Zwischenbilanz im Ukraine-Krieg

Waffenlieferungen in der Kritik: Experten bewerten Nutzen für Ukraine – „Absolut zentral“

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Ein Himars-Mehrfachraketenwerfer in der Region Saporischschja im Einsatz (Archivbild).
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Kann sich die Ukraine mit westlichem Kriegsgerät wirklich besser gegen den Aggressor Russland verteidigen? Militärexperten ziehen eine Zwischenbilanz.

München - Sind Waffenlieferungen der richtige Weg aus dem Ukraine-Krieg? Die Ampel-Koalition und weite Teile der Regierungen der westlichen Welt glauben fest an diese Form der Solidarität im russischen Angriffskrieg. Doch Kritiker äußern immer wieder auch lautstark Zweifel: Zuletzt war es die SPD-Linke, die öffentlich warnte – und Kanzler Olaf Scholz (SPD) musste sich auch beim jüngsten Bürgergespräch gegen Kritik an den deutschen Waffenlieferungen verteidigen.

Experten sehen die Lage durchaus differenziert – sehen aber einen unstrittigen „Effekt“ der Waffenlieferungen. „Es gibt keine Wunderwaffe,“ zitiert die britische BBC den US-Generalstabschef Mark Milley zu dem Thema. Was die aktuelle militärische Lage im Ukraine-Krieg angeht, sind die Angaben beider Seiten ohnehin kaum zu überprüfen. Bekannt ist aber, welches Kriegsgerät unter anderem zum Einsatz kommt:

Effekt der Waffenlieferungen an die Ukraine: „Gibt keine Superwaffe“

  • Langstreckenraketen: Etwa Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars (haben die USA geliefert) sowie Mehrfachraketenwerfer vom Typ M270 (hatte Großbritannien angekündigt)
  • Haubitzen: Etwa die Panzerhaubitzen 2000 aus Bundeswehr-Beständen, die Deutschland bereitstellte.
  • Panzerabwehrwaffen: Beispiele sind Javelin, NLAW oder Matador.
  • Drohnen: Zum Beispiel die türkische Bayraktar-Drohnen. Die Türkei hat schon vor dem Krieg mehrere des Typs an die Ukraine verkauft.
  • Boden-Luft-Raketenabwehrsysteme: Zum Beispiel das System mit der Bezeichnung Nasam, das die USA zu liefern ankündigten.

Waffen an Kiew im Ukraine-Krieg: „Der Effekt war unmittelbar“

Mehrere Beobachter sind sich sicher, dass diese Waffen bislang eine Schlüsselrolle im Ukraine-Konflikt gespielt haben. „Der Effekt war unmittelbar“, schrieb etwa das European Council on Foreign Relations (ECFR) im Juli. Das ECFR ist eine Denkfabrik, das Analysen zu Themen europäischer Außenpolitik erstellt. Die Ukraine habe mithilfe der gelieferten westlichen Waffen die russische Armee von Kremlchef Wladimir Putin stark bremsen können, hieß es. Zuvor hätten die ukrainischen Soldaten nur Artillerie zur Verfügung gehabt, die höchstens 40 Kilometer überbrücken konnte.

Panzerabwehrwaffen im Ukraine-Krieg: „Absolut zentral“

Zwar spielte diese Artillerie trotzdem eine große Rolle. Der Spiegel zitiert hierzu aus einem Bericht des Royal United Services Institute for Defence and Security Studies (RUSI), einem unabhängigen Forschungsinstitut in London. Sie war demnach natürlich hilfreich - doch erst Panzerabwehrraketen wie Javelin oder NLAW hätten die russische Panzer stoppen können, um dann mit der Artillerie zuzuschlagen.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

Lange vor Beginn der russischen Invasion war die ukrainische Armee mit diesen westlichen Waffen ausgestattet worden, wie der Spiegel schreibt. Der Vorteil der Javelins: Die Kämpfer können sie wegen ihrer kleinen Größe auch wie eine Panzerfaust von der Schulter abschießen.

Tausende Javelins sowie NLAWs stehen dem ukrainischen Militär offenbar zur Verfügung. „NLAWs waren in den Anfangstagen des Krieges absolut zentral, um die russischen Truppen zu stoppen“, sagte RUSI-Wissenschaftler Justin Bronk laut der BBC.

Himars-Raketenwerfer im Ukraine-Krieg für Putin-Truppen ein Problem

Den mußmaßlich größten Effekt in den Kämpfen hatten aber bisher die Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars. Ein Beispiel: Die einzige Straßenbrücke über den Dnipro in Cherson hat die ukrainische Seite im Juli mit Himars stark beschädigt. Die gut 1,3 Kilometer lange Antoniwskyj-Brücke ist seither kaum noch zu benutzen - das bedroht den Nachschub der russischen Truppen in der von ihnen besetzen Großstadt. Nach Erkenntnissen des britischen Geheimdienstes arbeiten sie nun an einer Behelfsbrücke. (frs)

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