Tödlicher Einsatz von US-Einwanderungsbehörden

Tödliche Schüsse bei ICE-Einsatz in Minneapolis: Wer erschoss Alex Pretti?

Die Identität des Bundesbeamten, der Alex Pretti in Minneapolis erschoss, ist weiter unbekannt. Videoaufnahmen stellen offizielle Darstellung infrage.

Minneapolis – Der Bundesbeamte, der Alex Pretti am 24. Januar bei einer Auseinandersetzung in Minneapolis tödlich erschossen hat, ist bislang nicht öffentlich identifiziert worden. Die Behörden haben nur begrenzte Einzelheiten über den beteiligten Beamten veröffentlicht, während mehrere Ermittlungen anlaufen. Der aktuelle Kenntnisstand wirft weiterhin Fragen zum Ablauf des Einsatzes auf.

Protestierende versammeln sich vor dem Bundesgericht in Minneapolis am 25. Januar 2026 nach dem tödlichen Schuss auf den 37-jährigen Alex Pretti durch einen Bundesbeamten der US-Grenzschutzbehörde während eines Einsatzes der Einwanderungsbehörden.

Pretti, ein 37 Jahre alter Krankenpfleger auf einer Intensivstation und US-Staatsbürger, wurde während eines bundesweiten Einsatzes zur Durchsetzung des Einwanderungsrechts im Süden von Minneapolis erschossen. Die tödlichen Schüsse wurden von einem Beamten der US-Grenzschutzbehörde Border Patrol abgegeben, die unter dem Dach des Heimatschutzministeriums arbeitet. Sein Tod hat landesweit Proteste ausgelöst und die Prüfung des Verhaltens von Bundesbeamten der Einwanderungsbehörden verschärft.

Nach Tod von Alex Pretti in Minneapolis: Was bislang über den Schützen bekannt ist

Das US-Heimatschutzministerium bestätigte, dass die Schüsse von einem Beamten der Border Patrol abgegeben wurden. Der Name des Beamten sowie Angaben zu seiner Einheit wurden nicht veröffentlicht. Auch weitere dienstliche Details blieben zunächst unter Verschluss.

Nach Angaben des Heimatschutzministeriums und der Führung der Border Patrol ist der beteiligte Beamte seit acht Jahren im Dienst. Weitere biografische Informationen, mögliche Disziplinarvorgeschichten oder frühere Fälle von Schusswaffengebrauch wurden nicht öffentlich gemacht. Die Behörden beschränkten sich auf wenige grundlegende Angaben.

