Ukraine

Washington und Moskau auf einer Wellenlänge

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Trump widerspricht Putins Narrativen zum Geschehen in der Ukraine nicht.
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Donald Trump sieht Wladimir Putins „Kriegsspezialoperation“ zusehends als Normalität. Und entfernt die USA weiter von Kiew.

Die Friedensverhandlungen mit der Ukraine am Montag in Istanbul seien im Ganzen nützlich gewesen, heißt es aus Moskau: „Wir hoffen, beide Seiten setzen ihre Gespräche fort.“ Laut Putins außenpolitischem Berater Jurij Uschakow demonstrierte sein Präsident auch beim vierten Telefongespräch mit Donald Trump am Mittwoch Verhandlungs- und Friedensbereitschaft. Obwohl Putin am selben Tag bei einer Kabinettssitzung das „illegitime Kiewer Regime“ als „Terrororganisation“ beschimpft hatte. Und rhetorisch fragte: „Wer verhandelt überhaupt mit Terroristen?“.

Trotz dieser Töne äußerte US-Präsident Trump nach dem Gespräch vorsichtig Verständnis für Putin. Ihn haben wohl die überraschenden Erfolge der Ukraine beim Angriff auf Russlands strategische Bomber mehr beeindruckt als die Sprengstoffanschläge auf westrussische Eisenbahnlinien, bei denen am selben Tag sieben Zivilist:innen ums Leben kamen. „Präsident Putin hat sehr kräftig geäußert, dass er auf die Angriffe gegen die Flugplätze antworten muss“, schrieb Trump auf seiner Internet-Plattform. Insgesamt sei es ein gutes Gespräch gewesen, aber keines, das bald zum Frieden führe, hieß es da weiter.

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Für russische Ohren klingt es, als gestehe der selbst ernannte Friedensstifter Trump ein, dass die tatsächliche Normalität Krieg ist, genauer Putins „Kriegsspezialoperation“ gegen die Ukraine. Der russische Star-Frontreporter Alexander Kotz schrieb bei Telegram, Trump sei von Putins angedrohter Antwort auf die ukrainischen Drohnenangriffe direkt zum Thema Iran übergegangen. „Er kommentierte nicht, begann nicht zu drohen, vor den Folgen zu warnen oder abzuraten.“ Trump habe Putins Gegenschlag als Notwendigkeit hingenommen, die Ukrainer hätten ihn ja verdient. Laut Uschakow versicherte Trump Putin auch, er sei nicht über den ukrainischen Drohnenschlag informiert gewesen. Auch das wertet man in Moskau nicht gerade als Solidaritätssignal mit Kiew.

Trumps Rolle als Vermittler wirkt immer öfter gespielt

Seit seinem Amtsantritt behauptet Trump zum Ukraine-Konflikt, das sei nicht sein Krieg, sondern der von Joe Biden und Wolodymyr Selenskyj. Womit er Putins Narrativ flankiert, Russland wehre sich in der Ukraine nur gegen die Nato und ihre ukrainischen Nazi-Gehilfen. Die US-Zeitung „New York Times“ schrieb kürzlich unter Berufung auf Trumps Stab, der US-Präsident halte Selenskyj für einen schlechten Kerl, der die Welt Richtung Atomkrieg dränge. Dass Trump der Ukraine kein Verbündeter ist, wird zusehends offensichtlich. Aber auch seine Rolle als Vermittler wirkt immer öfter gespielt. Das US-Portal „Politico“ titelte schon im Februar pessimistisch: „Trumps Amerika ist Putins Alliierter“.

Mehrere Tote

Bei russischen Angriffen in der Nacht auf Donnerstag sind laut Behörden mehrere Menschen in der Ukraine getötet und verletzt worden. In der Stadt Pryluky in der Region Tschernihiw kamen dem Gouverneur zufolge fünf Menschen bei Drohnenattacken ums Leben, darunter ein einjähriges Kind. Außerdem seien sechs Personen verletzt worden. Demnach wurden Häuser in einem Wohngebiet beschädigt.

18 Menschen wurden laut Polizei bei einem Drohnenangriff auf Charkiw verletzt. Auch dort traf der Angriff Wohnhäuser. dpa

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erschien am Mittwoch in Brüssel erstmals nicht zum Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe, das die USA 2022 selbst initiiert hatten, um die Waffenhilfe zu koordinieren. Dafür war am Mittwoch Selenskyjs Bürochef Andrij Jermak in Washington und traf sich mit Außenminister Marco Rubio, um über US-Sanktionen gegen Russland und neue Unterstützung zu reden. Zählbare Ergebnisse wurden nicht bekannt. Im Gegenteil, wie am Donnerstag das „Wall Street Journal“ berichtete: Demnach teilte das Pentagon dem Kongress vertraulich mit, man werde Spezialsprengstoff, den die Ukraine bisher gegen russische Drohnen eingesetzt habe, nun an US-Luftwaffeneinheiten im Nahen Osten liefern.

Auch Rubio, der lange eine harte Linie gegen Moskau vertrat, lässt sich jetzt vorführen. Er hatte am Sonntag mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow telefoniert. Moskau erklärte danach, Rubio habe „sein aufrichtiges Beileid“ für die zivilen Opfer „der Sprengungen der Eisenbahninfrastruktur zum Ausdruck gebracht“. Auch in der Ukraine starben in der Nacht auf Donnerstag fünf Menschen nach einem Angriff. Öffentliches Beileid für die fast täglich getöteten ukrainischen Zivilpersonen äußert die US-Regierung kaum mehr.

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