Chance für Iran-Proteste

Warum war der Ayatollah nicht im Bunker? Umstände bei Chameneis Tod geben Rätsel auf

Chamenei formte den Iran zum Sicherheitsstaat und ließ Proteste wiederholt brutal unterdrücken. Sein Tod stellt das Mullah-Regime auf die Probe.

Teheran – Ayatollah Ali Chamenei, der Oberste Führer des Iran, hat den modernen Nahen Osten in den vergangenen vier Jahrzehnten stärker geprägt als jeder andere Anführer, indem er das Land mit eiserner Faust regierte und abweichende Meinungen mit Brutalität niederschlug. Nachdem er eine Schlüsselrolle in der Islamischen Revolution von 1979 gespielt hatte, wurde er 1981 Präsident des Iran und folgte 1989 Ayatollah Chomeini als Oberster Führer des Iran nach.

Nach Spekulationen: Tod des iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Chamenei bestätigt (Archivbild).

Chamenei zog die Kontrolle über das politische System des Landes weiter an und machte das Amt zum ultimativen Machtzentrum. Unter seiner Herrschaft wurden Wahlen streng gesteuert, Widerspruch ausgelöscht und der Sicherheitsstaat exponentiell ausgebaut. Sein Tod bei einer gemeinsamen US-israelischen Operation am Samstagmorgen schlägt ein neues Kapitel in einem langen und blutigen Abschnitt der Geschichte des Nahen Ostens auf: Ob damit das Buch geschlossen wird, bleibt abzuwarten.

Iran-Proteste über Jahrzehnte niedergeschlagen: Wie Chamenei an der Macht blieb

Chamenei überlebte so lange, indem er über Jahrzehnte hinweg enorme Kontrolle ausübte. Er beaufsichtigte wiederholte Niederschlagungen von Protesten, darunter schwere Unruhen in den Jahren 1999, 2009, 2017–18, 2023 und erneut im vergangenen Januar, als Demonstrationen gegen wirtschaftliche Not, Korruption und politische Repression mehrere Städte erfassten.

In seiner Rede zur Lage der Nation Anfang dieser Woche behauptete Trump, 32.000 Iraner seien bei den jüngsten Protesten getötet worden. Andere Gruppen schätzen die Zahl der Toten niedriger ein, doch am Ausmaß der Proteste und an der Brutalität der Reaktion des Regimes darauf bestehen keine Zweifel. Während seiner Herrschaft ist das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) erheblich mächtiger geworden und dient nicht nur als wichtigste Durchsetzungsinstanz des Regimes, sondern auch als dominierende Kraft in der iranischen Wirtschaft und im politischen System.

Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran

Haft-e Tir in Teheran
Am 13. Juni 2025 startete die israelische Armee Luftangriffe auf die Islamische Republik Iran unter dem Codenamen „Operation Rising Lion“. Ziel der Angriffe waren die Atomanreicherungsanlagen des Landes sowie Zentren der Macht des Mullah-Regimes. Doch auch Irans Hauptstadt Teheran geriet unter Beschuss, wie dieses Bild einer Frau auf dem Haft-e Tir Platz in Teheran zeigt. © afp
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu
Befohlen hatte Israels Angriff auf den Iran Premierminister Benjamin Netanjahu. Er begründete den Angriff auf das Mullah-Regime mit der atomaren Gefahr, die von diesem für den jüdischen Staat ausgehen würde. Teheran sei kurz davor, eine Atombombe fertigzustellen. Und solange der Iran die Vernichtung Israels als Teil seiner Staatsdoktrin verstehe, könne man mit Blick auf den Iran in Jerusalem kein Risiko eingehen. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Noch am selben Tag schlug der Iran zurück.
Noch am selben Tag schlug der Iran zurück. Unter dem Codenamen „Operation True Promise III“ flogen Raketen Richtung Israel, die auch die Regionen rund um Tel Aviv trafen. Hier zu sehen ist ein Rettungshelfer mit einem Kind auf dem Arm in der Stadt Ramat Gan, einem Vorort der Millionenmetropole am Mittelmeer. © Ilia Yefimovich/dpa
Sowohl im Iran als auch wie hier in der israelischen Großstadt Tel Aviv waren die Schäden der gegenseitigen Luftangriffe enorm.
Sowohl im Iran als auch wie hier in der israelischen Großstadt Tel Aviv waren die Schäden der gegenseitigen Luftangriffe enorm. Laut unbestätigten Meldungen sollen im Iran bis zum 16. Juni 2025 etwa 800 Menschen getötet worden sein. In Israel sollen nach offiziellen Angaben acht Menschen infolge der Raketenangriffe aus dem Iran gestorben sein. © Oded Balilty/dpa
Nahostkonflikt - Trump über Angriff auf iranische Atomanlagen
Doch wer sind die wichtigsten Akteure im Israel-Iran-Krieg? Und gibt es eine Opposition im Mullah-Regime? Antworten auf diese Frage finden Sie in den folgenden Bildern. Neben dem bereits erwähnten Benjamin Netanjahu steht auf der einen Seite Donald Trump. Der US-Präsident befahl am 22. Juni 2025 einen koordinierten Angriff aus der Luft und von der See auf die Atomanreicherungsanlagen des Iran. Die Operation lief unter dem Codenamen „Operation Midnight Hammer“. Die US-Streitkräfte nahmen die iranischen Atomanlagen in Fordo, Natanz und Isfahan unter Beschuss. Laut Trump, hier bei der Verkündung der Operation und in Begleitung von Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth, wurden alle drei Anlagen vollständig zerstört. © Carlos Barria/dpa
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth trat nach Donald Trump im Pentagon für die Fernsehkameras
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth trat nach Donald Trump im Pentagon für die Fernsehkameras. Hegseth nannte die Militäroperation gegen den Iran einen vollen Erfolg. An dem Angriff waren laut dem Verteidigungsministerium insgesamt rund 125 Flugzeuge beteiligt, darunter sieben B-2-Bomber, mehrere Tankflugzeuge sowie Aufklärungs- und Unterstützungsmaschinen Ebenfalls beteiligt an dem Angriff war laut Hegseth ein U-Boot, das im Golf von Oman stationiert war und insgesamt 30 Tomahawk-Raketen auf Ziele im Iran abfeuert. © Alex Brandon/dpa
Israel Katz, seit November 2024 Verteidigungsminister im Kabinett von Benjamin Netanjahu
