Nach Flugzeugabsturz

Nach Prigoschins Tod: Wagner-Söldner fahren jetzt Taxi – was aus den Kämpfern wurde

+
Eine Wagner-Söldner an einer inoffiziellen Gedenkstätte für Prigoschin und Utkin (Foto r.) in Nowosibirsk
  • schließen

Die Berichte häufen sich, wonach ehemalige Kämpfer der Wagner-Gruppe auf Russlands Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben. Die Gründe sind vielfältig.

Moskau - Noch vor wenigen Wochen wurde aus Angst vor einem möglichen Angriff durch Wagner-Kämpfer die Grenzen Polens besser gesichert. Doch seit dem Tod ihres Anführers Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ist es ruhiger um die Söldnertruppe geworden. Nun berichtet die US-amerikanische Website The Daily Beast gar, dass einige aus der Gruppe mittlerweile gezwungen sind, als Taxifahrer zu arbeiten.

Valery Bogdanov, ein ehemaliger Häftling, der von der Wagner-Gruppe für den Ukraine-Krieg rekrutiert wurde, habe sogar mittlerweile ein eigenes Taxiunternehmen in der Region Nowosibirsk gegründet, heißt es in dem Bericht. Gegenüber der lokalen Nachrichtenseite VN.ru begründete Bogdanov seinen Schritt mit den Worten: „Ich habe im Internet gesehen, dass sich die Menschen in der Stadt über die Taxis beschweren. Entweder gibt es nicht genug Autos, oder man bestellt und dann kommt niemand, oder sie weigern sich, einen weit zu fahren.“ Er wolle „expandieren“, kündigte Bogdanov an.

Nach Prigoschins Tod: Wagner-Söldner fahren jetzt Taxi

Auf der Visitenkarte für „Wagner Taxi“ sei das Totenkopfabzeichen der Gruppe zu sehen, heißt es in dem Bericht. Die komplette Taxiflotte werde mit dem Branding der Wagner-Söldner ausgestattet sein. Laut dem Telegram-Kanal von Mozhem Obyasnit (übersetzt in etwa: „Wir können das erklären“) ist Bogdanov kein Einzelfall. Mehrere ehemalige Wagner-Söldner hätten sich genötigt gesehen, einen neuen Karriereweg einzuschlagen.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Über Telegram habe ein Vertreter von Wagner nach dem Tod Prigoschins per Audinachricht die Söldner aufgefordert, sich neue Arbeit zu suchen. Am Krieg in der Ukraine würden sie nämlich „aus bekannten Umständen“ nicht mehr teilnehmen, zitiert der Bericht aus der Nachricht. Russischen Medienberichten zufolge beklagen sich die Familien ehemaliger Wagner-Kämpfer in privaten Chatgruppen darüber, dass sie in ihren angestammten Stellen bei Rüstungsunternehmen oder Fabriken abgewiesen würden und stattdessen dazu gedrängt, als Taxifahrer oder Kurier für Fastfood-Ketten zu arbeiten.

Video: Selenskyj sagt – „Putin hat Prigoschin getötet“

Es gibt auch Berichte darüber, dass die von Wagner versprochene Begnadigung nach Beendigung des Dienstes in der Ukraine kaum Nutzen bringt. In ihren Akten stünden noch immer begangene Verbrechen, potenzielle Arbeitgeber würden sie deshalb ablehnen.

Tatjana, die Frau eines ehemaligen Wagner-Kämpfers in der Region Tjumen, erzählte dem Telegram-Kanal Moshem Obyasnit, dass ihr Mann dazu gezwungen wurde, illegale Arbeit anzunehmen, nachdem er anderswo abgelehnt worden war: „Er hat versucht, eine Stelle in der Fabrik zu bekommen, aber der Sicherheitsdienst hat ihn abgewiesen“, sagte sie dem Kanal. Jetzt müsse auch er, wie so viele, als Taxifahrer ohne Registrierung arbeiten. (fmü)

Kommentare