Antwort auf Russland-Provokationen

Drohnenabwehr: Reicht der Dobrindt-Plan gegen Putin wirklich aus?

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Russland provoziert die Nato mit Drohnen-Angriffen: Innenminister Dobrindt plant deswegen ein Abwehrzentrum. Doch ob das reicht? Fachleute zweifeln.

Berlin – Die Bedrohung aus der Luft wächst, nicht nur im Ukraine-Krieg. Fast täglich werden in Europa Drohnen gesichtet, sie legen Flughäfen lahm, stören den Betrieb von Militärstützpunkten und stellen eine neue Dimension der Unsicherheit dar. Auch in Deutschland wächst die Sorge, dass kritische Infrastruktur, Ballungsräume oder Großveranstaltungen durch koordinierte Drohnenschwärme, mutmaßlich von Russland aus koordiniert, ins Visier genommen werden könnten.

Innenminister Alexander Dobrindt will Deutschland mit einem neuen Drohnenabwehrzentrum und schärferen Gesetzen besser vor Angriffen aus der Luft schützen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will darauf reagieren und kündigt ein umfassendes Maßnahmenpaket an. Dazu gehören ein nationales Drohnenabwehrzentrum, neue gesetzliche Befugnisse und ein engeres Zusammenspiel zwischen Bundeswehr, Polizei und Ländern. Ziel ist es, Deutschland schneller und entschlossener gegen potenzielle Angriffe abzusichern. Doch während die Politik über neue Strukturen spricht, warnen Fachleute, dass die praktische Abwehrfähigkeit nach wie vor lückenhaft ist.

Reicht der Dobrindt-Plan gegen Putins Drohnen-Attacken wirklich aus?

Dobrindt stuft die Lage als „hoch“ ein und kündigt eine Zwei-Säulen-Strategie an: ein Drohnenabwehrzentrum, das Kompetenzen von Bund, Ländern und Bundeswehr bündelt, sowie eine Neufassung des Luftsicherheitsgesetzes. Kernpunkt: Die Bundeswehr soll im Rahmen der Amtshilfe Drohnen aufspüren, abfangen und „als letztes Mittel“ abschießen dürfen. Nach Angaben des Ministers müsse Deutschland beim Wettrüsten zwischen Drohne und Abwehr dringend aufholen.

Nach dpa-Darstellung will Dobrindt im Luftsicherheitsgesetz festschreiben, dass die Bundeswehr der Polizei im Inneren Amtshilfe leisten darf – gerade bei Drohnenabwehr-Einsätzen. Die Gesetzesgrundlage solle noch in diesem Herbst kommen. Damit würden erstmals rechtlich klare Befugnisse für den Abschuss im Inland geschaffen.

