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Steht Jan Marsalek mit an der Spitze der gefürchteten Wagner-Truppe von Jewgeni Prigoschin? Ex-Wirecard-Vorstand soll eine große Rolle spielen.
Dubai/Moskau – Schon länger steht im Raum, dass der frühere österreichische Wirecard-Manager und Justizflüchtige Jan Marsalek als Teil eines Spionagenetzwerks für Russland arbeitet. Die Dimensionen scheinen jedoch viel größer, als bislang angenommen. Das zeigt ein Bericht des US-amerikanischen „Wall Street Journal“, der sich mit den Geheimdiensttätigkeiten des ehemaligen Wirecard-Managers beschäftigt. Demnach soll Marsalek beinahe ein Jahrzehnt für Russland spioniert haben. Marsalek wird zudem verdächtigt, die gefürchtete Söldnertruppe Wagner aus Russland unter der Leitung des verstorbenen Jewgeni Prigoschin unterstützt zu haben. Derzeit soll er mit der Neuaufstellung dieser Gruppe beauftragt worden – von seinem vermuteten Wohnsitz in Dubai aus.
Erbe von Jewgeni Prigoschin? Jan Marsalek soll jetzt Teil von Prigoschins Wagner-Söldner managen
Konkret heißt es in dem Bericht des „Wall Street Journal“, dass Jan Marsalek an der Neuaufstellung des Afrika-Imperiums von Wagner arbeitet. Wagner verfügt über eine nicht unerhebliche Zahl an Streitkräften in der Zentralafrikanischen Republik, Mali und Libyen und hat Berater und Verbindungsleute in andere Länder, darunter Sudan und Mosambik. Die Präsenz der russischen Söldnertruppe Wagner in Afrika ist eine Möglichkeit für den Kreml, seinen Einfluss auf dem Kontinent auszuweiten – und gleichzeitig angeblich den Terrorismus zu bekämpfen.
| Name: | Jan Marsalek |
| Geburtsort: | 15. März 1980 in Wien |
| Letzte berufliche Position: | COO (Chief Operating Officer) bei Wirecard |
| Auf der Flucht seit: | seit Juni 2020 |
| Aufenthaltsort: | vermutlich in Dubai |
Die Wagner-Gruppe strebte in Afrika zuletzt an, ihre Aktivitäten in Burkina Faso auszudehnen. Zudem versuchte Wagner, den Sturz von Präsident Mohamed Bazoum in Niger durch eine Militärjunta zu fördern. Ihre Bemühungen, in den Tschad einzudringen, sowie ihr Versuch, den Wagner-Einfluss im Konflikt zwischen rivalisierenden Generälen im Sudan zu erweitern, scheiterte jedoch.
Der US-amerikanische Sicherheitsanalyst John Lechner sieht Wagner in Afrika nach Prigoschins Tod dennoch nicht geschwächt – im Gegenteil: „Ich denke, wir werden eher viel Kontinuität von Wagner in Afrika sehen. Denn Wagner war auch eine Folge des Unwillens und der Unfähigkeit Russlands, reguläre Truppen nach Afrika zu entsenden. Wagner-Strukturen sind etabliert, die Truppe hat Kontakte und Erfahrung vor Ort“, so Lechner vor einiger Zeit im Gespräch mit Table.Media. Genau hier soll Marsalek offenbar mit seiner Neuaufstellung ansetzen. Dem WSJ-Bericht zufolge soll der ehemalige Wirecard-Manager in seiner aktiven Zeit bereits Gelder in Konfliktzonen im Nahen Osten und Afrika für russische Operationen geschleust haben.
Jan Marsalek ein russischer Spion: Wirecard als Drehscheibe für Zahlungen russischer Geheimdienste
Marsalek soll damals zudem Wirecard als eine Art Drehscheibe für Zahlungen russischer Geheimdienste genutzt haben. Wie das „Wall Street Journal“ weiter schreibt, soll Marsalek den russischen Militärgeheimdienst GRU und den Auslandsgeheimdienst SVR finanziell unterstützt haben. Dabei gehe es um Zahlungen an Agenten und Informanten der beiden Nachrichtendienste.
Als russischer Spion soll der österreichische Ex-Manager zudem Daten und Informationen von ehemaligen Wirecard-Kunden an Moskau weitergegeben haben. Wie sensibel die Daten sein können, auf die Marsalek Zugriff hatte, zeigt ein Blick in die Kundendatei von Wirecard: Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) und das Bundeskriminalamt (BKA) nutzten Kreditkarten und Bankkonten des Unternehmens für ihre Agenten.
Diese Erkenntnisse könnten dazu beigetragen haben, umfassende Informationen und Einsatzorte von deutscher Geheimagenten zu erlangen. Einige der Agenten sollen deswegen neue Identitäten bekommen haben, um ihre geheimen Operationen weiterhin unerkannt durchführen zu können. Wenig überraschend hat eine Sprecherin des Kreml Verbindungen zwischen Marsalek und russischen Geheimdiensten gegenüber dem „Wall Street Journal“ dementiert.