Ein weiterer Protagonist im eskalierenden Nahostkonflikt ist Israel Katz, seit November 2024 Verteidigungsminister im Kabinett von Benjamin Netanjahu. Beide gehören der rechtskonservativen Likud-Partei an. Katz gilt parteiintern als Konkurrent Netanjahus. In Sachen israelischer Außenpolitik vertritt er aber ähnliche Position. So lehnt Katz, hier bei einem Truppenbesuch an der israelischen Grenze zum Libanon, eine Zweistaatenlösung im Konflikt mit den Palästinensern ebenso ab wie Netanjahu. © Ariel Hermoni/dpa
Majorgeneral Amir Hatami, hier mit Admiral Mahmoud Mousavi (rechts) und Admiral Habibollah Sayyari
Ein mächtiger Mann im Iran ist Verteidigungsminister und Majorgeneral Amir Hatami, hier mit Admiral Mahmoud Mousavi (rechts) und Admiral Habibollah Sayyari bei einer Sitzung im Hauptquartier in der iranischen Stadt Zolfaghar. Hatami drohte Israel nach deren Raketenangriff mit Vergeltung und warf der „zionistischen Armee“ Versagen im Bodenkampf vor, weshalb sie ihre Angriffe auf die Luft beschränken würden. © imago
Als noch mächtigerer Militärvertreter im Iran galt zeit seines Lebens Qasem Soleimani
Als noch mächtigerer Militärvertreter im Iran galt zeit seines Lebens Qasem Soleimani. Er war seit 1998 Kommandeur der Quds-Einheit, einer Unterabteilung der iranischen Revolutionsgarde, die Spezialeinsätze außerhalb des Irans durchführt. Er galt als Vertrauter von Ajatollah Ali Chamenei und als einer der Hauptverantwortlichen für die Ausweitung des iranischen Einflusses auf weite Teile des Nahen Ostens. Am 3. Januar 2020 wurde Soleimani während eines Besuch im benachbarten Irak auf Befehl von US-Präsident Donald Trump von einer Drohne des US-Militärs getötet. An jedem Jahrestag veranstaltet das Mullah-Regime in Teheran eine große Gedenkdemonstration. © Ameer Al Mohammedaw/dpa
Esmail Qa‘ani zum Oberbefehlshaber der Quds-Brigaden
Nach dem Tod von Qasem Soleimani wurde sein Stellvertreter Esmail Qa‘ani zum Oberbefehlshaber der Quds-Brigaden des Iran ernannt. © imago
Der mächtigste Mann auf der anderen Seite ist Irans „Oberster Führer“ Ajatollah Ali Chamenei.
Der mächtigste Mann im Iran ist der „Oberste Führer“ Ajatollah Ali Chamenei. Der Anführer des Mullah-Regimes, hier bei einer Zeremonie im Rahmen des „Festivals der Engel“ im Jahr 2023, ist seit 1989 das politische und religiöse Oberhaupt des schiitisch geprägten Iran. Diese Position macht Chamenei auch zum „Revolutionsführer“. Er ist außerdem die höchste geistliche Instanz im Range eines Ajatollah und der Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte in der Islamischen Republik Iran. © imago
Ruhollah Khomeini, besser bekannt als Ajatollah Khomeini.
Sein Vorgänger im Amt des Ajatollahs war Ruhollah Khomeini, besser bekannt als Ajatollah Khomeini. Er führte die Islamische Republik Iran seit der Islamischen Revolution 1979 bis zu seinem Tod 1989 an. Hier betet Khomeini im französischen Exil, aus dem heraus er die Revolution in seinem Heimatland organisierte, und das er erst am 1. Februar 1979 in Richtung des Iran wieder verließ. © imago
Ajatollah Ali Chamenei tat dies zuletzt im Jahr 2024 in Teheran
Dem obersten Führer des Landes kommt auch die Aufgabe zu, die Präsidentschaftswahlen im Iran zu eröffnen. Ajatollah Ali Chamenei tat dies zuletzt im Jahr 2024 in Teheran. In der Hochsicherheitszone der Hauptstadt der islamischen Republik gab das Staatsoberhaupt seine Stimme ab. © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Der Wächterrat, hier bei einer Sitzung im Jahr 2009
Von einer freien Wahl kann bei der Präsidentschaftswahl im Iran aber keine Rede sein. Der Wächterrat, hier bei einer Sitzung im Jahr 2009, entscheidet unter dem Vorsitz des Ajatollahs, welche Kandidaten überhaupt an der Wahl teilnehmen dürfen. Von insgesamt 80 Bewerbungen blieben gerade einmal sechs Kandidaten übrig, bei denen es sich allesamt um systemtreue Politiker handelte. © imago