ICE-Agenten erschießen Demonstranten - Minneapolis im Ausnahmezustand

Demonstranten versammeln sich vor dem Bundesgebäude bei den Protesten für Renee Good und Alex Pretti, zwei US-Bürger in Minneapolis, Minnesota, die von Grenzschutzbeamten getötet wurden.
Demonstranten versammeln sich vor dem Bundesgebäude bei den Protesten für Renee Good und Alex Pretti, zwei US-Bürger in Minneapolis, Minnesota, die von Grenzschutzbeamten getötet wurden. © IMAGO/Jon Putman
Eine Demonstrantin in Minneapolis hält ein Schild hoch: „Hört auf uns zu töten“.
Eine Demonstrantin in Minneapolis hält ein Schild hoch: „Hört auf uns zu töten“. © IMAGO/Jon Putman
Demonstranten halten eine Mahnwache an der Stelle ab, an der Bundesbeamte einen Mann in Minneapolis am Samstag (24. Januar) getötet hatten.
Demonstranten halten eine Mahnwache an der Stelle ab, an der Bundesbeamte einen Mann in Minneapolis am Samstag (24. Januar) getötet hatten. © IMAGO/Arthur Maiorella
New York City: Menschen protestieren gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE nachdem die Behörde einen US-Bürger in Minneapolis erschossen hat.
New York City: Menschen protestieren gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE nachdem die Behörde einen US-Bürger in Minneapolis erschossen hat. © IMAGO/Bryan Smith
Demonstranten geraten mit ICE aneinander, nachdem ein Bundesbeamter am 24. Januar einen Mann erschossen hat – dies ist bereits der zweite Schusswaffenvorfall mit Beteiligung von ICE-Bundesbeamten in Minneapolis diesen Monat.
Demonstranten geraten mit ICE aneinander, nachdem ein Bundesbeamter am 24. Januar einen Mann erschossen hat – dies ist bereits der zweite Schusswaffenvorfall mit Beteiligung von ICE-Bundesbeamten in Minneapolis diesen Monat. © IMAGO/Arthur Maiorella
Demonstranten geraten mit ICE aneinander, nachdem ein Bundesbeamter am 24. Januar einen Mann erschossen hat – dies ist bereits der zweite Schusswaffenvorfall mit Beteiligung von ICE-Bundesbeamten in Minneapolis diesen Monat.
Demonstranten geraten mit ICE aneinander, nachdem ein Bundesbeamter am 24. Januar einen Mann erschossen hat – dies ist bereits der zweite Schusswaffenvorfall mit Beteiligung von ICE-Bundesbeamten in Minneapolis diesen Monat. © IMAGO/Arthur Maiorella
Minneapolis: ICE-Beamte und Demonstranten nach einem weiteren tödlichen Vorfall durch die Bundesbeamten am Samstagmorgen in Minneapolis.
Minneapolis: ICE-Beamte und Demonstranten nach einem weiteren tödlichen Vorfall durch die Bundesbeamten am Samstagmorgen in Minneapolis. © IMAGO/Holden Smith
Eine Person geht an einem Schild für Renee Good vorbei, die von einem ICE-Beamten erschossen wurde.
Eine Person geht an einem Schild für Renee Good vorbei, die von einem ICE-Beamten erschossen wurde. © IMAGO/Christopher Katsarov
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
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3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
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3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen.
3000 ICE-Agenten jagen in Minneapolis illegale Einwanderer. Proteste gegen ihr rücksichtsloses Vorgehen werden brutal niedergeschlagen. © dpa

Darstellung des US-Heimatschutzministeriums zum ICE-Schusswaffengebrauch

Donald Trumps Heimatschutzministerin Kristi Noem erklärte, der Beamte habe sogenannte „defensive Schüsse“ abgegeben. Pretti habe sich den Beamten angeblich mit einer Handfeuerwaffe genähert und sich „gewaltsam“ dagegen gewehrt, entwaffnet zu werden. Diese Darstellung bildete bislang die offizielle Version des Ministeriums.

Das Heimatschutzministerium machte jedoch keine konkreten Angaben dazu, ob der Beamte davon ausging, dass Pretti die Waffe im Moment der Schüsse aktiv einsetzte. Unklar blieb, ob Pretti die Waffe schwenkte oder lediglich bei sich trug. Diese Frage wurde bislang nicht weiter präzisiert.

Videoaufnahmen vom ICE-Einsatz in Minneapolis stellen Behördenangaben infrage

Mehrere Videoaufnahmen von unbeteiligten Beobachtern, die von Nachrichtenseiten ausgewertet wurden, haben Zweifel an der offiziellen Darstellung geweckt. Die Videos scheinen zu zeigen, wie Pretti Bundesbeamte mit seinem Handy filmt. Zudem ist zu sehen, wie er einschreitet, nachdem Beamte eine Frau zu Boden gestoßen haben.

In den Aufnahmen wird Pretti anschließend mit Pfefferspray besprüht und von mehreren Beamten zu Boden gerungen. In den Momenten unmittelbar vor den Schüssen scheint er sein Handy in der Hand zu halten. Auf keinem der Videos ist eindeutig zu erkennen, dass er in diesem Moment eine Schusswaffe schwenkt.

Streit um Prettis Entwaffnung vor den ICE-Schüssen

Ein Video scheint zu zeigen, wie ein Beamter während des Gerangels eine Handfeuerwaffe von Pretti entfernt. Diese Szene soll sich Sekunden vor den tödlichen Schüssen ereignet haben. Die zeitliche Abfolge ist für die Bewertung des Einsatzes von Bedeutung.

