„Beim Klimaschutz verheddert“

Koalition ringt um Heizungsgesetz – Klimaforscher rät zu Neustart

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Die Ampel-Koalition streitet um das Heizungsgesetz. Ein Klimaforscher rät, es ganz abzuschaffen. Er hat einen Alternativvorschlag – der der Regierung bekannt vorkommen dürfte.

Berlin – Soll das Heizungsgesetz bereits vor Juli beschlossen werden? Braucht es noch Änderungen oder nur einen Aufschub? Diese Fragen beschäftigen die Ampel-Koalition aktuell im Bundestag. Ein Klimaforscher hat nun einen neuen Vorschlag an Robert Habeck und sein Ministerium. Er rät: Heizungsgesetz ganz abblasen und einen Neustart wagen.

Debatte um Heizungsgesetz: Klimaforscher rät zu Neustart

„Die Ampel hat sich beim Klimaschutz verheddert“, sagte der Klimaforscher Ottmar Edenhofer der Neuen Osnabrücker Zeitung. Seine Empfehlung: „Kurz durchzuatmen, einen Schritt zurückzutreten und einen neuen Anlauf für die Heizungswende zu nehmen.“

Für den neuen Anlauf hat Edenhofer auch bereits eine Idee. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sprach sich bei Heizungen für eine Steuerung über den CO₂-Preis aus. Das sei „klüger als die Verbots- und Gebotspolitik“, so Edenhofer.

11 Mythen über das Energiesparen, auf die viele immer noch hereinfallen – Sie auch?

Strom verbraucht am meisten Energie im Haushalt? Falsch! Nur sechs Prozent beträgt der Stromverbrauch am Gesamtenergieverbrauch. Die Heizung dagegen macht stolze 75 Prozent aus.
Strom verbraucht am meisten Energie im Haushalt? Falsch! Nur sechs Prozent beträgt der Stromverbrauch am Gesamtenergieverbrauch. Die Heizung dagegen macht stolze 75 Prozent aus. © Fotostand/Imago
Der Backofen muss in der Regel nicht vorgeheizt werden, da er sich ohnehin schnell erwärmt. Lediglich bei empfindlichen Teigen, wie Pizza oder Soufflé, ist ein Vorheizen sinnvoll.
Der Backofen muss in der Regel nicht vorgeheizt werden, da er sich ohnehin schnell erwärmt. Lediglich bei empfindlichen Teigen, wie Pizza oder Soufflé, ist ein Vorheizen sinnvoll.  © Michael Bihlmayer/Imago
Bei der Mikrowelle kommt es laut GEO darauf an: Bei Gerichten bis zu einem halben Kilogramm lohnt es sich, diese in der Mikrowelle zu erhitzen. Bei größeren Speisen verbraucht die Erwärmung auf dem Herd weniger Energie.
Bei der Mikrowelle kommt es laut GEO darauf an: Bei Gerichten bis zu einem halben Kilogramm lohnt es sich, diese in der Mikrowelle zu erhitzen. Bei größeren Speisen verbraucht die Erwärmung auf dem Herd weniger Energie. © CHROMORANGE/Imago
Um das dreckige Geschirr nach dem Essen wieder sauber zu bekommen, ist der Geschirrspüler in der Regel die sparsamste Methode. Nur bei Single-Haushalten lohnt es sich, sein Geschirr per Hand zu spülen.
Um das dreckige Geschirr nach dem Essen wieder sauber zu bekommen, ist der Geschirrspüler in der Regel die sparsamste Methode. Nur bei Single-Haushalten lohnt es sich, sein Geschirr per Hand zu spülen. © Westend61/Imago
Ein Mann nimmt Wäsche aus der Waschmaschine heraus.
Das Kurzwaschprogramm der Waschmaschine verbraucht nicht weniger, sondern sogar mehr Strom als ein normaler Waschgang. Schließlich muss mehr Energie aufgebracht werden, um in kürzerer Zeit auf das Waschergebnis zu kommen.  © Shotshop/Imago
Wer einen Wärmepumpentrockner besitzt, kann seine Klamotten nach dem Waschgang getrost in den Trockner stecken. Im Vergleich zu früheren Kondensationstrocknern sparen diese 70 Prozent Energie – und sind schon lange keine Energiefresser mehr.
Wer einen Wärmepumpentrockner besitzt, kann seine Klamotten nach dem Waschgang getrost in den Trockner stecken. Im Vergleich zu früheren Kondensationstrocknern sparen diese 70 Prozent Energie – und sind schon lange keine Energiefresser mehr.  © YAY Images/Imago
Ein voller Kühlschrank verbraucht mehr Strom als ein leerer? Ebenfalls ein hartnäckiger Mythos, der sich immer noch hält. Je leerer der Innenraum ist, desto schneller entweicht sogar die gekühlte Luft, was wiederum den Energieverbrauch steigert.
Ein voller Kühlschrank verbraucht mehr Strom als ein leerer? Ebenfalls ein hartnäckiger Mythos, der sich immer noch hält. Je leerer der Innenraum ist, desto schneller entweicht sogar die gekühlte Luft, was wiederum den Energieverbrauch steigert. © Michael Gstettenbauer/Imago
Unterschätzt wird dagegen Eis im Gefrierschrank: eine dicke Eisschicht erhöht den Energieverbrauch laut Hersteller um bis zu 15 Prozent. Ab einem Zentimeter sollten Sie deshalb abtauen.
Unterschätzt wird dagegen Eis im Gefrierschrank: eine dicke Eisschicht erhöht den Energieverbrauch laut Hersteller um bis zu 15 Prozent. Ab einem Zentimeter sollten Sie deshalb abtauen. © CHROMORANGE/Imago
Altgeräte auszutauschen lohnt sich nicht, solange sie laufen? Ein Irrtum, der Sie bares Geld kostet. Alte Kühlschränke & Co. verbrauchen wesentlich mehr Energie als neue, weshalb ein Wechsel bereits nach zehn Jahren ratsam ist.
Altgeräte auszutauschen lohnt sich nicht, solange sie laufen? Ein Irrtum, der Sie bares Geld kostet. Alte Kühlschränke & Co. verbrauchen wesentlich mehr Energie als neue, weshalb ein Wechsel bereits nach zehn Jahren ratsam ist. © Gottfried Czepluch/Imago
Viele denken auch, dass Ladegeräte nur Strom ziehen, wenn sie am Handy angesteckt sind. Falsch! Deshalb immer den Stecker vom Netz nehmen, wenn Sie es nicht benötigen.
Viele denken auch, dass Ladegeräte nur Strom ziehen, wenn sie am Handy angesteckt sind. Falsch! Deshalb immer den Stecker vom Netz nehmen, wenn Sie es nicht benötigen. © MiS/Imago
Und auch unter der Dusche gilt: Wasser abdrehen, wenn Sie es nicht brauchen. Pro Minuten prasseln hier nämlich 15 Liter Wasser aus der Leitung. Duschen ist also nur dann sparsamer als ein Vollbad (100 Liter), wenn Sie weniger als sieben Minuten unter der laufenden Brause stehen.
Und auch unter der Dusche gilt: Wasser abdrehen, wenn Sie es nicht brauchen. Pro Minuten prasseln hier nämlich 15 Liter Wasser aus der Leitung. Duschen ist also nur dann sparsamer als ein Vollbad (100 Liter), wenn Sie weniger als sieben Minuten unter der laufenden Brause stehen. © Michael Bihlmayer/Imago

