Melania Trump könnte Donalds Rettung im New Yorker Prozess werden
VonPaula Völkner
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Der Trump-Prozess geht in die nächste Runde. Bislang ohne die Anwesenheit von Trumps Familie. Das wundert Experten vor allem im Fall von Melania.
New York – Seit Montag (15. April) läuft der erste Strafprozess gegen Donald Trump. Anders als der Ex-Präsident selbst, der bei dem Prozess in New York größtenteils anwesend sein muss, ist seine Ehefrau Melania Trump weder zum Prozessauftakt noch in den darauffolgenden Tagen im Gerichtssaal erschienen. Auch während früherer Verhandlungen war Melania nicht anwesend. Besonders aber in diesem Prozess, der im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Schweigegeldzahlung Trumps an die Pornodarstellerin Stormy Daniels steht, schreiben Rechtsexperten laut Business Insider der ehemaligen First Lady im Gerichtssaal eine wichtige Rolle zu.
Bislang wurden die Mitglieder der zwölfköpfigen Jury ausgewählt. Am Montag (22. April) geht es im Prozess weiter mit den Auftaktplädoyers. Ob Melania Trump dem Prozess, dessen Dauer auf rund acht Wochen geschätzt wird, in den kommenden Verhandlungstagen beiwohnen wird, ist unklar. Berichten der New York Times zufolge soll sie den Fall Stormy Daniels privat als „sein Problem, nicht ihres“ bezeichnet haben.
Sollte Melania Trump an den kommenden Verhandlungstagen vor Gericht erscheinen, könne dies, so die Meinung von Rechtsexpert:innen, für Trump einen positiven Einfluss auf die Jury haben. Der Strafverteidiger und ehemalige Staatsanwalt der Bezirksstaatsanwaltschaft von Manhattan, Mark Bederow, nannte Melania Trump gegenüber Business Insider das „wichtigste Familienmitglied“ im Prozess gegen den Ex-Präsidenten.
Melanias Präsenz im Gerichtssaal könnte Trumps Wirkung auf die Jury beeinflussen
Aufgrund der Vorwürfe privater Natur gegen Trump habe Bederow die Unterstützung Melanias im Gerichtssaal als „potenziell sehr wirkungsvoll“ beschrieben. Dabei gehe es insbesondere um das Erscheinungsbild Trumps vor der Jury. „Wenn Melania ihn unterstützen würde, würde das sicherlich die Botschaft senden: ‚Ich unterstütze ihn, mir geht es gut, ich glaube, vielleicht ist das nicht passiert‘“, sagte der ehemalige Staatsanwalt laut Bericht der Zeitung.
Hintergrund der Anklage ist der Vorwurf, Trump habe 2016 kurz vor seiner Wahl zum US-Präsidenten 130.000 US-Dollar Schweigegeld an die Pornodarstellerin Stormy Daniels zahlen lassen. Trump soll nach Daniels‘ Aussage eine Affäre mit ihr gehabt haben. Vor Gericht steht der 77-Jährige jedoch nicht aufgrund der Schweigegeldzahlung an sich, die grundsätzlich in den USA nicht illegal ist. Trump wird vorgeworfen, die Zahlung unrechtmäßig verbucht und dadurch zu verschleiern versucht zu haben. Insgesamt werden Trump vor diesem Hintergrund 34 Straftaten vorgeworfen.
Der Richter im Prozess, Juan Merchan, habe am ersten Verhandlungstag Melania und die drei ältesten Kinder Trumps, Donald Trump Jr., Eric Trump und Ivanka Trump, als mögliche Zeugen genannt, berichtet Newsweek. Noch ist unklar, ob eines von Trumps Familienmitgliedern im Prozess tatsächlich in den Zeugenstand gerufen wird. Nicht nur die ehemalige First Lady, sondern auch Trumps Kinder sind bislang zu keinem der Verhandlungstage erschienen.
Durch Anwesenheit von Trumps Söhnen vor Gericht „wird es möglicherweise noch schlimmer“
Bezüglich der Anwesenheit von Trumps Söhnen Eric Trump und Donald Trump Jr. äußerte Bederow gegenüber Business Insider eine andere Einschätzung als im Falle Melanias. „Wenn Donald Jr. und Eric Trump auftauchen, wird es dadurch besser? Nein. Wahrscheinlich, wenn überhaupt, wird es möglicherweise noch schlimmer“, sagte er demzufolge. Trumps Söhne, so Bederow, würden als „lautstarke Verteidiger“ Trumps wahrgenommen und ihre Anwesenheit könnte sich somit negativ für Trump im Gerichtssaal auswirken, sollten Menschen ihm generell negativ gegenüberstehen.
Gegenüber Business Insider betonte der Verteidiger und ehemalige Bundesanwalt, Justin Danilewitz, die Bedeutung der Wirkung des Angeklagten vor der Jury. Obwohl die Mitglieder der Jury nicht in direktem Kontakt mit dem Angeklagten stehen, „werden scharfsinnige Geschworene die Umgebung des Gerichtssaals und die Unterstützung der Familie, die ein Angeklagter möglicherweise hat, zur Kenntnis nehmen“, erklärte Danilewitz demnach.
Der Verteidiger verwies allerdings auch darauf, dass Trumps Verteidigung eine andere Strategie vor Gericht haben könnte. Der Ex-Präsident Anwälte würden „wahrscheinlich signalisieren, dass dieser Prozess die Zeit des Angeklagten und noch weniger die Zeit seiner nahen Familie nicht wert ist“, erklärte Danilewitz.
Erotikdarstellerin Stormy Daniels als Zeugin im Trump-Prozess
Zuvor wurde auch darüber diskutiert, ob Melania Trump gezwungen werden könnte, in den Zeugenstand zu treten und gegen ihren Ehemann auszusagen. Gegenüber Newsweek erklärten Rechtsexperten, dass die Möglichkeit bestehe, das ehemalige Model in den Zeugenstand zu rufen und eine Aussage gegen ihren Ehemann zu erzwingen. Der Staatsanwalt, Michael McAuliffe, schätzte diese Möglichkeit gegenüber Newsweek jedoch als „äußerst gering“ ein.
Sicher in den Zeugenstand gerufen wird unter anderem Trumps früherer Anwalt Michael Cohen. Auch Stormy Daniels soll als Zeugin aussagen und ihre Sicht auf den Sachverhalt nach mehrfacher öffentlicher Ausführung nun auch vor Gericht vortragen.
Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht
Trump plant trotz des laufenden Prozesses, seinen Präsidentschaftswahlkampf für die US-Wahl im November fortzusetzen. Im Falle einer Verurteilung droht dem ehemaligen Präsidenten eine Haftstrafe. Selbst im Falle einer Verurteilung und einer Gefängnisstrafe wäre Trump in der Theorie nicht daran gehindert, für die Republikaner im US-Wahlkampf zu kandidieren. (pav)