In Oppositionsrolle

Özdemir: Grüne sollen nach AfD-Erfolg aus „Patriotismus für das Land“ arbeiten

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Die Bundestagswahl hat die demokratische Mitte deutlich nach rechts verschoben. Cem Özdemir fordert von den Grünen in der Opposition eine Unterstützung der neuen Regierung.

Mannheim - Bei der Bundestagswahl ist die bürgerlich-konservative Union als Sieger hervorgegangen, gefolgt von der zumindest in großen Teilen rechtsextremen AfD, die auch im Südwesten ganze Gemeinden für sich gewinnen konnte. Auch wenn CDU-Chef Friedrich Merz eine Zusammenarbeit mit der AfD vehement ausschließt, was Kult-Unternehmer Wolfgang Grupp als Fehler ansieht, wird die neue Bundesregierung zumindest in gewissen Punkten rechte Positionen vertreten. Cem Özdemir (Grüne) fordert von seiner Partei, die vermutlich die Oppositionsrolle einnehmen wird, eine veränderte Ausrichtung.

Das waren die Spitzenkandidat:innen für die Bundestagswahl 2025 aus Baden-Württemberg

Saskia Esken auf dem Landesparteitag der SPD Baden-Württemberg.
Saskia Esken ist die Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl der SPD Baden-Württemberg.  © Jan-Philipp Strobel/dpa
SPD-Chefin Saskia Esken bei einem Interview.
Die gebürtige Stuttgarterin Saskia Esken ist seit 2019 eine der beiden Bundesvorsitzenden der SPD.  © Kay Nietfeld/dpa
Saskia Esken, SPD-Bundesvorsitzende, und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nehmen an der Fraktionssitzung ihrer Partei teil.
Bei der Bundestagswahl 2021 hatte die SPD 25,7 Prozent der Zweitstimmen erhalten und ging als stärkste Partei hervor.  © Kay Nietfeld/dpa
Thorsten Frei (CDU), Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, spricht bei der Landesvertreterversammlung der CDU Baden-Württemberg.
Die CDU Baden-Württemberg geht mit Thorsten Frei als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2025 ins Rennen.  © Bernd Weißbrod/dpa
Thorsten Frei (l, CDU), Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, nimmt bei der Landesvertreterversammlung der CDU Baden-Württemberg von Manuel Hagel (r), Landesvorsitzender der CDU Baden-Württemberg, die Gratulation für den Listenplatz 1 für die Bundestagswahl entgegen.
Thorsten Frei (links), hier neben BW-Landeschef Manuel Hagel, ist Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion. © Bernd Weißbrod/dpa
Thorsten Frei (CDU), Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, spricht in der Holstenhalle in Neumünster.
Die CDU ging mit 18,9 Prozent bei der Bundestagswahl 2021 als zweitstärkste Kraft hervor und bildet seitdem die Opposition.  © Frank Molter/dpa
Franziska Brantner, Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, spricht beim Programmparteitag ihrer Partei zu den Delegierten.
Die Grünen in Baden-Württemberg haben Franziska Brantner zur Spitzenkandidatin gewählt.  © Michael Kappeler/dpa
Felix Banaszak, Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, und Franziska Brantner, Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, nehmen am Programmparteitag ihrer Partei teil.
Franziska Brantner (rechts) bildet seit November 2024 gemeinsam mit Felix Banaszak (links) den Bundesvorsitz der Grünen.  © Kay Nietfeld/dpa
Außenministerin Annalena Baerbock (links), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Mitte) und die Parteivorsitzende Franziska Brantner (rechts) beim Bundesparteitag der Grünen.
Bei der Bundestagswahl 2021 erreichten die Grünen 14,8 Prozent der Stimmen.  © Kay Nietfeld/dpa
Judith Skudelny, Generalsekretärin der FDP Baden-Württemberg, spricht in der Schwabenlandhalle beim Landesparteitag der FDP.
Die Spitzenkandidatin der FDP in Baden-Württemberg ist Judith Skudelny.  © Bernd Weißbrod/dpa
Hans-Ulrich Rülke, FDP-Landeschef in Baden-Württemberg (links), und Judith Skudelny, Generalsekretärin der FDP Baden-Württemberg (rechts) auf dem Parteitag in Fellbach.
Judith Skudelny (r.), hier neben Landeschef Hans-Ulrich Rülke, ist unter anderem Generalsekretärin der FDP Baden-Württemberg. © Bernd Weißbrod/dpa
Hans-Ulrich Rülke, Michael Theurer, Christian Lindner und Judith Skudelny (von links nach rechts) beim Dreikönigstreffen in Stuttgart 2023.
Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte die FDP 11,5 Prozent der Zweitstimmen.  © Bernd Weißbrod/dpa
Alice Weidel (AfD), Spitzenkandidatin für die anstehende Bundestagswahl, spricht zu ihren Anhängern.
AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel ist auch Spitzenkandidatin der Partei in Baden-Württemberg. © Andreas Arnold/dpa
Tino Chrupalla (l-r), AfD-Bundesvorsitzender und Co-Fraktionsvorsitzender der AfD, Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion sitzen im Plenarsaal im Bundestag.
Alice Weidel ist neben Tino Chrupalla, links auf dem Foto, Parteivorsitzende der AfD. © Michael Kappeler/dpa
Die AfD-Chefs Alice Weidel (links) und Tino Chrupalla (rechts) bei der Fraktionssitzung der AfD vor der Vertrauensfrage durch Bundeskanzler Scholz.
Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte die AfD 10,3 Prozent der Zweitstimmen.  © Kay Nietfeld/dpa
Sahra Mirow (Die Linke) steht vor der Landesgeschäftsstelle von Die Linke in Stuttgart.
Spitzenkandidatin der Partei Die Linke für die Bundestagswahl 2025 in Baden-Württemberg ist Sahra Mirow. © Marijan Murat/dpa
Sahra Mirow bei der Bundespressekonferenz 2021.
Sahra Mirow ist Landessprecherin von Die Linke in Baden-Württemberg und Stadträtin in Heidelberg.  © IMAGO/Frederic Kern
Eine Delegierte stimmt auf dem Bundesparteitag der Partei Die Linke in Halle/Saale mit ihrer Stimmkarte.
Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte Die Linke 4,9 Prozent der Zweitstimmen.  © Hendrik Schmidt/dpa
Jessica Tatti (BSW) spricht während der Gründungsveranstaltung des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Landesverbands Baden-Württemberg zu Parteimitgliedern.
Jessica Tatti ist Spitzenkandidatin des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Landesverbands Baden-Württemberg.  © Christoph Schmidt/dpa
Jessica Tatti (BSW), Mitglied des Deutschen Bundestages, spricht im Bundestag.
Jessica Tatti ist BSW-Landeschefin und Mitglied im Deutschen Bundestag. © Hannes P Albert/dpa
Die Parteichefinnen Amira Mohamed Ali (links) und Sahra Wagenknecht (Mitte) mit deren Ehemann Oskar Lafontaine (rechts) auf der Wahlparty für das Europäische Parlament.
Das im Januar 2024 als Partei gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht nimmt 2025 erstmals an einer Bundestagswahl teil. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Normalerweise ist die Opposition im Bundestag dazu da, eine Gegenposition zur Regierung zu bilden. Dadurch, dass immer mehr Wähler Parteien jenseits der demokratischen Mitte wählen – was neben dem AfD-Erfolg beispielsweise auch die Prozentzahlen der Linken verdeutlicht – müsse sich diese Rolle aber verändern, sagte Cem Özdemir am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Mannheimer Morgen in Mannheim (Baden-Württemberg). Von den Grünen fordert er eine „patriotische Position“.

