Wegen Trumps Anti-Woke-Politik: Vance wird bei Konzert ausgebuht
VonLea Winkler
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J.D. Vance wollte eigentlich ein Konzert im Kennedy Center in Washington besuchen. Doch das Publikum reagiert empört auf den Vize-Präsidenten.
Washington, D.C. – Anstelle eines Konzerts des National Symphony Orchestra im Kennedy Center in Washington durfte sich der amerikanische Vizepräsident J.D. Vance zusammen mit seiner Frau Usha Vance einem ganz besonderen „Konzert“ widmen: einem Orchester der Unmut. Kaum hatten die beiden die Loge des Kennedy Centers betreten, empfing sie das Publikum in Form von Buhrufen. Das zeigte ein Video, das der Guardian-Korrespondent Andrew Roth auf X teilte.
US-Vizepräsident wird bei Konzertbesuch ausgebuht: 30 Sekunden Vance-Spott
Medienberichten zufolge war es ein Konzert des griechischen Geigers Leonidas Kavakos und des National Symphony Orchestra. Als die Ankündigungen für das Konzert ertönten, trat Vance mit Gefolge in die Loge ein. Im Saal brach ein Sturm aus Buhrufen und Pfiffen los, der die Ansagen beinahe übertönte. Laut der New York Times dauerten die Buhrufe Besuchern zufolge etwa 30 Sekunden an. J.D. Vance ist in dem Video des Vorfalls zu sehen, wie er einen Schluck aus seinem Getränk nimmt, von seinem Logenplatz aus winkt und mit seiner Frau spricht.
Schon vor dem Konzert kam es zu Unmut. Als die Wagenkolonne von Vance vor dem National Performing Arts Center ankam, wurden die Zuschauer zur Sicherheitskontrolle durch den Secret Service geschickt – was zu einer 25-minütigen Verzögerung des Konzertbeginns führte.
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Vance-Spott als Reaktion auf Trumps Anti-Woke-Politik: „Es gibt kein woke mehr in diesem Land“
Die Buhrufe waren nicht nur eine Reaktion auf die Verzögerung durch die Sicherheitskontrollen, sondern auch auf eine politisch aufgeladene Entscheidung. Im Februar hatte Donald Trump den Vorstandsvorsitzenden des Kennedy Centers sowie 13 seiner Treuhänder entlassen und sich selbst zum neuen Vorsitzenden ernannt.
Als Interimsvorsitzenden setzte er seinen außenpolitischen Berater und engen Vertrauten Richard Grenell ein und berief eine neue Reihe von Vorstandsmitgliedern, darunter auch Usha Vance. „Also haben wir das Kennedy Center übernommen“, sagte der Präsident damals. „Uns gefielen die Shows und vieles mehr nicht. Wir werden dafür sorgen, dass es gut ist und nicht woke. Es gibt kein woke mehr in diesem Land.“
Der Begriff „woke“, ursprünglich ein Ausdruck für ein wachsam gewordenes Bewusstsein gegenüber sozialer Ungerechtigkeit und Diskriminierung, wird mittlerweile oft abwertend gebraucht. Damit wird eine angeblich übermäßige politische Korrektheit oder eine überzogene Auseinandersetzung mit sozialen Themen kritisiert. Trumps Aussage zielte wahrscheinlich darauf ab, diese Haltung aus den Institutionen zu verbannen und stattdessen eine konservativere, traditionellere Kultur zu fördern.
Drag-Shows und „Cancel Culture“: Trump und Vance im Kampf gegen die moderne Gesellschaft
Trump und Vance gehen auch an anderer Stelle gegen die vermeintliche „woke“ Kultur vor. Besonders Drag-Shows sind dem US-Präsidenten ein Dorn im Auge. Er bezeichnete sie als beispielsweise ungeeignet für die Jugend. Im Zusammenhang mit seiner Übernahme des Zentrums twitterte Trump im Februar: „KEINE DRAG-SHOWS ODER ANDERE ANTIAMERIKANISCHE PROPAGANDA MEHR – NUR DAS BESTE.“ Aber auch Vance machte auf sich aufmerksam, als er die „Cancel Culture“ kritisierte – die Praxis, Menschen oder Organisation aufgrund sozial nicht akzeptierter Handlungen oder Aussagen sozial auszuschließen.
In einem Interview bei der Conservative Political Action Conference (CPAC) im Februar erklärte Vance, die moderne Gesellschaft zerstöre den Geist junger Männer. „Ich glaube, unsere Kultur vermittelt jungen Männern die Botschaft, dass sie jeden männlichen Drang unterdrücken, ihre Familie abschütteln und das unterdrücken sollen, was sie überhaupt erst zu einem jungen Mann macht“, sagte er dort. Seine Botschaft an junge Männer laute: „Lassen Sie nicht zu, dass diese kaputte Kultur Ihnen den Eindruck vermittelt, Sie seien ein schlechter Mensch, nur weil Sie ein Mann sind.“
Widerstand im Kennedy Center: Künstler setzen Zeichen gegen die Woke-Kritik der neuen US-Regierung
Die Übernahme des Kennedy Centers durch die neue Regierung fand im Rahmen einer groß angelegten Kampagne gegen die vermeintlich „woke“ Kultur in Amerika statt. Doch der Widerstand dagegen wächst. Die Produzenten des Erfolgsmusicals Hamilton haben ihre geplanten Aufführungen im Jahr 2026 im Kennedy Center abgesagt, und auch zahlreiche Künstler haben ihre Auftritte dort storniert, wie The Guardian berichtete.
Eine Gruppe, die auf der Millennium-Stage im Foyer des Zentrums auftrat – die Musikerinnen Nora Brown und Stephanie Coleman – setzte ein deutliches Zeichen. Auf der Bühne entrollten sie Plakate mit den Botschaften „Queer-Programme wieder einführen“ und „Kreativität im Kennedy Center darf nicht unterdrückt werden“. (lw)