Die Präsidentschaftswahl 2024 im Iran gewann Massud Peseschkian.
Die Präsidentschaftswahl 2024 im Iran gewann Massud Peseschkian. Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2021 hatte der Wächterrat der Islamischen Republik Iran seine Kandidatur noch verhindert. Peseschkian gilt innerhalb des Irans als eher moderate Kraft. Er versprach eine Öffnung seines Landes hin zum Westen und betonte, der Iran strebe keine Atomwaffen an. Gleichzeitig forderte auch Peseschkian das „Verschwinden des zionistischen Regimes [Israel] von der Landkarte“ und feierte die iranischen Raketenangriffe auf Israel im Jahr 2024. © imago
Trauerfeier für Irans Präsident und Außenminister Ebrahim Raisi
Eigentlich hätte die Präsidentschaftswahl im Iran erst 2025 stattfinden sollen. Doch weil der amtierende Präsident, der ultrakonservative Ebrahim Raisi, im Mai 2024 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam, wurde die Wahl nach vorverlegt. © dpa
Hossein Amir-Abdollahian, Außenminister des Iran
Bei dem Hubschrauberabsturz kam auch Hossein Amir-Abdollahian, Außenminister des Iran und hier beim Weltwirtschaftsforum in Davos, ums Leben. © Hannes P Albert/dpa
Abbas Araghtschi (m.), der hier gemeinsam mit dem iranischen Botschafter in Russland, Kazem Jalali, auf Staatsbesuch bei Präsident Wladimir Putin
Nachfolger von Massud Peseschkian im Amt des Außenministers wurde Abbas Araghtschi (m.), der hier gemeinsam mit dem iranischen Botschafter in Russland, Kazem Jalali, auf Staatsbesuch bei Präsident Wladimir Putin im Kreml aufschlägt. Russland gilt als strategischer Verbündeter der Islamischen Republik Iran. Die beiden Länder bilden gemeinsam mit Armenien eine diplomatische Achse im Kaukasus und sind militärische Partner bei den Konflikten in Syrien, Irak und Afghanistan. Russland ist aber nicht der einzige internationale Verbündete des Mullah-Regimes. © Alexander Kazakov/dpa
OIC-Sitzung in Istanbul mit Irans Außenminister
Ein weiterer, wenn auch deutlich weniger enger, Verbündeter des Iran ist Pakistan. Hier unterhält sich der iranische Außenminister Abbas Araghtschi (r) mit seinem pakistanischen Amtskollegen Ishaq Dar während der Sitzung des Außenministerrats der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC). © Khalil Hamra/dpa
die islamistische Terrormiliz Hisbollah im Libanon
Einer der engsten internationalen Verbündeten des Mullah-Regimes im Iran ist die islamistische Terrormiliz Hisbollah im Libanon. Der Iran unterstützt die Gruppierung mit bis zu einer Milliarde US-Dollar pro Jahr. Wie die Führer der Islamischen Republik Iran gilt auch die Hisbollah als schiitisch geprägte Organisation und als Teil der „Achse des Widerstands“ gegen den Einfluss der USA und Israels in der Region. © imago
mehrere tausend Pager wie den im Bild und andere elektronische Geräte der Hisbollah im Vorfeld mit dem Sprengstoff Nitropenta zu präparieren
Dem israelischen Geheimdienst Mossad gelang im September 2024 ein empfindlicher Schlag gegen die Hisbollah-Miliz. Den Mossad-Agenten gelang es, mehrere tausend Pager wie den im Bild und andere elektronische Geräte der Hisbollah im Vorfeld mit dem Sprengstoff Nitropenta zu präparieren und nahezu zeitgleich explodieren zu lassen. Mindestens 37 zum Teil hochrangige Mitglieder der Hisbollah starben, rund 3.000 Menschen wurden teils schwer verletzt. © imago
Huthi-Rebellen im Jemen
