Zweiter Transit in wenigen Tagen

Russlands neuester Eisbrecher auf Ostsee unterwegs: Kein Säbelrasseln – aber große Probleme für Putin

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Der Eisbrecher „Ural“ hat eine auffällige Lackierung. Das Schiff wurde nun nach St. Petersburg verlegt (Archivbild).
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Putins neuster Eisbrecher ist durch die Ostsee gefahren. Inmitten des Ukraine-Kriegs könnte der Vorgang für Spannungen sorgen – war aber für Russland notwendig.

Kiel/Moskau – Die Ostsee ist nicht erst seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs ein Gewässer, auf dem die Spannungen zwischen Ost und West mit am deutlichsten werden. Seit Finnland in die Nato strebt, sind die Fronten zwischen dem Verteidigungsbündnis und dem Kreml noch eisiger geworden und jede Flottenbewegung wird seitdem mit gegenseitigem Argwohn beäugt. Nun hat Russlands Präsident Wladimir Putin erneut ein Schiff durch das Gewässer fahren lassen: Der Atomeisbrecher „Ural“ ist das größte Schiff seiner Art und kommt eigentlich selbst bei herbstlichen Sommertemperaturen nicht auf der Ostsee zum Einsatz.

Russland schickt Eisbrecher in die Ostsee: Ukraine-Krieg sorgt für Probleme im Nordmeer

Während Russland weiter in der Ukraine an seinem Angriffskrieg festhält, ist die Verlegung von Putins Atomeisbrechers ungewöhnlich: Zwar hat die russische Marine in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, allerdings waren in der Regel Kriegsschiffe von Ausfällen oder Unfällen betroffen. Die „Ural“ reiht sich nun als ziviles Schiff in russische Problemfälle ein und passierte den Fehmarnbelt, um unterschiedliche Reparaturen am Rumpf durchführen zu lassen. Da es laut Barents Oberserver aus Norwegen an der sibirischen Küste keine geeigneten Docks gibt, muss der Atomeisbrecher nach Kronstadt (Sankt Petersburg) verlegt werden.

Besonders auffällig: Der Stapellauf der „Ural“ liegt weniger als ein Jahr zurück. Nun sollen Arbeiten am Rumpf notwendig sein. Womöglich war die erste Saison des Eisbrechers mit verschleißreicher Arbeit verbunden, die jetzt die Reparatur in St. Petersburg notwendig macht. Der 173 Meter lange, hellblaue Eisbrecher mit der russischen Trikolore auf beiden Seiten gehört zu einer Gruppe von Schiffen der neusten Generation von Eisbrechern. Ursprünglich sollte das Schiff bereits 2020 eingesetzt werden, doch Lieferschwierigkeiten verzögerten die Arbeiten.

Keine Schwimmdocks für Putins Schiffe: Eisbrecher wird nach St. Petersburg geschickt

Doch wieso ist Russland gezwungen, den Eisbrecher aus dem Nordmeer für eine Reparatur in die Ostsee zu verlegen? Der Untergang des riesigen PD-50-Docks auf der Werft Nr. 82 im Jahr 2018 hat dafür gesorgt, dass es in Murmansk keine geeigneten Anlagen für die Arbeit an großen Schiff mehr gibt. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation Russlands und folgenschweren Lieferengpässen kommen aktuell auch keine geeigneten Schwimmdocks und Trockendockanlagen hinzu. Aktuell ist die Lieferung eines großen Schwimmdocks für Dezember 2024 geplant.

Wegen der aktuellen Situation müssen Putins neuste Eisbrecher in der Zwischenzeit zur Inspektion und Reparatur des Rumpfes unter der Wasserlinie nach St. Petersburg fahren. Für Russland ist eine einsatzfähige Nordmeerflotte an Eisbrechern essenziell: Die Schiffsfahrt im arktischen Norden hat für den Kreml hohe Priorität, da flüssiges fossiles Gas über die Nordroute nach Asien transportiert werden kann. So kann das Energiegeschäft trotz EU-Sanktionen und dem damit verbundenen Handelsstopp aufrecht erhalten werden.

Um Schiff zu reparieren: Putin lässt Eisbrecher durch Ostsee fahren

Wie die Kieler Nachrichten berichten, ist die „Ural“ das zweite Schiff der Eisbrecherflotte, das in jüngster Vergangenheit durch die Ostsee gefahren ist. Der dieselelektrische Eisbrecher „Sankt Petersburg“ lief bereits vor einer Woche St. Petersburg an. Während der Fahrten wurden die russischen Schiffe unter anderem von der deutschen Bundespolizei überwacht. Anfang des Jahres wurde erst bekannt, dass Russland wohl auch in der Nordsee auf Spionage setzte. Auch im Mai ließ Putin eine russische Fregatte die Ostsee ansteuern. (fbu)

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