Im Brennstoffemissionshandel-Gesetz (BEHG) könne eine Obergrenze für Emissionen festgelegt werden, die das Heizen mit Gas schrittweise, aber deutlich verteuere, so Edenhofer. Dann würden die Menschen von sich aus auf weniger CO₂-intensive Heizungen umstellen.  „Die Regierung hat mit dem BEHG wirklich alle rechtlichen Möglichkeiten schon in der Hand“, sagte Edenhofer. 

CO2-Preis statt Heizungsverbot: Wie wirkungsvoll ist das Instrument und wird es akzeptiert?

Vor allem vor der Einführung des CO₂-Preises gab es Zweifel an der Wirksamkeit und Akzeptanz des Instruments. Im Rahmen einer Analyse des vom Bund geförderten Ariadne-Projekts zeigten Forscher 2022: Kurzfristig haben die aktuellen Preise, die zunächst bis 2025 festgelegt wurden, „durchaus hohe Minderungen“ der Emissionen zur Folge. Um den Gebäudesektor zu dekarbonisieren, braucht es langfristig jedoch höhere Preise. Auch sei noch offen, ob der CO₂-Preis als alleiniges Instrument ausreiche. Ein sich ergänzender Mix aus Instrumenten sei daher wichtig.

CO2-Bepreisung laut BEHG
202125 Euro (Festpreis pro Emissionszertifikat)
2022 und 202330 Euro (Festpreis pro Emissionszertifikat)
202435 Euro (Festpreis pro Emissionszertifikat)
202545 Euro (Festpreis pro Emissionszertifikat)
ab 2026 teils Bestimmung über MarktpreisePreiskorridor von 55 Euro bis 65 Euro pro Emissionszertifikat

Zudem zeigten die Forscher in ihren Bericht, dass CO₂-Bepreisung in der Bevölkerung akzeptiert werde, wenn Preise als gerecht empfunden werden. Dies sei der Fall, wenn CO₂-Einnahmen beispielsweise in Förder- oder Entlastungsprogramme fließen. Ähnlich kontert Edenhofer Stimmen, die höhere CO₂-Preise für politisch nicht durchsetzbar halten. „Eine klare Kommunikation der Regierung, die den Leuten erklärt, warum das Heizen mit Gas teurer werden muss, mit welchen Preisanstiegen zu rechnen ist und wer mit welchen Rückerstattungen vor den Preisanstiegen geschützt wird, würde von der Bevölkerung akzeptiert“, so der Klimaforscher.

Heizungsgesetz: Sofortige Einführung oder Änderungen? Das sagen die Ampel-Parteien

Nach einer Abschaffung des geplanten Heizungsgesetzes sieht es aktuell nicht aus. Bundeskanzler Olaf Scholz hielt in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit ntv und RTL Änderungen am Gesetz für möglich, jedoch keine Anpassungen, die den Kern des Projekts betreffen. „Es muss so sein, dass niemand wirtschaftlich und sozial überfordert wird“, sagte Scholz. Dazu seien bereits viele Vorkehrungen im Heizungsgesetz getroffen worden.

Robert Habeck ringt in der Ampel-Koalition um sein Heizungsgesetz. Ein Klimaforscher rät nun: Ganz abschaffen (Archivbild).

Bislang vertreten die Parteien der Ampel-Koalition noch deutlich verschiedene Meinungen. Die Grünen wollen das Gesetz noch der vor der Sommerpause des Bundestags zum 1. Juli beschließen – auch mit möglichen Änderungen. Die FDP bremst und drängt auf spätere Austauschpflichten. Zudem solle der Sanierungs-Fahrplan den Eigentümern überlassen werden, so FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er sprach sich für eine an die CO₂-Effizienz angelehnte Förderung aus. Die SPD wiederum will schnell mit den Parlamentsberatungen beginnen, dann aber noch Änderungen vornehmen. Doch was sollten Bürger indes tun? Lohnt es sich noch Gasheizungen einzubauen? (chd/dpa)

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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