Wahl in Thüringen: Höcke inszeniert sich bei Stimmabgabe mit Lada
VonKilian Beck
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Die Inszenierung des Thüringen AfD-Chefs Höcke geht über den DDR-nostalgischen Lada bei der Stimmabgabe und die Simson auf Plakaten hinaus. Er wurde wegen Nazi-Parolen verurteilt.
Bornhagen – Inszenierte DDR-Nostalgie war, wie das Spiel mit Bezügen zum Nationalsozialismus, Teil des Wahlkampfes der AfD vor der Thüringen-Wahl. Am Wahlsonntag (1. September) fuhr der rechtsextreme Landesvorsitzende Björn Höcke passend dazu im Geländewagen der russischen Marke Lada beim Wahllokal in der Gemeinde Bornhagen im Landkreis Eichsfeld vor. Höcke ist in Nordrhein-Westfalen geboren, wuchs in Rheinland-Pfalz auf und studierte in Bonn, Gießen und Marburg. Zur Wahl steht er auch nicht im Landkreis Eichsfeld, sondern im Landkreis Greiz, hunderte Kilometer entfernt von seinem Wohnort Bornhagen.
Bei Thüringen-Wahl: AfD-Landeschef Höcke ließ auf Simson plakatieren und fuhr mit Lada zur Wahl
Der Wahlkampf Höckes und der AfD stand vor der Thüringen-Wahl unter anderem unter dem Motto: „Der Osten macht's“. Höcke ließ sich unter dem Slogan „Ja! Zur Jugend!“ auf einem Moped der DDR-Kultmarke Simson präsentieren. In seiner Jugend fuhr man im Westen eher Kreidler. Wie der Lada-Geländewagen ist die Simson ein Versuch, die in der DDR sozialisierte Thüringer Wählerschaft mit DDR-Nostalgie zu erreichen. Da DDR-Nostalgie-Festivals wie etwa das Simson-Treffen in Zwickau in Ostdeutschland auch 33 Jahre nach der Wiedervereinigung gut besucht sind, keine völlig abwegige Wahlkampfstrategie.
Thüringens AfD-Chef Björn Höcke inszeniert sich gerne in ostdeutscher Folklore. Zur Stimmabgabe fuhr er am Sonntag mit seinem privaten Lada, einem Geländewagen aus russischer Produktion.
Das stößt nicht bei allen im Osten auf Wohlwollen: Kürzlich warf der Ostdeutschland-Beauftragte der Union und Bundestagsabgeordnete Sepp Müller in einem Gastbeitrag für IPPEN.MEDIA dem „Wessi“ Höcke vor, den Osten für seine Zwecke zu „instrumentalisieren“.
Thüringer AfD-Chef Höcke: Schutzpatron der Rechtsextremen in der „Jungen Alternative“
Höckes „Ja!“ zur Jugend, kann auch als Bekenntnis zu seiner Rolle als parteiinterner Schutzpatron der, inzwischen vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuften, Parteijugend „Junge Alternative“ verstanden werden. AfD-Politiker, die um ein bürgerliches Image bemüht sind, sollen, so berichtete es das Nachrichtenmagazin Spiegel im März, versucht haben, die AfD auf Distanz zu JA zu bringen. Höcke sagte damals auf einer vom rechtsextremen Verleger Götz Kubitschek organisierten Veranstaltung, dass die AfD sich schützend vor die JA stellen müsse. Manche Mitglieder bezeichneten sich bereits als „Höcke-Jugend“.
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel
„Höcke-Jugend“, der Bezug zur nationalsozialistischen „Hitler-Jugend“, war sogar so offensichtlich, dass die JA-Bundesspitze bei einem Kreisverband in Sachsen-Anhalt intervenierte und einen Facebook-Post mit dem Begriff entfernen ließ, berichtete der Berliner Tagesspiegel im Januar. Ein Beitrag des rechtsextremen Magazins-Compact in dem sich Anwesende auf dem thüringischen JA-Landeskongress so bezeichnen, ist weiterhin Online.
„Höcke-Jugend“, „Alles für Thüringen“ – AfD spielt vor Thüringen-Wahl mit Grenzen des Sagbaren
Die Doppeldeutigkeit führt zur anderen Seite des Wahlkampfes, den Höckes Thüringer AfD führte – das Spiel mit Bezügen zum Nationalsozialismus und dem schrittweisen Überschreiten der Grenze des Sagbaren. So wurde Höcke selbst zweimal verurteilt, weil er 2021 und 2023 die verbotene Parole „Alles für Deutschland“ der Nazi-Organisation SA verwendete. Die AfD Thüringen überschrieb ihr Wahlprogramm mit dem Slogan „Alles für Thüringen“ und stellte ein volkstümelndes Gedicht voran. Dessen Autor, Franz Langheinrich, war glühender Nationalsozialist.
Wahl in Thüringen: Ergebnisse ab 18 Uhr – AfD-Sperrminorität möglich
Ob die Wahlkampfstrategie Höckes, das von der AfD angepeilte Wahlziel von mehr als einem Drittel der Parlamentssitze bringt, wird sich nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr zeigen. Selbiges gilt für die Frage, ob Höcke in Greiz, weit von seinem Wohnort, ein Direktmandat erreichen kann. Mit einem Drittel der Parlamentssitze könnte die AfD Richter- und Rundfunkratswahlen sowie Verfassungsänderungen blockieren. Angesichts von Umfragewerten von etwa 30 Prozent der Stimmen, wäre das durchaus möglich. Eine Wiederwahl der amtierenden Minderheitsregierung aus Linken, Grünen und SPD gilt als unwahrscheinlich. (kb)