Ebenfalls zu der „Achse des Widerstands“ gehören die Huthi-Rebellen im Jemen. Die schiitische Terrororganisation zettelte dort 2004 einen Bürgerkrieg an. 2014 eroberten sie jemenitische Hauptstadt Sanaa, 2015 schließlich die Kontrolle über den Rest des Landes. Der Iran ist bislang das einzige Land, das die Huthis als legitimie Herrscher des Jemen anerkennen. Während die alte Regierung im Jemen von dem sunnitisch geprägten Königshaus in Saudi-Arabien unterstützt wurde, erhalten die Huthi-Rebellen finanzielle, militärische und logistische Hilfe aus dem Iran. Im Gegenzug vertreten die Huthis die Interessen der Mullahs in der Region und führen für sie einen Stellvertreterkrieg gegen Israel und die USA im Roten Meer. © imago
die radikal-islamistische Terrororganisation Hamas
Das letzte Mitglied der „Achse des Widerstands“ ist die radikal-islamistische Terrororganisation Hamas, die seit 2006 über den Gazastreifen herrscht, und die seit den 1990er Jahren von der Islamischen Republik Iran unterstützt wird. Laut israelischen Geheimdiensten erhält die Hamas bis zu 350 Millionen US-Dollar jährlich aus dem Iran - obwohl die palästinensische Terrororganisation sunnitisch geprägt ist und damit im Gegensatz steht zum schiitisch dominierten Mullah-Regime im Iran. © imago
Hamas-Führer Yahya Sinwar
Geeint sind die palästinensische Hamas und die iranischen Mullahs in ihrem Hass auf Israel. Der äußerte sich in seiner ganzen Grausamkeit am 7. Oktober 2023, als Terror-Einheiten der Hamas den Süden Israels überfielen, 1.200 Menschen töteten und 200 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppten. Geplant wurde der Angriff durch den mittlerweile verstorbenen Hamas-Führer Yahya Sinwar (m.), der dabei umfangreiche Hilfe aus dem Iran erhielt. Unter anderem wurden mehr als 500 Hamas-Kämpfer im Vorfeld der Attacke im Iran ausgebildet.  © imago
Proteste gegen die Regierung des Iran im Jahr 2009
Doch bei weitem nicht alle Menschen im Iran stehen hinter der Herrschaft des autoritären Mullah-Regimes. Das bewiesen zuletzt die Proteste gegen die Regierung im Jahr 2009. In Teheran kam es im Zuge dessen zu gewaltsamen Ausschreitungen. © imago
Reza Pahlavi, Sohn des gestürzten iranischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi
Das bekannteste Gesicht der iranischen Opposition ist Reza Pahlavi, Sohn des gestürzten iranischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi. Der Schah-Erbe lebt im Exil in den USA und ruft von dort aus seine Landsleute regelmäßig zum Widerstand gegen das Mullah-Regime auf. © Thomas Padilla/dpa
Reza Pahlavi, hier als sieben Jahre alter Kronprinz des Iran, verließ das Land 1978 und reiste für seine Ausbildung in die USA
Reza Pahlavi, hier als sieben Jahre alter Kronprinz des Iran, verließ das Land 1978 und reiste für seine Ausbildung in die USA. Ein Jahr später kam es zur Islamischen Revolution im Iran und dem Ende der dortigen Schah-Herrschaft. © imago
Mohammed Reza Pahlavi, Schah im Iran
Sein Vater, Mohammed Reza Pahlavi, regierte den Iran als letzter Schah seit 1941. Nach der Islamischen Revolution in seinem Heimatland und der Machtübernahme der Mullahs floh Pahlavi mit seiner Frau nach Kairo.  © imago
Mohammed Reza Pahlavi regierte als autoritärer Herrscher im Iran und besuchte in dieser Funktion 1967 auch Deutschland.
Mohammed Reza Pahlavi regierte als autoritärer Herrscher im Iran und besuchte in dieser Funktion 1967 auch Deutschland. Während seines Besuchs in Berlin kam es zu heftigen Protesten gegen die Schah-Monarchie der noch jungen Studentenbewegung. Anhänger des Schah-Regimes und Agenten des iranischen Geheimdienstes prügelten unbehelligt auf Demonstranten und Passanten ein. In die gewalttätigen Auseinandersetzungen schaltete sich die schließlich die Berliner Polizei ein. Im Zuge dessen erschoss der Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg. Kurras wurde 2009 als Stasi-Agent enttarnt. © imago
