„Es lebe das Emirat“-Rufe

„Macht fassungslos“: Taliban-Vertreter spricht in Deutschland – Baerbock und Faeser in Erklärungsnot

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Taliban-Vertreter Abdul Bari Omar spricht in einer Moschee in Köln. Das Auswärtige Amt wusste nichts von seiner Einreise. (Collage)
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Ein hochrangiger Taliban-Funktionär ist in Deutschland aufgetreten. Das Auswärtige Amt war wohl komplett ahnungslos. Die Kritik ist groß.

Update vom 19. November, 18:37 Uhr: Auch bei einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation WHO, die vom 6. bis 8. November in Den Haag stattfand, war ein Taliban-Funktionär dabei, bei dem es sich nach niederländischen Medienberichten ebenfalls um Omar handeln soll. Es werde nun untersucht, wie das möglich war, teilte der niederländische Gesundheitsminister Ernst Kuipers am Samstag über X mit.

Der Minister hatte sich bei der Konferenz auch mit dem Taliban-Vertreter fotografieren lassen. Das Foto war bereits vor rund eineinhalb Wochen über X verbreitet worden, doch in den Niederlanden war es erst jetzt nach dem Wirbel über den Vorfall in Köln bekannt geworden. Kuipers bedauerte das gemeinsame Foto. Er habe nicht gewusst, um wen es sich handelte. „Selbstverständlich will ich auf keinster Weise assoziiert werden mit diesem schrecklichen Regime: Ich stehe hinter den Menschenrechten und besonders Frauenrechten.“

Gegenüber t-online erklärte das Auswärtige Amt der Niederlande: „Diese Person steht auf keiner Sanktionsliste. Dennoch hätte ihm kein Visum gewährt werden dürfen. Das Außenministerium prüft derzeit die Vorgehensweise, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert.“

Update vom 19. November, 8:35 Uhr: Nach dem Auftritt des hochrangigen Taliban-Funktionärs in einer Kölner Moschee hat der Dachverband Ditib seine ursprünglichen Angaben zum Veranstalter korrigiert. „Leider ist uns bei dem Namen des Vereins ein höchst unglücklicher Fehler unterlaufen, sodass wir fälschlicherweise den ‚Afghanischen Kulturverein Meschenich e.V.‘ als Veranstalter und Nutzer des Saals angegeben haben“, erklärte der Dachverband, dem die Moschee angehört, bereits am Samstagabend. Tatsächlich sei der Saal Personen zur Verfügung gestellt worden, die Ditib als Vorstand des Vereins „Kulturverein der Kunar Jugendlichen e.V.“ bekannt seien und in dessen Namen handelten.

Taliban-Vertreter spicht in Köln: Islamverband räumt „höchst unglücklichem Fehler“ ein

Darüber hinaus bedaure der Ditib den „erheblichen Schaden“, der für den ursprünglich angegebenen Verein entstanden sei. Zudem distanziere sich der Dachverband abermals von der Veranstaltung. „Die menschenverachtende, frauenfeindliche und freiheitsfeindliche geistige Haltung der Taliban ist mit unserem Glauben in keiner Weise zu legitimieren und wir stehen dieser Auslegung als Muslime entschieden entgegen.“

Warnung vor Auftritten von Taliban-Vertretern in Deutschland: Baerbock und Faeser in Erklärungsnot

Nach dem Auftritt kam zudem in den Umlauf, dass afghanische Aktivisten das Außen- und Innenministerium bereits im Oktober vor einer Einreise von Taliban-Vertretern nach Deutschland gewarnt hatten, was kein gutes Licht auf die Ministerien von Annalena Baerbock und Nacy Faeser wirft. In dem Brief, den mehrere Journalisten auf X (ehemals Twitter) posteten, steht weiter: „Uns ist bekannt geworden, dass im Oktober mehrere Mitglieder des De-Facto-Regimes der Taliban einen Besuch in Deutschland geplant haben, um an mehreren Treffen teilzunehmen.

Die Aktivistin sprechen sich in dem Brief klar dafür aus, die Einreise zu verhindern. Von Taliban-Besuchen im Oktober ist zwar nichts bekannt – nun aber nur wenige Wochen später. Eine Reaktion von Außen- oder Innenministerium auf den Brief gibt es bisher nicht.

Omar war am Donnerstag in Köln-Chorweiler in einer Moschee aufgetreten, die dem Dachverband Ditib angehört. Der Islamverband distanzierte sich von dem Auftritt, der „Afghanische Kulturverein Köln Meschenich“ habe die als religiös angekündigte Veranstaltung organisiert. Dem Verein sei Hausverbot erteilt worden. Der Kulturverein hatte hingegen betont, man sei weder an der Anmietung des Veranstaltungsraumes beteiligt gewesen, noch seien Vereinsmitglieder anwesend gewesen. Man habe unter anderem wegen Rufschädigung Anzeige erstattet.

