VonFelix Busjaegerschließen
Das Schiff „Yannis P.“ liegt seit Tagen manövrierunfähig vor Rügen. Politiker warnen vor einer Umweltkatastrophe in der Ostsee. Das Wetter spielt gegen die Helfer.
Update vom 10. August 2023, 10:00 Uhr: Der havarierte Öltanker vor Rügen muss weiter auf seiner bisherigen Position auf besseres Wetter warten. Die Prognosen des Wetterdienstes sagten für das Seegebiet bis Donnerstagabend Wind in der Stärke 5 bis 6 voraus, erklärte am Mittwoch eine Sprecherin der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV). Erst danach soll der Wind abflauen. Weiteres Problem: Weiterhin steht nicht fest, in welchen Hafen das Schiff gebracht werden soll. Da das Schiff wegen des Tiefgangs generell nicht viele Standorte anfahren kann, ist die Auswahl eingeschärnkt.
Wie es am Mittwoch hieß, liegt das Schiff jetzt zunächst weiter vor Anker, Schleppverbindungen seien bisher nicht erforderlich. Nichtsdestotrotz seien der Hochseeschlepper „MSC Dragon“, das Mehrzweckschiff „Arkona“ und der Notschlepper „Bremen Fighter“ weiter in der Nähe (mit dpa).
Tanker liegt vor Rügen: Lage auf Ostsee unverändert
Bergen – Bis zu 90 Kilometer pro Stunde: Die Sturmwarnungen für die kommenden Tage auf der Ostsee lassen nichts Gutes erahnen und könnten für die Region zum größeren Problem werden. Nicht etwa, weil die Menschen auf Rügen keine Erfahrungen mit Sommerstürmen haben – das Problem ist ein Tanker, der seit einigen Tagen vor der Insel havariert ist. Der 270 Meter lange Tanker „Yannis P.“ hat russisches Rohöl geladen, das nach Indien verschifft werden soll. Laut dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee (WSA) besteht zwar akut keine Gefahr, aber der Vorfall zeigt, welche Ausmaße die EU-Sanktionen gegen Russland einnehmen können.
Tanker „Yannis P.“ nach Havarie vor Rügen: Russisches Rohöl könnte Gefahr für Ostsee werden
Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs im vergangenen Jahr versucht die Europäische Union mit Wirtschaftssanktionen gegen Russland vorzugehen. Während Wladimir Putin auch persönlich auf der Liste der Sanktionierten steht, hat sein Land die wirtschaftlichen Interessen nach Asien deutlich ausgebaut. Länder wie Indien oder China sind weiterhin wichtige Handelspartner für den Kreml und auch andere Länder rücken immer mehr in den Fokus.
Die Öl-Exporte nach Indien sind in den vergangenen Monaten dabei deutlich angestiegen. Der Öltanker „Yannis P.“, unter der Flagge der Marshallinseln, sollte nun erneut eine Schiffsladung in das Land bringen. Doch in der vergangenen Woche hatte das Schiff einen Maschinenschaden, bei dem vermutlich ein Lager der Kurbelwelle der Hauptmaschine defekt ging. Das berichtet unter anderem der Norddeutsche Rundfunk. Der Tanker liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Rügen vor Anker. Reparaturen scheiterten bisher.
Tanker vor Rügen auf Ostsee havariert: Wie es weitergeht – und welche Rolle der Ukraine-Krieg hat
Wie die Ostsee-Zeitung nun schreibt, warnen die Grünen aus Mecklenburg-Vorpommern nun allerdings vor der steigenden Gefahr einer Ölpest in der Ostsee. Nach dem havarierten Frachter auf der Nordsee, der zuletzt wegen eines schweren Brandes von E-Autos die Kräfte an der Nordsee gefordert hat, ist es jetzt das zweite Mal binnen weniger Tage, dass der norddeutsche Raum im Zentrum einer möglichen Umweltkatastrophe steht. Der Ort der Havarie sei mehr als unglücklich, wird die Grünen-Fraktion zitiert. Der Grund: Aufgrund der Enge des Seegebiets in Verbindung mit dem Sturm steigt das Risiko eines Zusammenstoßes mit anderen Schiffen.
Mit zusätzlichem Ballast soll der Tanker inmitten des Unwetters auf der Ostsee stabilisiert werden. Zudem war am Sonntag ein Hochseeschlepper hinzugekommen, der gegebenenfalls als zusätzliche Unterstützung dienen sollte. Auch andere Schiffe sollen für den Fall einer möglichen Havarie der „Yannis P.“ einsatzbereit sein. Die Lage werde laut der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung zudem laufend überwacht.
Auswirkung vom Ukraine-Krieg: Russland braucht Seeweg durch Ostsee umso mehr
Der Vorfall auf der Ostsee scheint derzeit zwar unter Kontrolle zu sein, allerdings macht er auch deutlich, welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg gegenwärtig auch außerhalb der eigentlichen Krisenregion hat. Russlands Präsident Wladimir Putin versucht seitdem, teilweise die EU-Sanktionen zu umgehen. Über Umwege soll weiterhin russisches Öl in die Europäische Union gelangen. Doch auch die Ostsee ist seit Ausbruch der Kampfhandlungen im Februar 2022 erneut zum Schauplatz der Abschreckungen und Provokationen geworden.
Während es immer wieder zu Begegnungen zwischen russischen Kampfjets mit Flugzeugen der Nato kommt, ist der Kreml auch gezwungen, nach dem Untergang eines Schwimmdocks in Murmansk größere Schiffe für notwendige Reparaturen nach St. Petersburg zu verlegen. Zuletzt machte Putins Atomeisbrecher auf sich aufmerksam, als er Ende Juli über die Ostsee in Richtung Russland fuhr.
Havarie auf Ostsee: „Yannis P.“ liegt vor Rügen und könnte nach Rostock gebracht werden
Wegen des Sturms auf der Ostsee soll der Reeder der havarierten „Yannis P.“ nach Informationen des NDR einen Hafen suchen, in dem der Tanker festmachen kann. Unklar ist noch, welcher Hafen in Betracht gezogen werden könnte. Als mögliche „Notoption“ wird aktuell Rostock gehandelt. (feb)