Yasmine Pahlavi und Iman Pahlavi in Washington DC
Im Gegensatz zu seinem Vater strebt Reza Pahlavi nach eigener Aussage den Aufbau einer demokratischen Regierung im Iran an. Dafür tritt er immer wieder auf öffentlichen Kundgebungen auf, wie hier in Washington DC im April 2025. Zu der Veranstaltung begleiteten den Schah-Erbe seine Frau Yasmine Pahlavi und die gemeinsame Tochter Iman Pahlavi. © imago
Ein weiteres prominentes Gesicht der iranischen Opposition ist Maryam Rajavi.
Ein weiteres prominentes Gesicht der iranischen Opposition ist Maryam Rajavi. Die 71 Jahre alte Politikerin lebt im Exil in Paris und ist Präsidentin des „Nationalen Widerstandsrates im Iran“ (NWRI). Zu Beginn der Islamischen Revolution im Iran im Jahr 1979 stand Rajavi noch auf der Seite der Mullahs. Zum Bruch kam es erst ab 1981. Ein Jahr später verließ Rajavi den Iran. Die Politikerin will einen Regimewechsel im Iran durch das iranische Volk und bietet laut einem Interview mit Fox News eine „demokratische und inklusive Alternative“ zum Mullah-Regime. © imago
Rudy Giuliani. Der ehemalige Bürgermeister von New York sprach auf einer Kundgebung von Reza Pahlavi in Washington DC.
Hinter Maryam Rajavi stehen auch prominente Figuren der US-Politik aus dem Umfeld von Donald Trump. Dazu gehört unter anderem Rudy Giuliani. Der ehemalige Bürgermeister von New York sprach auf einer Kundgebung vor Anhängerinnen und Anhängern Rajavis in Washington DC. © imago
Elahe Tavakolian auf einer Demonstration gegen das Mullah Regime im Iran
Ohnehin ist ein Großteil der Führungspersönlichkeiten der iranischen Opposition weiblich. Zum Symbol des weiblichen Widerstands gegen das patriarchale Mullah-Regime wurden seit den 2010ern Augenverletzungen. Zahlreiche Demonstrantinnen erlitten diese infolge der Aufstände gegen die Islamische Republik Iran. Eine solche erlitt auch Elahe Tavakolian, die mittlerweile in Italien lebt und dort regelmäßig an Demonstrationen teilnimmt. © imago
Studentin Kosar Eftekhari aus dem Iran
Auch die Studentin Kosar Eftekhari erlitt eine solche Verletzung und verließ den Iran infolgedessen. Sie lebt mittlerweile in Berlin und engagiert sich dort in der iranischen Oppositionsbewegung. © imago
Journalistin, Autorin und Frauenrechtlerin Masih Alinejad
Eine weitere bekannte Persönlichkeit der iranischen Opposition ist die Journalistin, Autorin und Frauenrechtlerin Masih Alinejad, die hier auf einer Kundgebung in Washington DC spricht. Die heute 48 Jahre alte Frau wurde 1994 im Iran verhaftet, weil sie regierungskritische Flugblätter in Umlauf gebracht haben soll. Heute lebt Alinejad in den USA und gründete dort im Jahr 2010 die Gruppe IranNeda, in der sich Schritstellerinnen und Schriftsteller sowie Intelektuelle aus dem Iran gemeinsam gegen das Mullah-Regime engagieren. © imago
2009 in Teheran verstorbenen Neda Agha-Soltan
Der Name IranNeda leitet sich von der 2009 in Teheran verstorbenen Neda Agha-Soltan ab. Die iranische Studentin wurde während einer Demonstration gegen das Mullah-Regime von einem Mitglied der Bürgermiliz Basidsch erschossen. Ihr Vorname, der auf persisch „Stimme“ oder „Ruf“ bedeutet, wurde zum Symbol und Kampfbegriff der iranischen Oppositionsbewegung. © imago
Sara Seyed ist Schauspielerin, Autorin, Produzentin und internationale Menschenrechtsanwältin.
Gegen das Mullah-Regime im Iran kämpft auch Sara Seyed. Sie ist Schauspielerin, Autorin, Produzentin und internationale Menschenrechtsanwältin.  © imag

