganz Besonderes ausgedacht. Laut Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), ist Zivilcourage nicht genug. Er fordert die deutsche Wirtschaft auf, öffentlich Stellung zu beziehen.
„Die Vorstände in den Unternehmen müssen jetzt Farbe bekennen gegen rechts und ihren Beschäftigten vor Augen halten: Eure Jobs sind in Gefahr, wenn die AfD sich durchsetzt. In einigen Unternehmen herrscht leider die Attitüde, die Politik müsste das alleine richten. Das ist falsch, das müssen wir alle gemeinsam“, erklärt Fratzscher.
Einige Unternehmen gingen zwar mit gutem Beispiel voran, anderen fehle jedoch der Mut, so der Ökonom. „Die Wirtschaft und Unternehmen wären die großen Verlierer einer AfD-Politik.“ Dann gingen Millionen Arbeitsplätze verloren. Ohne Beschäftigte aus dem Ausland werde sich auch der Fachkräftemangel erheblich verschärfen.
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„Viel weniger Vielfalt“, Werbung mit leeren Regalen geht viral
Wie Haltung gegen rechts aussehen kann, zeigt ein Video der Supermarktkette Edeka von 2017. Im Video sind vor allem leergefegte Regale zu sehen – die Konsequenz, wenn es nur deutsche Produkte zu kaufen gebe. Der Werbeclip endet mit dem Statement „Wir lieben Vielfalt“ anstelle des bekannten Slogans „Wir lieben Lebensmittel“.
@edeka So aktuell wie nie… Wir 💛 Vielfalt und stehen auf gegen Rechts! #GegenRechts ♬ Originalton - EDEKA
So positionieren sich führende Unternehmen in Deutschland
BuzzFeed News Deutschland hakt nach: Wie positionieren sich die führenden Unternehmen in diesem Land gegen menschenfeindliche und verfassungswidrige Ideologien?
Auf unsere Anfrage, ob Aktionen in naher Zukunft geplant seien, haben Siemens, Telekom, Volkswagen und Allianz geantwortet. Die Rückmeldungen sind ähnlich: Intern habe man das Thema besprochen – und sich mit einem Statement auf der Plattform LinkedIn positioniert. Wir zeigen Ausschnitte aus ihren Posts. Ob das der Mut ist, den der Wirtschaftsforscher Fratzscher fordert? Entscheide selbst.
1. Telekom: Zeigen, wer die Mehrheit ist
„Lasst uns den wenigen, die Hass und Gift verbreiten, zeigen, wer die Mehrheit ist. Zeigen, dass wir für ein weltoffenes, demokratisches, friedliches und sicheres Deutschland sind. Sicher für alle Menschen. Egal, wo sie herkommen. Egal, wen sie lieben. Ganz egal. Wir sind die Vielen.“
2. Allianz: Ursache des Extremismus anpacken
„Wenn es um den Schutz von Freiheit und Demokratie geht, sind wir der Überzeugung, dass Meinungsäußerungen in den sozialen Medien allein nicht ausreichen. Deshalb werden wir gemeinsam mit anderen Partnern daran arbeiten, zuzuhören, zu verstehen und Ängste zu adressieren – und Enttäuschungen als eine Ursache des Extremismus anzupacken.“
3. Siemens: Offenheit und Austausch
„Rechtsextremismus schadet Deutschland und bedroht seinen Wohlstand. Dieser Wohlstand basiert auf Fortschritt und Innovation, auf Offenheit und Austausch, auf Vielfalt und Beständigkeit – und vor allem auf kreativen und engagierten Menschen. Menschen, die hierherkommen und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten wollen. Das ist der Schlüssel zu unserem Erfolg. Deshalb ist Deutschland die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.“
4. Volkswagen: Gesellschaft, Respekt und Toleranz
„Der Volkswagen Konzern steht für eine offene Gesellschaft, Respekt und Toleranz und stellt sich Hass und Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegen. Diese Haltung spiegelt sich in unserem Handeln, entsprechenden Projekten und in unserer Betriebsvereinbarung wider. [...] Wir sind folglich gegen Protektionismus, Forderungen nach dem Austritt aus EU, dem Leugnen des Klimawandels oder dem Instrumentalisieren ökonomischer Sorgen [...].“
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(Mit Material der dpa)
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