„Seriöse Adresse“?

Wagenknecht macht wohl mit neuer Partei Ernst - AfD geht schon zur Attacke über

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Einem Bericht zufolge will Sahra Wagenknecht schon in Kürze ihre eigene Partei gründen – mit Augenmerk nicht zuletzt auf AfD-Wähler.

Berlin – Sahra Wagenknecht will offenbar ihre lange debattierte Partei-Gründung noch 2023 angehen - sie könnte damit Die Linke in ernste Schwierigkeiten bringen. Im Auge hat die Populistin offenbar nicht zuletzt AfD-Wähler. Über Wagenknechts Pläne berichtete die Bild am Sonntag unter Berufung auf Vertraute Wagenknechts.

Der genaue Zeitpunkt für die Gründung der neuen Partei stehe noch nicht fest, hieß es. Vor den Landtagswahlen in Hessen und Bayern am 8. Oktober soll es aber nicht geschehen. Auf Anfrage der dpa sagte Wagenknecht: „Das ist die Meinung der Bild-Zeitung. Es bleibt dabei: Wir werden über die Parteigründung bis spätestens Ende des Jahres entscheiden.“ Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch rief die Partei indes bereits zur Geschlossenheit auf.

Wagenknechts neue Partei: Noch-Linke will AfD-Wähler ansprechen - Weidel im Attacke-Modus

Ungeachtet des kleinen Dementis klangen Wagenknechts Pläne in dem Interview schon sehr konkret. Nach einem Burnout im Jahr 2019 fühle sie sich inzwischen fit genug für die neue Partei, sagte Wagenknecht der BamS. Sie sei „schon ziemlich belastbar“. Allerdings wolle sie sich nicht mit der Parteiarbeit überfordern, fügte sie hinzu. Über den Aufbau der Parteistrukturen, darunter der 16 Landesverbände, würden sich Freunde in der Linken kümmern, die ihr in die neue Partei folgen wollen. Aber was die Entwicklung des Programms und die Vertretung der Partei nach außen angehe gelte aber: „Das kann ich, so fit bin ich allemal“, betonte die Abgeordnete.

Geht sie, oder bleibt sie? Sollte Sahra Wagenknecht eine neue Partei gründen, ist der Fraktionsstatus der Linken gefährdet.

Dem Tagesspiegel sagte Wagenknecht, mit der Partei wolle sie AfD-Wählern eine neue politische Heimat bieten. Sie sehe eine „Leerstelle im politischen System“. Viele fühlten sich von keiner Partei mehr vertreten und wählten „aus Verzweiflung“ die AfD. „Ich fände es gut, wenn diese Menschen wieder eine seriöse Adresse hätten“, sagte Wagenknecht.

Bei den Rechtspopulisten sorgte das offenbar für Unbehagen: Dies werde das „regierungskritische Lager“ spalten, sagte AfD-Chefin Alice Weidel am Sonntag in ihrem ARD-„Sommerinterview“. Damit solle die AfD von einer Regierungsbeteiligung abgehalten werden. Wagenknecht sei damit „eine willige Erfüllungsgehilfin für die Ampel“ und auch für die CDU, sagte sie.

Wagenknecht sieht sich weiterhin „links“ - trotz Fokus auf AfD-Wähler

Wagenknecht machte wiederum deutlich, dass sie sich selbst weiter als linke Politikerin versteht - was Teile ihrer Partei bestreiten. Sie setze sich für jene ein, „die nicht aus wohlhabenden Familien kommen, für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen“. Sie erneuerte ihre Kritik an „urbanen Besserverdienern“ mit Wärmepumpe, Bio-Einkauf und Elektro-Zweitauto. „Wenn aber aus diesem Milieu auf Menschen herabgesehen wird, die sich das alles nicht leisten können und ihr Schnitzel bei Aldi kaufen, hat das mit einer linken Perspektive nichts zu tun.“

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch hielt dagegen: „Ich werde darum kämpfen, dass die Linke eine einflussreiche Partei bleibt und wieder auf die Erfolgsspur kommt. Landesregierungen mit der Linken, Oberbürgermeister, Bürgermeister, Landräte werden selbstverständlich stabil bei uns bleiben“, sagte er den Montagsausgaben der Düsseldorfer Rheinischen Post und des Bonner General-Anzeiger. „Wir werden unsere Hausaufgaben machen müssen und die soziale Opposition für die Menschen sein, weil viele unter der Ampelpolitik leiden.“ (lrg/dpa/fn)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Political-Moments

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