VonSebastian Richterschließen
Berichten zufolge hat das Militärunternehmen Redut die russische Rekrutierung für den Ukraine-Krieg übernommen. Eine offizielle Mobilisierung kann sich Putin nicht leisten.
London – Einer der am eingehendsten beleuchteten Charaktere im Ukraine-Krieg war ohne Zweifel der Chef der Söldnergruppe Wagner: Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin. Bis zum mutmaßliche Bruch mit Russlands Präsident Wladimir Putin, dem kurzen Putschversuch und schließlich seinem Tod wurde das Wirken des ehemaligen Gefängnisinsassen und seines privaten Militärunternehmens (PMC) vor allem im Westen genaustens beobachtet.
Auch von der Wagner-Gruppe – bekannt für ihr äußerst brutales Vorgehen und die Rekrutierung von Kriminellen – war medial viel zu lesen und zu sehen. Doch es gibt noch einige andere private Söldnergruppen, die Putins Krieg in der Ukraine vorantreiben. Eine davon ist das Militärunternehmen Redut.
Nach Prigoschins Tod: Statt Wagner rückt eine andere Söldner-Gruppe für Russland in den Vordergrund
Ebenso wie Wagner ist Redut schon seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Einsatz. Inzwischen hat Redut offenbar die Rekrutierung von „Freiwilligen“ übernommen, wie das britische Verteidigungsministerium auf X (ehemals Twitter) berichtet. Zu diesen „Freiwilligen“ gehören demnach auch ehemalige Mitglieder der Wagner-Gruppe.
Latest Defence Intelligence update on the situation in Ukraine – 16 October 2023.
— Ministry of Defence 🇬🇧 (@DefenceHQ) October 16, 2023
Find out more about Defence Intelligence's use of language: https://t.co/Up4ldmPd9Z
🇺🇦 #StandWithUkraine 🇺🇦 pic.twitter.com/MIIFxg5O1D
Russland vor den Wahlen: Putin kann zunächst keine Mobilisierung für den Ukraine-Krieg riskieren
Es sei realistisch, dass Putin durch die Rekrutierung von neuen Kämpfern über die PMCs Putin „unpopuläre Mobilisierungen“ vermeidet, schreibt das britische Verteidigungsministerium weiter. Schließlich finden im März 2024 russische Präsidentschaftswahlen statt – eine weitere großangelegte Mobilisierung wie bereits im Herbst 2022 könnte für Putin also zunächst innenpolitische Folgen haben. Damals flüchteten Hunderte Russen vor dem Einzug ins russische Militär.
Wer steckt hinter der Redut-Gruppe?
Erstmals in Erscheinung getreten ist Redut 2008, ursprünglich aus Veteranen von russischen Geheimdiensten und dem Militär. Außerhalb der Ukraine waren sie bereits im Kaukasuskrieg, im Irak, Syrien, Somalia, der Karibik, dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien, Afghanistan und Indonesien im Einsatz.
Im Gegensatz zu den Wagner-Söldnern versucht die Redut-Gruppe nicht aufzufallen. Während sich Prigoschins Söldner noch groß in den sozialen Medien darstellten, bleibt Redut lieber bedeckt.
Finanziert und überwacht wird Redut vom GRU, also vom russischen Zentralen Militärnachrichtendienst. Auch der staatliche Energiekonzern Gazprom wird immer wieder als Unterstüzerin der Gruppe genannt. Das Unternehmen hat schätzungsweise 7000 Kämpfer unter sich, im Ukraine-Krieg wurden sie in Donetzk, Charkiw, Kiew und Luhansk eingesetzt.
Neue Soldaten für den Ukraine-Krieg: Russland braucht dringend frische Truppen
Doch welche Folgen hat es für Russland, dringend benötigte Truppen für die Front aus innenpolitischen Motiven zu vertagen? „Eine Verschiebung der Mobilisierung könnte sich auf Russlands Offensiven an der Front auswirken, während Moskau die Gegenoffensive Kiews abwehrt“, schreibt dazu das US-Magazin Newsweek. „Die russischen Truppen klagen seit langem über eine niedrige Moral und unzureichende Ausbildung und Unterstützung entlang der Frontlinien.“
Russland selbst legt gerne einen Mantel des Schweigens über die eigenen Verluste. Nach nicht überprüfbaren Schätzungen der ukrainischen Streitkräfte sollen die Verluste allerdings nahe der 300.000 Marke liegen – und damit fast so hoch, wie im Herbst 2022 bei der „Teilmobilisierung“ einberufen wurden. Es scheint also offensichtlich zu sein, dass Russland bald Verstärkung an der Front braucht. Und statt einer unbeliebten Mobilisierung in der Bevölkerung könnte es durchaus möglich sein, dass dieses stattdessen bei privaten Militärunternehmen wie Redut längst im Gange ist.
