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„Weit hinter Versprechungen“: Ukraine bekommt weniger Waffen als der Westen versprochen hat

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Westliche Länder wie Deutschland sagen der Ukraine immer wieder neue Waffen zu. Doch vieles wird am Ende gar nicht geliefert, wie eine Analyse zeigt.

Kiew – Die Ukraine befindet sich mitten in ihrer geplanten Gegenoffensive im Krieg gegen Russland. Für die Rückgewinnung russisch besetzter Gebiete benötigen die ukrainischen Truppen offenbar vor allem eines: Waffen aus dem Ausland. Doch genau daran mangelt es, wie ein aktueller Bericht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zeigt. Der Westen, auch Deutschland, liefert demnach weitaus weniger Waffen, als der Ukraine versprochen wurde.

„Weit hinter Versprechungen“: Wie wenig Waffen die Ukraine wirklich bekommt

Laut dem Bericht, den das IfW Kiel am Donnerstag (6. Juli) veröffentlichte, wurde der Ukraine in den vergangenen Monaten vor allem militärische Hilfe aus dem Ausland zugesagt. Nur etwas mehr als die Hälfte der zugesagten schweren Waffen für den Ukraine-Krieg seien am Ende aber tatsächlich geliefert worden. „Die Lücke zwischen zugesagter und gelieferter Militärausrüstung ist groß. Das gilt insbesondere für EU-Länder und die USA“, sagt Christoph Trebesch, Forschungszentrumsdirektor am IfW Kiel.

Ein ukrainischer Soldat spricht über Funk mit seinem Team, bevor eine Panzerhaubitze „Bohdana“ auf russische Stellungen abfeuert.

Vor dem Jahrestag des Kriegsbeginns habe es zwar „einen Schub an neuen Zusagen“ gegeben, doch die Unterstützung habe in den letzten Monaten nachgelassen. „Vor allem die westlichen Partner wie die USA, Deutschland und Großbritannien erhöhten zwar zügig ihre Zusagen, aber die Lieferungen liegen deutlich darunter“, heißt in dem Bericht weiter. Osteuropäische Länder hätten unterdessen mehr als 80 Prozent ihrer zugesagten schweren Waffen geliefert. Dazu zählen laut dem IfW Kiel die Tschechische Republik, Slowenien, Polen und die Slowakei.

Ukraine bekommt weniger Waffen als zugesagt: So viel versprach Deutschland

Deutschland gilt nach der USA eigentlich als zweitgrößter Unterstützer der Ukraine in militärischen Angelegenheiten. Zwischen dem 25. Februar und dem 31. Mai hatte die Bundesrepublik seine militärischen Zusagen um 3,26 Milliarden Euro erhöht. Das entspreche laut dem Bericht einem Anstieg um 76 Prozent. Angekündigt waren Lieferungen von neuen Kampfpanzern und Waffen für die Luftverteidigung, wie zum Beispiel Iris-T-Luftabwehrsysteme.

Ukrainische Soldaten inspizieren Kampfpanzer vom Typ Leopard 1 A5 auf einem Truppenübungsplatz in Sachsen-Anhalt (Archivbild).

Insgesamt habe das Ausland im Frühjahr 2023 weniger Hilfe – finanziell, humanitär und militärisch – zugesagt als zu früheren Zeiträumen. Zudem seien die neuen Zusagen für Unterstützungspakete trotz der laufenden Gegenoffensive nicht so hoch ausgefallen wie zu Beginn des Jahres. Seit Juni versucht das Land, von Russland eroberte Gebiete zurückzugewinnen. Doch bislang läuft die Offensive schleppend.

Ukraine erhält weniger Waffen aus Auslands als zugesagt – sind das die Konsequenzen?

In einem Interview mit dem US-Sender CNN hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gesagt, dass er mit der Gegenoffensive der Ukraine gerne früher begonnen hätte. „Ich bin den USA als den Führern unserer Unterstützung dankbar“, sagte er im Gespräch vergangene Woche (5. Juli). „Aber ich habe ihnen wie auch den europäischen Führern gesagt, dass wir unsere Gegenoffensive gerne früher beginnen würden, und dafür brauchen wir alle Waffen und das gesamte Material.“

Eine starke russische Verteidigung hätte die Gegenoffensive nun „verlangsamt“. Laut Selenskyj hätten Waffenlieferungen aus dem Westen hingegen helfen können, die Offensive früher zu starten und Russland somit weniger Zeit zur Vorbereitung zu geben. (nz)

Rubriklistenbild: © Evgeniy Maloletka/dpa

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