Gaza-Lage „katastrophal“: UN-Warnung nach Israels Blockade – schlimme Szenen vor Ort
VonRichard Strobl
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Nach dem Angriff der Hamas hat Israel den Gazastreifen blockiert. Für die Bevölkerung spitzt sich die Lage zu. Es droht eine humanitäre Katastrophe.
Gaza Stadt – Mit dem Terror-Angriff auf Israel hat die Hamas eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt. Hart trifft es nun auch die Zivilisten im Gazastreifen, die sich durch den Krieg in Israel einer humanitären Katastrophe gegenüber sehen.
Die Menschen in dem Küstengebiet haben nach der kompletten Sperre durch Israel nach den Hamas-Angriffen keinen Strom, kein Wasser, keine Lebensmittel mehr: Augenzeugen im Gazastreifen berichten nach den Luftanschlägen der israelischen Armee von verzweifelten Szenen. Autofahren sei mittlerweile nicht mehr vorstellbar, sagt Tahani Dschaber gegenüber der dpa. Sie sei deshalb zu Fuß unterwegs. Sie müsse Medikamente für ihren Säugling besorgen, der schon den zweiten Tag in Folge an hohem Fieber leide, sagt sie. „Ich habe das Gefühl, dass ich jeden Moment dem Tod näherkomme, aber das Leben der Kinder ist wichtiger.“
Gaza-Blockade nach Hamas-Angriff auf Israel: „Können uns nicht bewegen“
Mohammed Baroud aus dem Stadtteil Al-Nasr berichtet nach den Luftangriffen von ganzen Straßenzügen, die in Schutt und Asche gelegt sind. Jeder, der rausgehe, könne „jeden Moment bombardiert werden und sterben“, sagt Baroud. „Wir können uns nicht bewegen oder wichtige Dinge für unsere Kinder kaufen.“ Nach einem Angriff komme gleich der nächste. „Was hier passiert, ist verrückt.“
Das UN-Nothilfebüro (OCHA) berichtete, bisher seien fast 340.000 Menschen aus ihren Wohnungen geflüchtet. Wirklich sichere Orte gebe es aber nirgendwo in dem kleinen nur 40 Kilometer langen und zwischen sechs und zwölf Kilometer breiten Territorium.
UN warnt: „Katastrophale“ Lage in Gaza
Die humanitäre Lage in Gaza sei „katastrophal“ warnt auch Brian Lander, stellvertretender Leiter für Notfälle des UN-Welternährungsprogramms, gegenüber der CNN. Die Versorgung mit Wasser und Essen sei begrenzt und „geht schnell zur Neige“. Die UN-Agentur sei vor Ort und versorge Tausende von Menschen, die etwa in Schulen Schutz gesucht hätten. „Aber wir werden sehr bald keine Lebensmittel mehr haben“ so Lander. Man sei „sehr besorgt“ über die humanitäre Lage, so der UN-Vertreter. Er forderte beide Parteien auf, „sich an das humanitäre Völkerrecht zu halten, um Lieferungen von Hilfsgütern an bedürftige Gemeinden zu ermöglichen“.
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In dem dicht besiedelten Gebiet leben schätzungsweise 2,3 Millionen Menschen. Westliche Politiker wie US-Präsident Joe Biden und die Vereinten Nationen mahnten, Israel müsse in Ausübung seines Rechts auf Selbstverteidigung das humanitäre Völkerrecht wahren. Die israelische Armee betonte, es würden ausschließlich die Hamas und ihre mit dem Terror verbundenen Ziele angegriffen. Hilfsorganisationen sprachen davon, dass der israelische Beschuss ihre Arbeit immer schwieriger mache und die Zivilbevölkerung in Wohngebieten gefährde.
Hamas-Tunnel als Ziele der israelischen Armee
Die Hamas habe unter dem Küstengebiet ein Netzwerk von Tunneln angelegt, erklärte Armeesprecher Jonathan Conricus. Das seien keine Bunker für die Zivilbevölkerung, die Tunnel dienten ausschließlich der Hamas und ihren terroristischen Zielen. „Das ist das, was wir angreifen“, sagte der Armeesprecher. Es gäbe keine „Flächenbombardements“.
Sollte es zu der erwarteten Bodenoffensive der israelischen Armee kommen, wird die Zivilbevölkerung noch stärker in Bedrängnis geraten. Bisher starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 1350 Menschen, mehr als 6000 wurden verletzt.
Israels Energieminister Israel Katz machte die Wiederaufnahme der unterbrochenen Grundversorgung des Gazastreifens von der Freilassung der israelischen Geiseln abhängig. „Kein Stromschalter wird umgelegt, kein Wasserhahn geöffnet und kein Treibstofflaster fährt rein, bis die israelischen Geiseln nach Hause zurückgekehrt sind“, schrieb Katz auf der Plattform X (vormals Twitter). Die Armee verwies darauf, dass die Hamas die Übergänge in das Küstengebiet selbst zerstört habe. (rjs/dpa)