VonFelix Busjaegerschließen
Die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine waren geheim. Die Regierung hat jetzt eine vollständige Liste veröffentlicht und kündigte weitere Lieferungen an.
Berlin – Paukenschlag bei der Informationspolitik der Bundesregierung von Olaf Scholz (SPD): Nachdem die Ampelkoalition in den vergangenen Wochen wegen der zögerlichen Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine international in die Kritik geraten war, hat die Politik nun eine Liste der bisherigen Lieferungen veröffentlicht. Man passe sich damit der Praxis der engsten Verbündeten an, die ein ähnliches Vorgehen gewählt haben. Das sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Dienstag, dem 21. Juni. Die veröffentlichte Liste der Bundesregierung zu den Unterstützungsleistungen für die Ukraine umfasst dabei neben Waffen auch nicht-letale militärische Hilfen.
Liste veröffentlicht: Diese Waffenlieferungen gab es bisher aus Deutschland im Ukraine-Krieg
Knapp vier Monate hat es gedauert, bis Deutschland seine Waffenlieferungen an die Ukraine offengelegt hat. Bisher wählte die Regierung von Scholz ein zurückhaltendes Vorgehen und informierte nur über einzelne Lieferungen an die Ukraine. Inzwischen soll die Panzerhaubitze 2000 bei der ukrainischen Armee angekommen sein. Sie sei „endlich Bestandteil des 155-Millimeter-Haubitzenarsenals der ukrainischen Artillerie“, schrieb der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow am Dienstag auf Twitter.
Folgende Unterstützungsgüter hat die Bundesregierung mit Stand 21. Juni 2022 unter anderem an die Ukraine geliefert:
- 3.000 Patronen „Panzerfaust 3“ zuzüglich 900 Griffstücke
- 14.900 Panzerabwehrminen
- 500 Fliegerabwehrraketen STINGER
- 2.700 Fliegerfäuste STRELA
- 16 Millionen Schuss Handwaffenmunition
- 50 Bunkerfäuste
- 100 Maschinengewehre MG 3 mit 500 Ersatzrohren und Verschlüssen
- 100.000 Handgranaten
- 5.300 Sprengladungen
- 100.000 Meter Sprengschnur und 100.000 Sprengkapseln
- 350.000 Zünder
- 23.000 Gefechtshelme
- 15 Paletten Bekleidung
- 178 Kraftfahrzeuge (Lkw, Kleinbusse, Geländewagen)
- 100 Zelte
- 12 Stromerzeuger
- 6 Paletten Material für Kampfmittelbeseitigung
- 125 Doppelfernrohre
- 1.200 Krankenhausbetten
- 18 Paletten Sanitätsmaterial, 60 OP-Leuchten
- Schutzbekleidung, OP-Masken
- 10.000 Schlafsäcke
- (Alle Angaben stammen von der Webseite der Bundesregierung)
Ukraine-Krieg: Waffenlieferungen aus Deutschland – Regierung veröffentlicht vollständige Liste
Während die Liste der Lieferungen für die Ukraine außer Waffen auch anderes Material, wie Helme, Bekleidung und Zelte nun bestätigt, was überwiegend bereits von der ukrainischen Seite veröffentlicht wurde, zeigt sich indes, dass es offenbar bei den Lieferungen von Panzern bisher noch Probleme gibt. Weitere Unterstützungsleitungen für die Ukraine sind nämlich:
- 600 Schießbrillen
- 1 Radiofrequenzsystem
- 3.000 Feldfernsprecher mit 5.000 Rollen Feldkabel und Trageausstattung
- 1 Feldlazarett (gemeinsames Projekt mit Estland)
- 353 Nachtsichtbrillen
- 4 elektronische Drohnenabwehrgeräte
- 165 Ferngläser
- Sanitätsmaterial (unter anderem Rucksäcke, Verbandspäckchen)
- 38 Laserentfernungsmesser
- Kraftstoff Diesel und Benzin (laufende Lieferung)
- 10 Tonnen AdBlue
- 500 Stück Wundauflagen zur Blutstillung
- 500 Stück Verpflegungsrationen
- Lebensmittel: 2.025 Paletten (68 Lkw-Ladungen) mit 360.000 Rationen Einpersonenpackungen (EPa)
- MiG-29 Ersatzteile
- 30 sondergeschützte Fahrzeuge
- (Alle Angaben stammen von der Webseite der Bundesregierung)
Die Liste der Waffenlieferungen und Lieferungen anderer militärischer Güter an die Ukraine zeigt deutlich, dass die Bundesregierung auf eine breite Streuung der Unterstützung setzt. Zuletzt hatte die liberale Verteidigungsexpertin Agnes Strack-Zimmermann gefordert, dass die Bundeswehr der Ukraine neben Artilleriesystemen auch Panzer zur Verfügung stellen müsste. „Wer 350 Marder hat, kann 50 abgeben“, sagte sie kreiszeitung.de.
