In Davos: Trump-Minister warnt EU vor Vergeltungszöllen – „Wäre sehr unklug“
VonSonja Thomaser
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Trump reist mit einer Rekord-Delegation zum WEF nach Davos. Schon vor Beginn droht er Europa mit Zöllen. Entscheidende Ukraine-Gespräche werden erwartet.
Update, 20. Januar, 5:33 Uhr: Im Konflikt um die US-Besitzansprüche auf Grönland hat US-Finanzminister Scott Bessent die Europäische Union gewarnt. Von Journalisten in Davos auf mögliche „Vergeltungsmaßnahmen“ der EU angesprochen, sagte er: „Ich denke, das wäre sehr unklug.“ Zudem sagte er: „Ich denke, jeder sollte den Präsidenten bei seinem Wort nehmen.“ US-Präsident Donald Trump will den USA die zu Dänemark gehörende Insel Grönland einverleiben. Die Regierung in Kopenhagen schließt aus, die Insel zu verkaufen, und wird beim Widerstand gegen Trumps Pläne aktiv von mehreren europäischen Staaten unterstützt.
WEF 2025: Weltpolitik-Hotspot Davos erwartet Rekordteilnahme wegen eines Mannes
Erstmeldung: Davos – Die globalen Krisen verdichten sich in dieser Woche auf einen einzigen Ort in den schneebedeckten Schweizer Alpen: Davos. Am Montag (19. Januar) beginnt die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF), die sich zu einem der bedeutendsten politischen Ereignisse der letzten Jahre entwickelt. Der kleine Skiort wird zum Hotspot der Weltpolitik – und das liegt vor allem an einem Teilnehmer.
Donald Trump kehrt nach sechs Jahren erstmals wieder persönlich zum WEF zurück. Der US-Präsident will sich am Mittwochnachmittag an die rund 3000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft wenden. Trump reist mit seiner größten US-Delegation aller Zeiten an – bestehend aus fünf Kabinettsmitgliedern, darunter Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick.
Bereits vor Beginn des Treffens sorgt der Republikaner für diplomatische Spannungen: Am Samstag kündigte er auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social Zölle gegen mehrere europäische Länder an. Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland sollen ab dem 1. Februar zunächst 10 Prozent, ab 1. Juni sogar 25 Prozent Zölle auf alle Waren zahlen – solange keine Einigung über den „vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands“ erzielt wird.
Das brisanteste Thema dürften jedoch die Ukraine-Verhandlungen werden. Trump plant Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über ein milliardenschweres „Wohlstands-Abkommen“, wie der britische Telegraph berichtet. Der Deal soll Investitionen von etwa 800 Milliarden Dollar (600 Milliarden Pfund) für den Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg umfassen.
Europäische Verbündete hoffen auf ein Ukraine-Gipfeltreffen am Rande der Tagung. Neben Trump und Selenskyj könnten Bundeskanzler Friedrich Merz, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie weitere G7-Führer teilnehmen, wie das US-Magazin Politico berichtet. Der britische Premierminister Keir Starmer erwägt laut Telegraph ebenfalls eine Teilnahme, obwohl britische Regierungschefs traditionell nicht am WEF teilnehmen. Starmer verteidigte seine mögliche Reise mit den Worten: „Man kann keinen Frieden in der Ukraine schaffen, ohne im Raum zu sein.“
Rekordteilnahme in Davos erwartet
War 2023 noch Bundeskanzler Olaf Scholz der einzige Regierungschef eines G7-Mitglieds beim WEF, sind nun sechs der sieben wichtigsten Industrienationen mit ihren höchsten Vertretern dabei. Das WEF erwartet 64 Staats- und Regierungschefs.
Das Motto „A Spirit of Dialogue“ (Im Geiste des Dialogs) soll die Diskussionen leiten, obwohl viele Analysten bezweifeln, dass Trump dasselbe Verständnis von Dialog hat wie seine Gesprächspartner. Bereits im November berichtete die Financial Times, dass die Organisatoren Trump mit der Zusage geködert hätten, „woke“ Themen wie Gleichberechtigung, Inklusion oder Klimawandel anders als sonst keinen großen Raum zu geben.
Unsichere Zeiten, ungewisse Ergebnisse
Der WEF-Risikobericht identifiziert eine „geoökonomische Konfrontation“ als größte Gefahr für die Welt – eine Beschreibung, die ziemlich genau Trumps Politik mit hohen Zöllen und Drohungen gegen Alliierte zusammenfasst. EU-Botschafter hielten bereits am Sonntag Notfallgespräche ab, während sich ihre Führer auf das Treffen mit Trump in den Alpen vorbereiteten. (Quellen: dpa, The Telegraph, Politico, Financial Times) (sot)