Mehrere Attentatsversuche überlebt: Tod durch Luftangriff von den USA und Israel ungewöhnlich

Chamenei hat zudem frühere Militäreinsätze und Attentatsversuche überlebt. Während des Konflikts im vergangenen Juni und in anderen Phasen erhöhter Spannungen zog er sich in gesicherte Orte zurück, wobei die Kommunikation streng auf einen kleinen Kreis vertrauter Mitarbeiter beschränkt wurde. Dieses Muster, in Krisenzeiten aus der Öffentlichkeit zu verschwinden, unterstreicht, wie sorgfältig die Führung das Überleben des Regimes priorisiert – selbst unter direktem äußeren Druck.

Es wirkt daher merkwürdig, dass er bei einem Luftangriff auf seinen Gebäudekomplex in Teheran während einer gemeinsamen US-israelischen Operation getötet wurde.

Chamenei-Familie verfügt über massives Vermögen – Erbe muss wohl noch geklärt werden

Chamenei und seine Familie sind mit riesigen Vermögenswerten verbunden, die den Einfluss des Obersten Führers im Iran untermauerten. Eine Untersuchung von Reuters aus dem Jahr 2013 ergab, dass von Chamenei kontrollierte Einrichtungen – insbesondere der Konglomerat „Setad Ejraiye Farmane Hazrate Emam“ (Hauptquartier zur Ausführung des Befehls des Imam) – ein Wirtschaftsimperium im geschätzten Wert von 95 Milliarden Dollar hielten, das weitgehend durch Immobilienerwerb und Unternehmensbeteiligungen in den Bereichen Finanzen, Öl, Telekommunikation und mehr aufgebaut worden war.

Berichten zufolge lehnte Chamenei es ab, seinen Sohn Mojtaba Chamenei offiziell als Erben zu benennen, weil dies einen Rückschlag und den Vorwurf auslösen könnte, das System in eine Dynastie zu verwandeln. Die Nachfolge dürfte durch einen Konsens der Geistlichkeit entschieden werden.

„Achse des Widerstands“: Chameneis Netzwerk von Milizen schützt Iran

Über die Grenzen des Iran hinaus baute Chamenei ein mächtiges Netzwerk verbündeter Milizen und politischer Bewegungen auf, das oft als „Achse des Widerstands“ bezeichnet wird. Dieses Bündnis umfasst die Hisbollah im Libanon, schiitische Milizen im Irak, pro-iranische Kräfte in Syrien und die Huthis im Jemen.

Durch Finanzierung, Waffen, Ausbildung und nachrichtendienstliche Unterstützung – weitgehend koordiniert von der Quds-Brigade der IRGC – hat der Iran Macht weit über seine Grenzen hinaus projiziert, ohne immer in einen direkten Krieg einzutreten. Die Strategie ermöglichte es Teheran, Druck auf Israel auszuüben, US-Interessen ins Visier zu nehmen und mit Saudi-Arabien um Einfluss zu konkurrieren.

Iran und das Atomprogramm: Chameneis Streben nach Nuklearfähigkeiten sorgte international für Alarm

Chameneis Streben nach nuklearen Fähigkeiten für den Iran vollzog sich über Jahrzehnte. Im Jahr 2002 legten Enthüllungen über die verborgene Anreicherungsanlage in Natanz das Ausmaß der iranischen Ambitionen offen und lösten internationale Alarmbereitschaft aus. Unter Druck setzte Teheran 2003 die Anreicherung vorübergehend aus, während Verhandlungen mit europäischen Mächten liefen, nahm das Programm jedoch 2006 nach der Wahl des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad mit Chameneis Rückendeckung wieder auf.

Geheime Kontakte zwischen den USA und dem Iran begannen unter Präsident Barack Obama und mündeten 2015 in das Atomabkommen, das die Anreicherung im Gegenzug für Sanktionsentlastungen begrenzte. Doch nachdem Präsident Donald Trump 2018 aus der Vereinbarung ausstieg, verringerte der Iran nach und nach seine Verpflichtungen und erhöhte die Anreicherungsgrade – darunter auf 60 Prozent Reinheit im Jahr 2021, einen kurzen technischen Schritt von waffenfähigem Material entfernt.

Trotz Sabotage, Attentaten und Luftangriffen – darunter israelischen Attacken und direkter US-Intervention im Jahr 2025 – erweiterte und befestigte der Iran seine Anlagen. Chamenei erklärte, das Programm sei ein souveränes Recht und eine Notwendigkeit. Letztlich hat es zu seinem Untergang geführt.

