VonFelix Busjaegerschließen
Die Welt blickt mit Sorge auf den Krieg in der Ukraine. Doch auch abseits von Putins Angriffen auf Kiew gibt es weitere Konflikte. China könnte nach Taiwan greifen.
Kiew – Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine vor knapp einer Woche erschütterte die Weltöffentlichkeit. Rollende Panzer, kämpfende Soldaten und zerstörte Häuser prägen seitdem das Nachrichtengeschehen und auch in Deutschland sind die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine deutlich zu spüren. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) überraschte am Sonntag mit einer riesigen Zuwendung für die Bundeswehr, deren Wehrhaftigkeit durch die Eskalation der Lage in Osteuropa wiederholt infrage gestellt wurde. Klar ist: Der Konflikt in der Ukraine fesselt die volle Aufmerksamkeit. Allerdings gibt es auf der Welt weitere Krisen, die man jetzt nicht aus dem Blick verlieren darf.
Die Ereignisse in der Ukraine, bei denen auch Anonymous Russland den Cyberkrieg erklärt, sind schrecklich und bedürfen derzeit ein entschlossenes Vorgehen der westlichen Staaten der Nato und EU, um dem Treiben von Russlands Präsidenten Wladimir Putin Einhalt zu gebieten. Die scharfen Wirtschaftssanktionen gegen Russland, unter anderem der Ausschluss russischer Banken von Swift, könnten Wirkungen zeigen und ein richtiger Weg sein. Dennoch: Am Morgen des 1. März rollte ein gewaltiger russischer Militärkonvoi in Richtung der ukrainischen Hauptstadt und auch die Kämpfe in der zweitgrößten Stadt des Landes, Charkiw, sollen weitergehen. Das berichtete unter anderem die Deutsche Presse-Agentur.
Abseits vom Ukraine-Krieg: Nordkorea testet wohl neue Waffensysteme und schießt Raketen ins Meer
Zu Recht rückt die humanitäre Katastrophe nun vermehrt in den Fokus und mehrere Länder bereiten sich auf die mögliche Ankunft Geflüchteter aus der Ukraine vor. Fast unbemerkt im Schatten von Wladimir Putins Krieg in der Ukraine und seiner Propaganda soll es derweil in Nordkorea zu erneuten Raketenstarts gekommen sein. Die nordkoreanische Regierung in Pjöngjang um den Obersten Führer Kim Jong-un dementiert inzwischen, dass es sich bei der Rakete um eine ballistische Waffe gehandelt hat, allerdings führen die erneuten Tests der stark isolierten Nation zu einer Verschärfung der Spannung mit den USA.
Am Tag nach dem Test spricht die Führung von Nordkorea von einem wichtigen Test für die Entwicklung eines Erdbeobachtungssatelliten. Es seien Kameras für hochauflösende Aufnahmen aus dem All getestet worden, heißt es von staatlichen Medien. Wie das südkoreanische Militär berichtete, sei die Rakete bei einer Flughöhe von bis zu 620 Kilometern etwa 300 Kilometer weit geflogen, bevor sie ins Japanische Meer stürzte.
Nordkorea könnte die Spannungen im Ukraine-Krieg ausnutzen – Experten in Sorge
Nordkoreas erneute Tests fanden zu einem Zeitpunkt statt, zu dem Südkorea kurz vor einer Präsidentenwahl steht. Wie die Deutsche Welle berichtet, würden Experten befürchten, dass Nordkorea die Spannungen im Ukraine-Krieg ausnutzen könnte, um das eigene Raketenprogramm voranzutreiben, ohne in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit zu geraten. Während im Ukraine-Konflikt Wladimir Putin drohte, die Abschreckungswaffen der Atommacht in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen, ist es Nordkorea aufgrund der Resolution des Sicherheitsrates verboten, Tests mit Raketen und Atomwaffen durchzuführen.
Laut Aussage des Japans Verteidigungsminister Nobuo Kishi, sei der jetzt getestete Flugkörper außerhalb der „exklusiven Wirtschaftszone“ Japans ins Meer gestürzt. Es ist nicht das erste Mal, dass Nordkorea im Jahr 2022 durchführt.
Krieg in der Ukraine als Blaupause für einen möglichen Angriff auf Taiwan
Der Angriff von Wladimir Putin auf die Ukraine könnte sich zudem zu einer Blaupause entwickeln und auch in anderen Konflikten auf der Welt angewendet werden. Wie etwa die Taz berichtet, befürchten Experten, dass etwa die chinesische Volksarmee sich am Vorgehen des russischen Militärs von Wladimir Putin orientieren und gegen Taiwan vorgehen könnte. Die Angst ist nicht ganz unbegründet: Chinas Präsident Xi Jinping gilt als wichtiger Partner von Wladimir Putin und Peking betrachtet Taiwan seit jeher als abtrünnige Provinz, die wieder eingegliedert werden muss.
Zwar scheint es gegenwärtig keine eindeutigen Anzeichen für eine Eskalation im chinesischen Meer zwischen China und Taiwan zu geben, allerdings ist die Gefahr angesichts mehrfacher Verletzungen des taiwanesischen Luftraums durch China real. Wie die Spiegel unter Berufung auf Informationen der Nachrichtenagentur Reuters berichtet, werde die USA Taiwan in der angespannten Lage unterstützen und eine Delegation von Verteidigungs- und Sicherheitsexperten auf die Insel entsenden. Die Reise der Delegation solle dazu dienen, „unsere anhaltende Unterstützung für Taiwan zu demonstrieren“, heißt es aus US-Regierungskreisen.
Neben Konflikten in Taiwan, Nordkorea und Krieg in der Ukraine: zahlreiche weitere Konfliktregionen
Während die Gefahren in Taiwan und die Aggressionen in Nordkorea wohl die offensichtlichsten Konflikte gegenwärtig sind, gibt es zahlreiche weitere Konfliktherde, die auch abseits des Ukraine-Kriegs weiter wüten. In Äthiopien etwa toben weiter bewaffnete Konflikte zwischen Regierungschef Abiy Ahmed und der Volksbefreiungsfront von Tigray. Die Kämpfe haben dabei gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes: Viele Millionen Menschen leiden Hunger und sind auf Unterstützung angewiesen. Eine Lösung des Konflikts in Äthiopien ist allerdings weiterhin nicht in Sicht.
Weitere Länder, in denen weiter Konflikte größeren Ausmaßes toben, sind Libyen, Jemen sowie Syrien. Ein Ende von Bürgerkriegen, Hungerkatastrophen und Fluchtbewegungen sind dort ebenfalls nicht in Sicht. Und auch unweit des Krieges in der Ukraine brodelt es in Belarus bereits seit längerem. Nachdem die dortigen Proteste gegen den Machthaber Lukaschenko mehrmals niedergeschlagen wurden, formiert sich gegen Putins Vasall eine Protestbewegung. Während Lukaschenko treu zu Wladimir Putin steht und auch im gegenwärtigen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine einen Einsatz des Militärs nicht ausschloss, könnten die Gegenbewegungen erneut an Kraft gewinnen und das Land wieder in Chaos stürzen. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
