„Gemeinsam kämpfen“: Scholz hält Rede auf SPD-Wahlsieg-Konferenz – Kritik an Merz und Lindner
VonNils Thomas Hinsberger
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Jens Kiffmeier
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Auftakt zur Bundestagswahl: Die SPD bläst mit ihrer Wahlsieg-Konferenz zur Attacke auf die Merz-CDU. Scholz nennt erste Punkte für Wahlkampf.
Update vom 30. November, 21.00 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat seine Partei auf eine Aufholjagd im Rennen um die anstehende Bundestagswahl vorbereitet. „Jetzt geht es um das Ganze“, sagte Scholz auf der Wahlsieg-Konferenz der SPD in Berlin. „Besinnen wir uns auf unsere Kraft: Nicht meckern, machen. Gemeinsam kämpfen“, verlangte der Bundeskanzler in seiner knapp einstündigen Rede.
Scholz hat vier Hauptthemen identifiziert, für die er im Wahlkampf eintreten möchte, um die Wirtschaftskrise in Deutschland zu überwinden: den Erhalt von Industriearbeitsplätzen, insbesondere in der stark betroffenen Automobilindustrie, erschwingliche Energie für die Wirtschaft, erhöhte Infrastrukturinvestitionen und die Bekämpfung des Fachkräftemangels. Um diese Investitionen zu ermöglichen, plant Scholz eine Reform der Schuldenbremse.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) winkt bei der sogenannten „Wahlsiegkonferenz“ der SPD den Delegierten zu. Mit der Konferenz startet die SPD in den Wahlkampf zu den vorgezogenen Bundestagswahlen 2025.
Scholz setzte sich für eine weitere Erhöhung des Mindestlohns ein und betonte, dass stabile Renten und bezahlbarer Wohnraum nur mit der SPD möglich seien. Er hob hervor, dass die Ampel-Regierung im Kampf gegen irreguläre Einwanderung erhebliche Fortschritte gemacht habe.
Scholz hält Rede auf SPD-Wahlsieg-Konferenz: Kanzler watscht Merz und Lindner ab
Bei seiner Rede hielt sich Scholz nicht mit Kritik an der politischen Konkurrenz zurück. So warf er seinem ehemaligen FDP-Finanzminister Christian Lindner vor, die Regierungsarbeit „systematisch sabotiert“ zu haben. „Sie wollten aktiv verhindern, dass diese Bundesregierung erfolgreich ist“, so der Bundeskanzler. „So etwas darf in Deutschland nie wieder passieren.“
Den Unions-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz (CDU) griff er vor allem wegen dessen Pläne im Ukraine-Krieg an. Merz wolle, so Scholz, der Nuklearmacht Russlands ein Ultimatum stellen. „Ich kann da nur sagen Vorsicht: Mit der Sicherheit Deutschlands spielt man nicht Russisch Roulette“, sagte er mit Blick auf die von Merz ins Spiel gebrachte Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine. „Ich bleibe standhaft und besonnen, darauf können sie sich verlassen.“
Erstmeldung: Berlin – Trotz Ampel-Bruch und Dauerkrise in den Umfragen gibt die SPD die Hoffnung aufs Regieren nicht auf: Am Samstag (30. November) sind die Genossen offiziell mit Olaf Scholz als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025 gestartet. Auf der sogenannten „Wahlsieg-Konferenz“ in der Berliner Parteizentrale hielt der Kanzler seine erste große Wahlkampfrede vor rund 500 Wahlkreis-Kandidatinnen und -Kandidaten. Die Veranstaltung markiert den offiziellen Beginn der Aufholjagd, um die SPD erneut zur stärksten Kraft im Bundestag zu machen. Doch kann das gelingen? Eine neue Umfrage jedenfalls deutet immerhin ein kleines Lebenszeichen der oftmals totgesagten Partei an.
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„Wahlsieg-Konferenz“ der SPD: Scholz bläst mit Rede zur Aufholjagd zur Bundestagswahl 2025
Nach einem tagelangen parteiinternen Hickhack war Olaf Scholz (SP) am Montag einstimmig vom Parteivorstand als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2025 nominiert worden. Zuvor hatte es eine Debatte über einen möglichen Ersatz durch den beliebteren Verteidigungsminister Boris Pistorius gegeben. Doch diese Diskussion will die SPD nun endgültig hinter sich lassen. Bereits vor Beginn der „Wahlsieg-Konferenz“ zeigte sich Scholz zuversichtlich: „Gemeinsam mit Euch will ich die kommende Bundestagswahl gewinnen. Und ich bin sicher: Wenn wir zusammen dafür kämpfen, dann ist das auch möglich“, schrieb er in einem Brief an die Parteimitglieder, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.
