Wahlmanipulation in Moldau: Sandu spricht von gekauften Stimmen
VonSonja Thomaser
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Moldau steht vor einer politischen Zerreißprobe. Präsidentin Sandu warnt vor Einfluss aus Russland und spricht von massiver Wahlmanipulation.
Chisinau – Die Präsidentin der ehemaligen Sowjetrepublik Moldau, Maia Sandu, die eine prowestliche Haltung einnimmt, hat eine beispiellose Attacke auf die Demokratie während der Präsidentschaftswahlen angeprangert. Sie behauptete, dass kriminelle Organisationen in Zusammenarbeit mit einer fremden Macht versucht hätten, die Situation in Moldau zu destabilisieren.
Die Führung des Landes, die einen EU-Beitritt anstrebt, betrachtet Russland als die größte Gefahr für die Stabilität der Republik.
Angeblich gekaufte Stimmen bei Wahl in Moldau
Sandu äußerte bei einer nächtlichen Veranstaltung in der Hauptstadt Chisinau, dass es Beweise dafür gäbe, dass 300.000 Stimmen gekauft worden seien. Sie behauptete, dass Dutzende Millionen Euro ausgegeben wurden, um Falschinformationen und Propaganda zu verbreiten.
„Wir haben es mit einem beispiellosen Angriff auf die Freiheit und die Demokratie in unserem Land zu tun“, wurde Sandu von den lokalen Medien zitiert. Sie gab an, dass sie das endgültige Ergebnis abwarten und dann Entscheidungen treffen wolle. Die 52-jährige Präsidentin gab keine weiteren Details preis.
Sicherheitskräfte hatten bereits vor der Wahl in Moldau Bestechung aufgedeckt
Allerdings hatten die Sicherheitskräfte Moldaus bereits vor der Wahl Bestechung von Wählern und prorussische Desinformation in dem Land mit etwa 2,5 Millionen Einwohnern aufgedeckt, das zwischen der von Russland angegriffenen Ukraine und dem EU-Mitgliedsstaat Rumänien liegt.
Präsidentin Sanu: Stichwahl in Moldau in zwei Wochen
Sandu strebt eine zweite Amtszeit an. Nachdem mehr als 90 Prozent der Wahlzettel ausgezählt waren, erreichte sie mit etwa 39 Prozent der Stimmen nicht die absolute Mehrheit und müsste daher in zwei Wochen eine Stichwahl bestreiten.
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
Ihr wahrscheinlicher Gegner ist der ehemalige Generalstaatsanwalt Alexandru Stoianoglo, der etwa 28 Prozent der Stimmen erhielt und für die traditionell starke Sozialistische Partei des prorussischen Ex-Präsidenten Igor Dodon kandidiert. Insgesamt traten elf Kandidaten zur Wahl an.
EU-Referendum bei Moldau-Wahl: Laut aktueller Auszählungen Mehrheit dagegen
Gleichzeitig mit der Präsidentschaftswahl fand in dem Land, das offiziell EU-Beitrittskandidat ist, ein Referendum statt. Sandus Ziel ist es, den EU-Kurs des Landes unwiderruflich als strategisches Ziel in der Verfassung zu verankern.
Nach der Auszählung von mehr als 92 Prozent der Stimmen scheint es jedoch, als ob die Mehrheit gegen die Verfassungsänderung gestimmt hat. Das Gegenteil war erwartet worden. Sollte sich das als Endergebnis bestätigen, wäre das ein herber Rückschlag für Sandu von der prowestlichen Partei Aktion und Solidarität (PAS) und ein Sieg für das prorussische Lager. (sot mit dpa)