Geplante Lieferungen Deutschland für die Ukraine
Knapp vier Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs unterstützt Deutschland das Land weiter. Folgende Lieferungen von Waffen und anderen Gütern sind in der kommenden Zeit geplant: 10.000 Schuss Artilleriemunition, 53.000 Schuss Flakpanzermunition, 5,8 Millionen Schuss Handwaffenmunition, 7 Panzerhaubitzen 2000 inklusive Anpassung, Ausbildung und Ersatzteile (gemeinsames Projekt mit den Niederlanden) 5.000 Gefechtshelme, 8 mobile Bodenradare und Wärmebildgeräte, 8 Aufklärungsdrohnen, 10 geschützte Kfz, 7 Störsender, 8 elektronische Drohnenabwehrgeräte, 4 mobile, ferngesteuerte und geschützte Minenräumgeräte, 65 Kühlschränke für Sanitätsmaterial, 1 Fahrzeugdekontaminationspunkt, 100 Auto-Injektoren, 14 Drohnenabwehrsensoren und -jammer, 10 Antidrohnenkanonen, 32 Aufklärungsdrohnen, 54 M113 gepanzerte Truppentransporter mit Bewaffnung (Systeme aus Dänemark, Umrüstung durch Deutschland finanziert), 30 Flakpanzer GEPARD inklusive circa 6.000 Schuss Flakpanzermunition, Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM, Artillerieortungsradar COBRA, 80 Toyota Pick-up, 3 Mehrfachraketenwerfer MARS mit Munition, 100.000 Erste-Hilfe Kits und 22 Lkw. (Die Angaben stammen von der Webseite der Bundesregierung)
Waffenlieferungen für die Ukraine: Iris-T offenbar noch nicht geliefert
Aus den nun veröffentlichten Unterlagen der Bundesregierung geht hervor, dass Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM bisher noch nicht an die Ukraine geliefert wurde. Anfang Juni hatte Bundeskanzler Scholz angekündigt, das moderne Abwehrsystem der Ukraine zur Verfügung stellen zu wollen. Wie der SPD-Politiker betonte, sei es das modernste Abwehrsystem, über das Deutschland derzeit verfügen würde.
Weitere Waffenlieferungen für die Ukraine: Deutschland will liefern
Im Gespräch mit kreiszeitung.de kritisierte Anton Hofreiter (Grüne) vor einigen Tagen, dass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Lieferung schwerer Waffen weiterhin auf Zeit spielen würde. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sagte er nun: „Die Liste der Bundesregierung zeigt, dass noch keine schweren Waffen geliefert wurden. Doch die Ukraine steht massiv unter Druck.“ Es sei zentral, dass die Lieferung beschleunigt werden. „Wladimir Putin wird erst zu Verhandlungen bereit sein, wenn sich die Fortsetzung des Krieges für Russland nicht mehr lohnt. Und dazu muss die Ukraine noch stärker unterstützt werden.“
Während die bisherigen Waffenlieferungen bis zum 21. Juni der Geheimhaltung unterlagen, scheint es so, als würde die Bundesregierung künftig auf Transparenz setzen. Wie das RND berichtet, sollen noch weitere militärische Unterstützungsleistungen hinzukommen.
