Wie ein Großspender der Republikaner für Trumps Zoll-Kehrtwende sorgte
VonBabett Gumbrecht
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Es bleibt die Frage, ob Trumps Zoll-Rückzieher geplant, spontan oder erzwungen war. Indizien sprechen dafür, dass er sich vor einer Instanz gebeugt hat.
Washington D.C. – US-Präsident Donald Trump hält die Welt in Atem: Nur eine Woche nach seinen beispiellosen Zollankündigungen gegen die ganze Welt hat der US-Präsident am Mittwoch (9. April) eine plötzliche Kehrtwende gemacht und eine „Pause“ ausgerufen.
Nun soll 90 Tage lang verhandelt werden, während Zölle von „nur“ zehn Prozent gelten. Sein Umfeld jubelt, Trump habe der Welt damit eine meisterliche Lektion über die „Kunst des Deals“ erteilt. Beobachtern stellt sich aber die Frage, ist Trumps Umschwung wirklich einem konkreten Plan gefolgt oder wurde Trump der Druck zu hoch?
Nach Ausbruch des Zollkriegs wächst der Druck: Trumps Milliardärsfreunde fürchten Ruin
Schließlich befürchteten nicht nur Trumps Handelspartner enorme Konsequenzen. Auch in den USA selbst schüttelten Ökonomen den Kopf über Trumps Politik und Investoren fürchteten den Ruin. Dazu gehören in den USA nicht nur die zig Millionen von Arbeitnehmern und Rentnern, die ihr Geld in Pensionsfonds gesteckt haben, sondern auch Trumps Milliardärsfreunde, die auch maßgeblich an seinem Wahlsieg durch Spenden für Wahlkampfkampagnen beteiligt waren.
Donald Trumps Orbit: Einflüsterer, Berater und Vertraute des Präsidenten
Einer von ihnen ist Ken Griffin, Gründer des Hedgefonds Citadel und Großspender der Republikaner. Er bezeichnete Trumps Zölle am Montag (7. April) bei einer Veranstaltung als „großen politischen Fehler“. Er habe „große Angst davor, dass die USA ihre Führungsrolle in der freien Welt aufgeben“, zitiert ihn die Welt. Auch der langjährige Trump-Unterstützer, Bill Ackman, erklärte am Mittwochmorgen, das durch Trumps Zölle ausgelöste Finanzchaos sei „kein Zeichen einer erfolgreichen Politik“ und „viele kleine Unternehmen würden Pleite gehen“, wenn sie nicht bald ausgesetzt würden.
Laut Welt soll Ackman Trump daher am Mittwochmorgen mit eindringlichen Worten dazu aufgerufen, die Zollpläne für 30, 60 oder 90 Tage auszusetzen. Das Ergebnis: Nur wenige Stunden später folgte Trump dem Rat. Es bleibt aber die Frage, ob dahinter eine vermeintliche Strategie steckte und alles so geplant war oder ob Trump wirklich dem wachsenden Druck nicht mehr standhalten konnte. Finanzminister Scott Bessent beteuert, Trump habe „von Anfang an“ so handeln wollen. Trump selbst sagte aber, er habe die Entscheidung zum Kurswechsel in der Zollpolitik erst am Mittwochmorgen spontan entschieden.
Trumps Zölle vorhersehbar: Im Buch „Die Kunst des Erfolgs“ beschreibt er „wilde“-Strategien
Ganz plötzlich kommt Trumps Kehrtwende aber nicht. Denn hätten sich die internationalen Handelspartner „The Art of the Deal“ (Deutsch: Die Kunst des Erfolgs) gelesen – ein Buch, in dem Trump mithilfe eines Ghostwriters bereits 1987 schilderte, wie er zum „brillanten Unternehmer“ wurde – könnte man das Verhalten des US-Präsidenten besser verstehen. In dem fast 400 Seiten starken Schmöker schreibt er nämlich, es zahle sich aus, „ein wenig wild zu sein“. Und wie er es genießt, wenn die ganze Welt vor ihm auf die Knie fällt und um ein Gespräch bettelt.
Denn genau diese Strategie hat Trump nun wieder angewandt: Verbündete wie Gegner flehten ihn um Milde im Zollstreit an. Seine Unterstützer bejubeln den Republikaner für so viel Chuzpe. Der Präsident sei „Deal Maker in Chief“ - frei übersetzt der größte aller Geschäftemacher, schrieben seine Unterstützer auf X.
Trumps „War Room“-Kanal, also sein virtuelles Kriegskabinett, zitierte auf X einen gut zehn Jahre alten Tweet von ihm: Andere Menschen könnten wunderschön malen oder Lyrik verfassen, er ziehe seine „Kicks“ aus „Deals, vorzugsweise großen Deals“, schreibt Trump dort.
Nach Trumps Zollrückzieher: EU und Fast-Bundeskanzler Merz atmen erleichtert auf
Trotz der großen Trump-Show macht sich in Europa Erleichterung breit. Denn der Republikaner hat die gerade erst in Kraft getretenen US-Zölle von 20 Prozent auf die meisten EU-Produkte kurzerhand auf zehn Prozent halbiert. Und er hat erstmals unzweideutig gesagt, dass er Lösungen anstrebt und nicht einen fortgesetzten Handelskrieg, der die Welt wirtschaftlich in den Abgrund führen würde.
Ein Deal sei „mit jedem“ Handelspartner möglich, betonte Trump nun. Das gelte sogar für das widerspenstige China, das er wegen der ab Donnerstag (10. April) greifenden Vergeltungszölle sogar mit einem Aufschlag von 125 Prozent belegte.
Fast-Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) jedenfalls reagierte erleichtert auf Trumps 180-Grad-Wende. Er wolle den Republikaner nun „bald sehen“, sagte Merz im Sender RTL. „Am besten machen wir alle zusammen im transatlantischen Handel null Prozent Zölle“, befand Merz. „Und dann ist das Problem gelöst.“ Der Kanzler-in-spe führte Trumps Umdenken auf die „Entschlossenheit der Europäer“ zurück. Äußerungen aus der US-Regierung lassen diesen Schluss nicht zu.
Trotz Einbruch der Börse und Kritik Trump-naher Milliardäre: US-Präsident will Tempo nicht drosseln
Vielleicht hatte der Präsident aber auch nicht mit so massiven Einbrüchen an der US-Börse und so scharfer Kritik wie in den vergangenen Tagen gerechnet. Selbst Trump-nahe Milliardäre und Republikaner gingen auf Distanz. Seine Kehrtwende veranlasste die Wall Street dagegen zu einem Kursfeuerwerk.
Derweil gibt es keine Hinweise, dass der 78-jährige Trump das Tempo drosselt, das er in den ersten zehn Amtswochen an den Tag gelegt hat. Kurz nach seinem Tritt auf die Zollbremse trat der Präsident vor dem Weißen Haus mit Rennfahrern auf, die dort ihre rasanten Autos präsentierten. Höchstgeschwindigkeiten aushalten zu können sei eben „genetisch bedingt“, scherzte Trump. (bg/AFP)