„Wirtschaftskrieg gegen die ganze Welt“: Trumps Zoll-Politik erntet Kritik von US-Unternehmern
VonMarcus Giebel
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Für Donald Trump führt kein Weg an seinen Zöllen vorbei. Wirtschafts-Bosse aus den USA warnen vor den Folgen für das Land und die Verbraucher.
Washington – Donald Trump will die USA befreien. Von den Fesseln, die der US-Präsident beim Blick auf den Welthandel wahrnimmt. Deshalb überzieht er den Großteil der Welt mit Zöllen. Davon verspricht sich der 78-Jährige zusätzliche Produktion und weitere Arbeitsplätze in seinem Land.
Als Trump am selbsternannten „Liberation Day“ vor dem Weißen Haus ans Mikrofon trat, verkündete er die Wiedergeburt der US-Industrie. Amerika werde von nun an nicht nur „great again“, sondern auch „wealthy again“, das Geld werde also nur so sprudeln. Neben MAGA gesellt sich folglich auch MAWA.
Trump und seine Zoll-Politik: Musk verbreitet mit Post auf X wichtige Botschaft zum Welthandel
Seine treuen Anhänger sind wie immer begeistert. Allerdings regt sich in der Bevölkerung auch Widerstand, am Wochenende kamen Tausende zu Demonstrationen zusammen. Und auch unter jenen, denen die Zölle besonders unter die Arme greifen sollen, kommt Kritik auf.
Nachdem Tech-Milliardär Elon Musk bereits eine Freihandelszone zwischen Europa und Nordamerika bewarb, postete er am Montag auf seinem Social-Media-Dienst X ein Video des 2006 verstorbenen Ökonomen Milton Friedman. Darin erklärt dieser, dass selbst an der Produktion eines einfachen Bleistiftes Menschen in verschiedenen Ländern auf der Welt ihren Anteil haben.
„Buchstäblich haben Tausende Menschen zusammengearbeitet, um diesen Bleistift herzustellen. Menschen, die nicht die gleiche Sprache sprechen, verschiedenen Religionen praktizieren, die sich womöglich hassen würden, wenn sie sich je getroffen hätten“, erklärt der Experte. Zusammengeführt werden sie einzig durch die Preisgestaltung. Daher könnte der Stift als Beweis dafür herhalten, warum der „freie Markt“ so essenziell sei, denn so werde auch „Harmonie und Friede zwischen den Menschen auf der Welt“ gefördert.
Kritik an Trumps Zöllen: Banken-Chef befürchtet steigende Preise auch bei US-Produkten
Musk veröffentlichte das Video zwar ohne eine Einordnung. Dennoch dürfte klar sein, an wen die kurze Einführung in modernder Handelspolitik gerichtet war. Aber nicht nur Trumps wohl engster Berater bemüht sich um ein Umdenken im Oval Office.
In seinem Jahresbericht an die Aktionäre formulierte Jamie Dimon, Vorsitzender der US-Bank JPMorgan Chase & Co., die Bedenken so: „Die jüngsten Zölle dürften die Inflation erhöhen und lassen viele die Wahrscheinlichkeit einer Rezession befürchten.“ Gerade kurzfristig seien nicht nur Auswirkungen auf importierte Güter zu erwarten, sondern auch auf Inlandspreise, „da die Inputkosten steigen und die Nachfrage nach inländischen Produkten zunimmt“.
Die neuen Zölle würden von vielen Unsicherheiten begleitet. Der Banken-Chef sorgt sich vor allem um die langjährigen wirtschaftlichen Bündnisse, die womöglich Schaden nehmen könnten.
US-Unternehmer contra Trump: „Nuklearer Wirtschaftskrieg gegen jedes Land der Welt“
Einige Tweets zum Thema Zoll-Politik verbreitete der Fondsmanager Bill Ackman. Er machte zwar klar, dass die USA hinter Trump stünden, wenn es darum gehe, „ein globales Zollsystem zu reparieren, das das Land benachteiligt hat“. Doch in der Wirtschaft gehe es immer auch um Vertrauen.
Deshalb gibt der Milliardär zu bedenken: „Indem wir jedoch massive und unverhältnismäßige Zölle auf Freunde und Feinde erheben und damit einen globalen Wirtschaftskrieg gegen die ganze Welt gleichzeitig entfachen, zerstören wir das Vertrauen in unser Land als Handelspartner, als Wirtschaftsstandort und als Markt für Kapitalinvestitionen.“
Ackman spricht beim Blick auf Trumps Vorgehen sogar von einem „nuklearen Wirtschaftskrieg gegen jedes Land der Welt“. Es sei zu befürchten, dass die USA ihren Ruf in der Welt beschädigen, „und es wird Jahre, möglicherweise Jahrzehnte dauern, ihn wiederherzustellen“.
Donald Trumps Strafzölle: Diese Produkte aus Deutschland werden jetzt teurer
Der 58-Jährige wirbt daher dafür, die Zölle für 90 Tage auszusetzen und diese Zeit zu nutzen, um eine vernünftigere Lösung auf die Beine zu stellen. „Andernfalls steuern wir auf einen selbstverschuldeten wirtschaftlichen Atomwinter zu und sollten uns in Sicherheit bringen“, warnt Ackman und beschließt seinen Post mit der Hoffnung: „Mögen kühlere Köpfe siegen.“
Trump verteidigt Zoll-Politik vehement: „Seid nicht schwach! Seid nicht dumm!“
Kaum vorstellbar, dass sich der mächtigste Mann der Welt bei diesem Satz angesprochen fühlt. Auch Trump wählte Musks soziales Netzwerk, um sein Zoll-Projekt einmal mehr hochleben zu lassen.
„Die Vereinigten Staaten haben die Chance, etwas zu tun, das seit Jahrzehnten nicht getan wurde“, schrieb Trump und fuhr im Duktus eines Predigers fort: „Seid nicht schwach! Seid nicht dumm! Seid keine Paniker (eine neue Partei aus schwachen und dummen Menschen!). Seid stark, mutig und geduldig und wir werden Größe ernten.“
Für eine Zoll-Pause sieht der US-Präsident keinen Anlass. Als die entsprechende Frage eines Reporters während eines Besuchs von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu im Weißen Haus gestellt war, lautete die kurze Antwort: „Nun, das haben wir nicht vor.“
Trump lehnt EU-Vorschlag ab: US-Präsident hält an Zöllen fest und droht China
Der Republikaner wählt stattdessen die Konfrontation. So ließ Trump wissen, das EU-Angebot für Verhandlungen reiche ihm nicht aus. Zuvor hatte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen etwa dafür eingesetzt, die Zölle auf Industriegüter von beiden Seiten aufzuheben.
China bekam sogar via Truth Social von Trump die Leviten gelesen. Peking hatte die US-Zölle seinerseits mit Vergeltungszöllen in Höhe von 34 Prozent beantwortet. Deshalb stellte der langjährige Unternehmer ein Ultimatum: Werde dieser Beschluss nicht bis zu diesem Dienstag von China einkassiert, werde er ab Mittwoch mit zusätzlichen Zöllen von 50 Prozent nachlegen.
„Darüber hinaus werden alle Gespräche mit China bezüglich der von ihnen gewünschten Treffen mit uns abgebrochen“, kappte Trump zudem die Gesprächskanäle. Mit anderen Ländern würden die Verhandlungen dagegen sofort aufgenommen. Dutzende sollen bereits Schlange stehen. Trump dürfte sich also bestätigt fühlen. Auch wenn seine Zölle aus nachvollziehbaren Gründen längst nicht alle Landsleute glücklich machen. (mg)