Taurus-Raketen, Schuldenbremse, E-Autos – das ist das Programm der Scholz-SPD zur Bundestagswahl
Doch wie will Scholz das schaffen? Erste inhaltliche Eckpunkte zur Bundestagswahl wurden am Samstag bekannt. Wie tagesschau.de berichtete, setzt die SPD auf eine Reform der Schuldenbremse, um Investitionen in Infrastruktur, Bildung und eine klimaneutrale Wirtschaft zu ermöglichen. Zudem plant Scholz eine Doppelstrategie im Ukraine-Konflikt, die sowohl Waffenlieferungen an die Ukraine als auch die Vermeidung einer Nato-Verwicklung in den Krieg umfasst. In der Streitfrage um die Lieferung von Taurus-Raketen warf er der CDU vor, dass sie „russisches Roulette“ spiele. Anders als Scholz will Unionskandidat Friedrich Merz der Ukraine die deutschen Marschflugkörper zur Verfügung stellen.
Außerdem hält Olaf Scholz (SPD) am Aufbau der E-Mobilität fest. Alle Hersteller sähen das als die Zukunft, sagte Scholz bei der Parteikonferenz in Berlin. „E-Autos beschleunigen auch viel schneller“, fügte er hinzu. „Eine Rolle rückwärts können wir uns jedenfalls nicht leisten.“ Zugleich machte Scholz deutlich, dass er Strafzahlungen deutscher Autohersteller an die Europäische Union wegen verfehlter Klimaziele „mit allen Mitteln verhindern“ werde. Es sei nicht sinnvoll, Strafen nach Brüssel zu überweisen, statt in Deutschland zu investieren. Er setze auf Steuervorteile für E-Autos und lasse sich nicht entmutigen. „Dafür kämpfe ich, dass Arbeitsplätze gesichert werden“, sagte Scholz. Ebenfalls lehnte er einen Kurswechsel in der Einwanderungspolitik ab.
In der Partei bemüht man sich jetzt um Geschlossenheit. SPD-Chef Lars Klingbeil schwor die Partei auf einen kämpferischen Wahlkampf ein: „Das ist unsere Mission, und wie häufig wurde die SPD abgeschrieben.“ Die SPD wolle sich mit einer klar sozialdemokratischen Agenda aus dem Umfragetief herausarbeiten und präsent sein, um den Wählern Alternativen zur Union aufzuzeigen. Und Arbeitsminister Hubertus Heil forderte ein Ende der Personaldebatte um den Kanzlerkandidaten: Alle Genossinnen und Genossen müssten „jetzt auf den Platz“.
Zugpferd für die Neuwahl: SPD muss Scholz als Kanzlerkandidat noch bestätigen
Der Wahlkampf zur Bundestagswahl findet wegen des überraschenden Ampel-Bruchs in diesem und im kommenden Jahr unter anderen Vorzeichen statt, da er mitten im Winter durchgeführt werden muss. Große Kundgebungen auf Marktplätzen fallen dadurch eher weg. Die SPD plant deswegen, Social Media intensiver zu nutzen, um jüngere Wähler zu erreichen, und gleichzeitig traditionelle Methoden wie Haustür-Wahlkampf einzusetzen.
Offiziell muss die Kanzlerkandidatur von Scholz noch auf dem Parteitag am 11. Januar bestätigt werden. Das gilt als Formsache. Scholz muss sich aber an seinem Ergebnis vom Mai 2021 – gut vier Monate vor der Bundestagswahl – messen lassen. Damals wurde er mit 96,2 Prozent der Stimmen bestätigt.
Umfragen zur Bundestagswahl 2025: Scholz holt im Rennen gegen Merz ein paar Punkte auf
Doch ob Scholz dieses Kunststück wiederholen kann, bleibt abzuwarten. In einer von der Bild-Zeitung veröffentlichten Insa-Umfrage liegt die SPD weiterhin abgeschlagen hinter der Union. Während CDU/CSU auf 32 Prozent kommen, schaffen es die Genossen nur auf 15 Prozent, hinter der AfD (18 Prozent). Dahinter kommen dann die Grünen (13 Prozent) und das BSW, während FDP (5 Prozent) und Linke (3 Prozent) um den Wiedereinzug in den Bundestag zittern müssen.
Dennoch kann Scholz einen ersten Erfolg für sich verbuchen. Im Beliebtheitsranking mit seinem Herausforderer Friedrich Merz startet er eine Aufholjagd. Könnten die Deutschen sich direkt für einen Kanzler entscheiden, dann würden 22 Prozent der Deutschen für Scholz stimmen und 30 Prozent für Merz, der damit weiterhin vorne liegt. Doch: Während der Unionskandidat im Vergleich zur Vorwoche Prozentpunkte einbüßte, legte Scholz hier in den vergangenen Tagen um satte sieben Prozentpunkte zu. Für die SPD ist es in diesen Tagen ein kleiner Hoffnungsschimmer. (jkf)