„Das ist nicht Matrix“

Waltz nahm Signal anscheinend auch für Ukraine-Verhandlungen – und entrüstet mit Kommentar

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Stellt der Signal-Chat von Waltz, Vance, Hegseth und anderen hochrangigen US-Politikern nur den sichtbaren Teil eines größeren Problems dar? Trumps Rückhalt scheint zu erodieren.

Washington, D. C. – Mike Waltz ist der nationale Sicherheitsberater der USA. Doch seit dem Signal-Chatskandal sieht es fast so aus, als würde er selbst eine Gefahr für die Sicherheit der USA darstellen. Denn: Es verdichten sich Hinweise, dass der Skandalchat zum Angriff auf die Huthi-Rebellen im Jemen nicht der erste war, den Waltz über Signal startete, um über hochsensible Sicherheitsfragen zu kommunizieren. Und: Seine Erklärungen, wie es dazu kam, dass ein US-Journalist zur Gruppe eingeladen war, wirken immer unglaubwürdiger.

Wie die Washington Post berichtet, soll Donald Trumps Sicherheitsberater Mike Waltz die App Signal auch für andere Unterhaltungen mit Mitgliedern von Trumps Kabinett genutzt haben. Dazu gehören wohl auch Diskussionen über den Ukraine-Krieg und Russlands Präsidenten Wladimir Putin sowie weitere militärische Operationen. Dabei warnen US-Behörden schon länger eindringlich, dass Signal zwar verschlüsselt, aber anfällig für Hackerangriffe sei.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Demokraten, aber auch Republikaner kritisierten Umgang mit Signalgate unter Trump

Kritik am Verhalten von Waltz kommt vor allem von den Mitgliedern der US-Demokraten. Waltz setze die Mitglieder des Militärs durch seinen „Leichtsinn“ einem „anhaltendem Risiko“ aus, kritisierte der demokratische Politiker Jason Crow in einem Interview im Sender MSNBC. Länder wie Russland und China würden nur darauf warten, dem US-Militär Schaden zuzufügen. Sensible Diskussionen über Signal zu führen, seien dazu geradezu eine Einladung.

Am meisten schockiere ihn aber, dass das Verhalten von Waltz, Hegseth, Vance und anderen Top-Politikern, die sensible Informationen über Signal austauschten, folgenlos bliebe. Dadurch würde das Risiko immer noch weiterbestehen. „Pete Hegseth sitzt immer noch im Verteidigungsministerium, mit Verantwortung über zwei Millionen US-Soldaten und nichts hat sich verändert“, ärgerte sich Crow im US-Fernsehen.

Auch bei den Republikanern wächst der Unmut: Mehrere republikanische Kongressabgeordnete fordern eine Untersuchung des sogenannten Signalgate, seitdem die meisten US-Bürger laut Meinungsumfragen den Skandal als „sehr ernst“ einstuften, berichtet die New York Times. Da halfen auch Waltz‘ Ablenkungsmanöver wie eine Visite in Grönland gemeinsam mit Vizepräsident JD Vance nicht viel.

Waltz liefert zweifelhafte Erklärung, wie Atlantic-Journalist in Signal-Chat kam

Wenig zur Glaubwürdigkeit der US-Regierung bei trägt die Erklärung, die Mike Waltz dafür hat, dass er den Chefredakteur des US-Blatts The Atlantic dem Signal-Chat hinzufügte. In dem Chat wurde ein geheimer Militärschlag auf die Huthi-Miliz im Jemen geplant und diskutiert.

Der nationale Sicherheitsberater behauptete erstens, er habe Goldberg nie persönlich getroffen oder mit ihm geredet. Das ist laut NYT allein durch ein Bild widerlegt, das die beiden Männer Seite an Seite auf einer Veranstaltung vor vier Jahren zeigt. Zweitens behauptete Waltz, die Nummer des Journalisten sei nicht in seinem Handy gespeichert gewesen. Goldbergs Nummer sei wohl versehentlich in sein Smartphone „gesaugt“ worden, erklärte Waltz dagegen nebulös.

Atlantic-Journalist Goldberg widerspricht beiden Darstellungen: Dass Waltz behaupte, er kenne ihn nicht und habe ihn nie getroffen, „stimmt einfach nicht“, erklärte er laut NYT. Zu Waltz’ Behauptung, die Nummer sei in sein Telefon „gesaugt“ worden, sagte Goldberg: „Das ist nicht Matrix. Telefonnummern werden nicht einfach in andere Telefone gesaugt. Ich weiß nicht, wovon er da spricht.“

Trump scheint Waltz nach Signalgate nicht mehr zu vertrauen – Kritik aus der Maga-Bewegung

Waltz scheint mit seinen Ausflüchten das Vertrauen zu verspielen, das US-Präsident Trump in ihn setzt. Im Weißen Haus werde geraunt, Waltz habe das Vertrauen Trumps und seiner engsten Berater verloren, schreibt die NYT, ohne konkrete Quellen zu nennen. Trump sei wütend darüber, dass ausgerechnet der Journalist Goldberg, einer seiner schärften Kritiker, in den vertraulichen Signalchat gelangt sei. Auch zu einem baldigen Ende von Elon Musk im Weißen Haus machte Trump unterdessen Andeutungen.

Donald Trump (l.) scheint „not amused“ zu sein, dass der Nationale Sicherheitsberater Mike Waltz versehendlich einen Journalisten zu einem Signal-Chat unter Regierungsmitgliedern hinzufügte.

Maga-Bewegung zweifeln nach Signalgate an Eignung von Waltz

Anhänger der Maga-Bewegung („Make America Great Again“) würden ebenfalls an Waltz’ Eignung zweifeln, heißt es. Zumal er bei vielen von ihnen ohnehin als Vertreter des verhassten „Establishments“ gilt, weil Waltz bereits unter Ex-US-Präsident George W. Bush Beamter im Weißen Haus war. Dass er da bereits vertrauliche Diskussionen über Signal geführt hat, ist zumindest ausgeschlossen – denn die App gab es damals noch nicht. (smu)

Rubriklistenbild: © Imago (Montage)

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