Cem Özdemir fordert Unterstützung der Regierung durch Opposition – „aus Patriotismus für das Land“

Dass Cem Özdemir, der im kommenden Jahr für das Amt des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg kandidiert, fordert, dass die neue Opposition mit der Regierung zusammenarbeitet, statt dagegen, hat vermutlich mit seinen Erfahrungen aus der zerbrochenen Ampel zu tun. Wenn die neue Bundesregierung in dieser Legislaturperiode „nicht abliefert, dann werden wir bei der nächsten Wahl eine ganz andere Zusammensetzung des Parlaments haben“, sagte er in Mannheim. Dann könnte nämlich die AfD als stärkste Kraft hervorgehen, was bereits mehrfach befürchtet wurde.

Er halte es deshalb für notwendig, dass die künftige Opposition, also seine Partei, die Regierung, die mutmaßlich aus der Union und der SPD bestehen wird, „aus Patriotismus für das Land“ bei der Arbeit unterstützt. Özdemir hatte auch jüngst im Rahmen der SWR-Sendung „Zur Sache! Extra“ erklärt, dass zunächst das Land und dann erst alles andere kommen müsse. „Unsere gemeinsame Priorität als Demokraten muss sein, die demokratische Mitte zu stärken, dass nicht die Putin-Freunde durch die Decke schießen“, sagte er.

Cem Özdemir (Grüne) fordert, dass die Opposition die künftige Regierung aus „Patriotismus für das Land“ bei der Arbeit unterstützt.

Cem Özdemir kritisiert Friedrich Merz wegen Schuldenbremse

Obwohl der Bundesminister dafür plädiert, als Opposition die künftige Regierung zu unterstützen, äußerte er am Mittwochabend auch Kritik am Wahlsieger Merz. Es habe ihn erstaunt, dass der CDU-Chef die verbleibende Legislaturperiode nicht dafür genutzt hatte, die Verfassung in Bezug auf die Schuldenbremse zu ändern. Eine solche Änderung sei laut Cem Özdemir nämlich für die kommenden Jahre dringend notwendig. Durch die Wahlerfolge von AfD und der Linken könnte es jetzt aber zu einer Sperrminorität im Bundestag kommen, die eine Änderung der Schuldenbremse verhindert.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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