Das Heimatschutzministerium ist auf diese Interpretation der Videoaufnahmen bislang nicht direkt eingegangen. Aufgrund dieser Widersprüche erklärten Vertreter des Bundesstaats und der Kommunen, sie akzeptierten die Darstellung der Bundesbehörden nicht ohne Weiteres. Die Zweifel an der offiziellen Version halten an.

Zeitlicher Ablauf des ICE-Einsatzes im Fall Alex Pretti

Uhrzeit (CST)Ereignis
9:05 UhrPolizei-Alarm wegen Schüssen bei Bundes-Einsatz in Süd-Minneapolis (East 26th St. & Nicollet Ave.).
Kurz davorPretti filmt Beamte mit Handy, greift ein, nachdem eine Frau zu Boden gestoßen wurde; Pfefferspray-Einsatz, mehrere Beamte ringen ihn nieder.
Ca. 9:06 UhrBeamte fixieren Pretti; einer schlägt zu und zieht eine Waffe.
Sekunden später4–5 Schüsse auf stehenden Pretti, weitere Schüsse auf Bodenliegenden (mehr als 10 insgesamt).
Nach 9:06 UhrPretti ins Krankenhaus gebracht, dort verstorben; Bundesrichter ordnet Beweissicherung an.

(Quellen: New York Times, USA Today, CBS News, Newsweek)

Ermittlungen durch Bundesstaat Minnesota und Behörden

Vertreter des Bundesstaats Minnesota erklärten, sie hätten Schritte unternommen, um den Einfluss der Bundesbehörden auf die Ermittlungen zu begrenzen. Das Büro des Generalstaatsanwalts, die Staatsanwaltschaft des Hennepin County sowie die staatliche Strafverfolgungsbehörde des US-Bundesstaats Minnesota machten ihre Zuständigkeit geltend. Ziel ist die Prüfung, ob strafrechtliche Anklagen gegen den beteiligten Beamten gerechtfertigt sind.

Ein Bundesrichter wies die Trump-Regierung und das Heimatschutzministerium an, sämtliche Beweise im Zusammenhang mit der Schießerei zu sichern. Zuvor hatte der Bundesstaat erklärt, Bundesbeamte hätten örtliche Ermittler zunächst daran gehindert, den Tatort oder Beweismittel zu untersuchen. Die Sicherung der Beweise wurde daraufhin angeordnet.

Aufsicht über den ICE-Schusswaffeneinsatz in Minneapolis

Nach gängiger Praxis werden Schusswaffeneinsätze von Beamten des Heimatschutzministeriums in der Regel vom FBI geprüft. Zusätzlich erfolgt eine interne Untersuchung durch die interne Kontroll- und Ermittlungsbehörde des US-Heimatschutzministeriums. Auch im Fall Pretti wäre ein solches Verfahren vorgesehen.

Vertreter Minnesotas erklärten jedoch, sie hätten kein Vertrauen in eine ausschließlich bundesstaatliche Aufsicht. Stattdessen strebten sie eine unabhängige, vom Bundesstaat geleitete Untersuchung an. Diese solle sicherstellen, dass der Vorfall umfassend geprüft wird.

ICE-Gewalt unter Trump: Zweiter tödlicher Einsatz in Minneapolis in kurzer Zeit

Der Tod von Alex Pretti war bereits der zweite tödliche Schusswaffeneinsatz von Bundesbeamten der Einwanderungsbehörden in Minneapolis in diesem Monat. Am 7. Januar wurde Renee Nicole Good bei einem weiteren Vollstreckungseinsatz von einem Beamten der Einwanderungsbehörde ICE erschossen. Beide Vorfälle ereigneten sich im Süden der Stadt.

Die beiden Fälle haben die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Rolle von Bundesbeamten der Einwanderungsbehörden in Minneapolis gelenkt. Proteste und Forderungen nach Aufklärung hielten auch nach dem Tod von Pretti an. Der Ausgang der Ermittlungen ist bislang offen. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Anadolu Agency

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