Iran gegen den Westen: Die dauernde Konfrontation unter Chamenei

Unter Chamenei war das Verhältnis des Iran zum Westen von tiefem Misstrauen und wiederholter Konfrontation geprägt. Er stellte die USA und ihre Verbündeten konsequent als feindliche Mächte dar, die darauf aus seien, die Unabhängigkeit und das islamische System des Iran zu schwächen. Streitigkeiten über das iranische Atomprogramm, die Raketenentwicklung und den regionalen Einfluss führten zu Zyklen von Sanktionen, Verhandlungen und militärischen Spannungen.

Das Atomabkommen von 2015 lockerte den Druck vorübergehend, doch der US-Rückzug 2018 entfachte die Konfrontation erneut. Als Reaktion auf westliche Sanktionen und Isolation stärkte Teheran seine Beziehungen zu Russland und China, während es eine trotzige, antiwestliche Haltung zum Kern seiner Außenpolitik machte.

Im vergangenen Monat strahlte das iranische Staatsfernsehen eine Drohung gegen Trump aus und zeigte Aufnahmen des Attentatsversuchs von 2024, den Trump überlebte, mit einer Bildunterschrift auf Farsi: „Diesmal wird die Kugel ihr Ziel nicht verfehlen.“ Trump antwortete, dass in diesem Fall das gesamte Land in die Luft gesprengt würde.

Der Iran, den Chamenei hinterlässt: Mullah-Regime muss nicht mit Tod von Chamenei sterben

Der Tod Chameneis bedeutet nicht, dass die Islamische Republik mit ihm stirbt. Chameneis Vermächtnis ist ein System, das auf Überleben ausgelegt ist, nicht auf Zusammenbruch. Die politischen, militärischen und klerikalen Institutionen des Iran sind tief verwurzelt und darauf ausgelegt, intensiven inneren und äußeren Druck auszuhalten.

Als die Spannungen mit den USA und Israel zunahmen, konzentrierte sich Chamenei unnachgiebig auf den Fortbestand des Regimes, stärkte einen engen Kreis von Loyalisten und weitete die Notfallplanung aus. Laut US- und iranischen Beamten, auf die sich aktuelle Berichte der New York Times berufen, hat er gestaffelte Nachfolgepläne für zentrale militärische und staatliche Posten ausgearbeitet, mit Stellvertretern und Ersatzleuten, die einspringen können, falls Anführer getötet oder Kommunikationswege unterbrochen werden.

Ali Laridschani, der einflussreiche Leiter des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran, wurde mit zusätzlichen Befugnissen ausgestattet, was diese Überlebensstrategie widerspiegelt. Der Iran hat zudem eine „Mosaikverteidigungs“-Doktrin wiederbelebt, um die Befehlsstrukturen zu dezentralisieren, sodass lokale Einheiten im Kriegsfall unabhängig handeln können. So soll sichergestellt werden, dass selbst schwere Angriffe oder Verluste in der Führung die Kerninstitutionen der Islamischen Republik nicht zum Einsturz bringen.

Was passiert als Nächstes? Chamenei-Nachfolge, mehr Vergeltungsschläge und möglicher Erfolg der Proteste

Teheran hat bereits mit Raketenangriffen auf Israel und andere US-Verbündete in der Region Vergeltung geübt, und weitere Konflikte könnten zu einem größeren Krieg eskalieren. Die Streitkräfte des Landes sind auf anhaltende Kämpfe vorbereitet. Die Hisbollah, Milizen und andere Stellvertreter könnten weitere Fronten eröffnen und die regionale Instabilität verschärfen.

Forderungen der USA nach einem Regimewechsel könnten inländische Proteste neu beleben, doch der mächtige Sicherheitsapparat des Iran hat Erfahrung darin, Widerspruch niederzuschlagen. Exiloppositionsfiguren könnten an Bedeutung gewinnen, doch es ist ebenso möglich, dass die Islamische Republik überlebt.

Im vergangenen Sommer soll Chamenei drei ranghohe Geistliche als mögliche Nachfolger benannt haben. Die Islamische Republik hat seit 1979 ihren Machtanspruch verteidigt und Krieg, Sanktionen und Welle um Welle von Protesten überstanden. Sie wird sich bemühen, dies erneut zu tun. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com)

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