„Macht fassungslos“: Taliban-Vertreter spricht in Deutschland – Amt ratlos, wie er einreisen konnte

Erstmeldung vom 18. November, 11.14: Köln – „Wir verurteilen den Auftritt des Taliban-Vertreters Abdul Bari Omar in Köln auf das Schärfste“. Mit diesen Worten meldete sich am Freitagabend das Auswärtige Amt auf X (vormals Twitter) zu Wort. Damit reagierte man auf den Auftritt des hochrangigen Taliban-Funktionärs in einer Kölner Moschee am Donnerstag. Was damit auch klar ist: Annalena Baerbocks Ministerium hatte offenbar im Vorhinein keine Ahnung von dem Auftritt – und generell der Einreise des Mannes nach Deutschland.

Die Reise sei dem Aúswärtigen Amt nicht angekündigt worden und dem Mann sei vor seiner Einreise nach Deutschland kein Visum erteilt worden, erklärte das Auswärtige Amt weiter „Wir prüfen in engem Austausch mit den Innenbehörden und Partnern weitere Maßnahmen.“

Taliban-Vertreter tritt in Deutschland auf: Baerbocks Ministerium offenbar ahnungslos

Selbst der Dachverband Ditib, dem die Moschee angehört, distanzierte sich von dem Auftritt in dem Gebetshaus im Stadtteil Chorweiler am Donnerstag. Der „Afghanische Kulturverein Köln Meschenich“ habe die als religiös angekündigte Veranstaltung organisiert. „Entgegen vertraglicher Vereinbarung wurde daraus eine politische Veranstaltung, zu der ein uns unbekannter Redner eingeladen wurde“, teilte die Ditib Köln-Chorweiler mit. Dem Verein sei Hausverbot erteilt worden.

Der Kulturverein wies diese Darstellung zurück. Es sei „unter missbräuchlicher Verwendung unseres Vereinsnamens eine scheinbar religiöse Veranstaltung“ durchgeführt worden. Man sei weder an der Anmietung des Veranstaltungsraumes beteiligt noch seien Vereinsmitglieder anwesend gewesen, heißt es in einer Mitteilung vom Freitag. Es sei auch kein Vertrag abgeschlossen worden. Der Verein habe daher Anzeige erstattet, unter anderem wegen Rufschädigung.

Das Auswärtige Amt betonte, dass die Bundesregierung die Taliban nicht anerkenne. „Solange die Taliban in Afghanistan in eklatanter Weise die Menschenrechte, insbesondere die Rechte von Frauen und Mädchen mit Füßen treten, wird es keine Normalisierung mit dem Taliban-Regime geben.“

Bleibt die Frage: Wie konnte es zu dem Auftritt in Deutschland kommen, ohne dass die Behörden selbst von der Einreise wussten?

Taliban-Vertreter spricht in Deutschland: Wie konnte er einreisen?

Die wahrscheinlichste Variante lautet so: Abdul Bari Omar war offenbar über die Niederlande eingereist. Dort hatte er laut seines X-Accounts an einem Treffen der WHO teilgenommen. Darauf weist auch ARD-Korrespondent Gabor Halasz hin. Von dort ging es möglicherweise über die Grenze nach Deutschland und direkt in die Kölner Moschee. Das alles ganz ohne Visum für Deutschland, was erklären würde, warum das Auswärtige Amt keine Informationen über die Einreise hat. Mittels der – wohl auf Einladung erfolgten – Teilnahme an dem WHO-Treffen war dem Taliban-Vertreter offenbar ein Visum für den Schengenraum ausgestellt worden.

Der Auftritt sorgt in Deutschland für Fassungslosigkeit. Bari Omar konnte laut Bild frei über das prosperierende „Islamische Emirat“ und die Sicherheit im Land fabulieren. Daneben soll sein Auftritt vor Ort von „Es lebe das Emirat“- und „Alluha Akbar“-Rufen begleitet worden sein.

Auftritt des Taliban-Funktionärs „macht fassungslos“

Die nordrhein-westfälische Staatskanzlei verurteilte den Auftritt des Taliban-Funktionärs. „Dass Mitglieder einer radikalen Organisation wie die Taliban ihre Ideologien ungefiltert auf deutschem Boden verbreiten, ist ein unsäglicher Vorgang“, sagte ein Sprecher dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Alle Details dieses Sachverhalts müssen nun vollumfänglich aufgeklärt werden.“

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

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Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Die Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler, die Mitglied in der Enquete-Kommission des Parlaments zur Aufarbeitung des Afghanistan-Einsatzes ist, übte ebenfalls Kritik. „Dieser Besuch macht fassungslos“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Dititb-Zentrale müsse umgehend erklären, wie der Auftritt zustande kam.

Am Samstagmorgen meldete sich Bari Omar – nach eigenen Angaben Superintendent der Nationalen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde Afghanistans – dann via X (vormals Twitter) dann erneut zu Wort und stellte klar: „Ich bin immer noch in Europa.“ Während seiner Reise habe er Treffen mit „afghanischen Brüdern“, die in den Niederlanden, Belgien, der Slowakei und Deutschland lebten, gehabt „sowie mit einer Reihe afghanischer Botschafter und Diplomaten“. (rist/dpa)

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