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
Die Nato ist das größte militärische Verteidigungsbündnis der Welt. Der Nordatlantikpakt („North Atlantic Treaty Organization“) soll die territoriale Souveränität der Mitgliedsstaaten sichern und im Kriegsfall verteidigen. Dafür gibt es die Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato. Die Truppenstärke aller Nato-Länder zusammengerechnet umfasste 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 3,4 Millionen Soldaten und Soldatinnen.  © Kay Nietfeld/dpa
US-Armee Nato
Dem „Global Firepower Index“ zufolge stellen die USA mit rund 1,328 Millionen Soldatinnen und Soldaten die größte Nato-Truppe. Im Kampfeinsatz vertraut die US-Armee auch auf den Chinook-Hubschrauber. Der CH-47 ist bekannt für seine Fähigkeit, schweres Material und Personal in unwegsames Gelände zu transportieren. Im Bild ist eine gemeinsame Übung von Südkorea und den USA in Yeoncheon zu sehen. © Jung Yeon-Je/AFP
Militär Türkei
Das zweitgrößte Militär der Nato-Mitgliedstaaten kommt aus der Türkei (Truppenstärke: 355.200). Die Armee gilt als eine der stärksten der Welt. Anhand von mehr als 60 Einzelfaktoren analysieren die Fachleute von „Global Firepower Index“ die militärische Gesamtstärke der Armeen. Türkei, die seit 1952 Mitglied der Nato ist, belegt hier unter 145 Armeen den neunten Platz. © Tunahan Turhan/Imago
Polnische Armee
In der Nato-Rangliste der Truppenstärke liegt Polen auf Platz drei. Die polnischen Streitkräfte verfügen über 202.100 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte sind seit 2010 eine Berufsarmee und gliedern sich wie folgt: Heer, Marine, Luftwaffe, Spezialkräfte, Territorialverteidigung (Freiwilligenmiliz). © Radek Pietruszka/dpa
Frankreich Macron
Platz vier in der Nato-Rangliste belegt Frankreich (Truppenstärke: 200.000). Frankreich ist seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs die einzige Atommacht in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und die einzige Person, die einen nuklearen Angriff befehlen kann. Hier hält Präsident Emmanuel Macron (Mitte) eine Rede vor zwei Kampfjets vom Typ Dassault Mirage 2000 (links) und vom Typ Dassault Rafale (rechts). © Ludovic Marin/AFP
Britische Armee bei einer Übung in Finnland
Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und umfassen ungefähr 184.860 Soldatinnen und Soldaten. Bei einer Übung in der Nähe von Rovaniemi am Polarkreis testet die Armee hier die mobile Haubitze Archer.  © Ben Birchall/dpa
Pistorius-Besuch in Litauen
Auf Platz sechs in der Nato-Rangliste liegt die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr umfasst das Heer, die Luftwaffe, die Marine, den Cyber- und Informationsraum, sowie den Unterstützungsbereich. Aktuell gibt es rund 181.600 aktive Soldatinnen und Soldaten in Uniform. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, rechts) erlebt die Fähigkeiten eines Leopard-2-Panzers auch schon mal aus nächster Nähe. © Alexander Welscher/dpa
Tag der italienischen Streitkräfte 2021
Die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ fliegt am Tag der italienischen Streitkräfte über das Denkmal des Unbekannten Soldaten hinweg. Mit einer Truppenstärke von 165.500 Soldatinnen und Soldaten belegt Italien in der Nato-Rangliste den siebten Platz.  © Giuseppe Lami/dpa
Griechenland Militär
Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnenabwehrsysteme: Griechenland rüstet auf. Die Regierung will Milliarden investieren, um ihr Militär stärker zu machen als je zuvor. Aktuell verfügen die griechischen Streitkräfte (hier bei einer Militärparade in Athen) über eine Truppenstärke von 142.700 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Kostas Galanis/Imago
Luftlandeübung Swift Response
Noch eine weitere Armee der Nato verfügt über mehr als 100.000 aktive Soldatinnen und Soldaten: Spanien (Truppenstärke: 133.282). Allerdings ist das Land weit davon entfernt, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen: Mit knapp 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Spanien sogar Schlusslicht in der Nato.  © Kay Nietfeld/dpa
Air Police Übung der Nato in Rumänien
Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe steht auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt in Borcea. Rumänien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz zehn (Truppenstärke: 81.300).  © Kathrin Lauer/dpa
Kanada - Snowbirds bei Flugtag
Kanada verfügt über rund 68.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. In Canadian Army, Royal Canadian Navy und Royal Canadian Air Force dienen nur Freiwillige. Die Kunstflugstaffel der Air Force ist unter dem Namen „Snowbirds“ bekannt. Die Schneevögel sind ein Symbol Kanadas. © Patrick Doyle/dpa
Ungarn Militär
Die H225M Caracal ist ein taktischer Mehrzweck- und Transporthubschrauber mit großer Reichweite. Benutzt wird er unter anderem von Ungarn (Truppenstärke: 41.600).  © Sergey Kohl/Imago
Abschluss der Nato-Übung Quadriga 2024
Niederländische Kräfte nehmen an der Quadriga-Übung 2024 teil. Die Niederlande liegt auf Platz 13 der Nato-Rangliste (Truppenstärke: 41.380). Die Regierung will die Stärke der nationalen Streitkräfte allerdings deutlich erhöhen. © Kay Nietfeld/dpa
Bulgarien Militär
Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied. Die bulgarischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftstreitkräfte. Derzeit umfasst das Militär in Bulgarien etwa 37.000 Frauen und Männern. © Vassil Donev/dpa
Kriegsende-Gedenken - Tschechien
Flugzeuge hinterlassen am Himmel farbige Spuren in den Nationalfarben Tschechiens anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Tschechien verfügt über 28.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Kamaryt Michal/dpa
Belgische Kronprinzessin schwitzt beim Militär-Sommercamp
Die Streitkräfte aus Belgien untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps. Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Im Jahr 2022 trainierte auch die belgische Kronprinzessin Elisabeth (2. von rechts) in einem Bootcamp der Königlichen Militärschule ihre Führungsqualitäten. Belgien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz 16 (Truppenstärke: 25.000). © Erwin Ceupp/dpa
Schwedische Nato-Truppen in Lettland stationiert
Die schwedischen Streitkräfte bestehen aus den vier Teilstreitkräften: Heer, Marine, Luftstreitkräfte, Heimwehr. Seit dem 7. März 2024 ist Schweden (Truppenstärke: 24.400) das 32. Mitglied der Nato. © Alexander Welscher/dpa
80. Jahrestag der Schlacht von Arnheim
Fallschirmjäger aus acht Nato-Mitgliedsländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich und USA) springen hier zum Gedenken an den Jahrestag der Schlacht von Arnheim auf der Ginkelschen Heide ab. Portugals Truppenstärke beträgt 24.000 Frauen und Männer.  © Ben Birchall/dpa
Raketensschiff Pori der finnischen Marine
Das Raketensschiff Pori der finnischen Marine bricht vom Suomenlinna-Pier in Helsinki zur Nato-Operation „Enhanced Vigilance Activity“ in der Ostsee auf. Auch Finnland verfügt über 24.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Vesa Moilanen/dpa
Militärübung „Nordic Response“ in Norwegen
Norwegische Soldaten sitzen während der Militärübung „Nordic Response 24“ auf Schneemobilen. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und der milizartig organisierten Heimwehr. Mit einer Truppenstärke von 23.250 Frauen und Männer belegt Norwegen Platz 20 in der Nato-Rangliste. © Jouni Porsanger/dpa
Deutsche Brigade in Litauen
Litauische Soldaten legen nach einem Schießtraining bei Rudninkai in dem Areal, wo die deutsche Brigade in Litauen stationiert werden soll, eine Pause ein. Die Truppenstärke von Litauen beträgt 23.000 Frauen und Männer. © Kay Nietfeld/dpa
The Royal Life Guards
Rekruten der Royal Life Guards aus Dänemark überqueren auf dem Truppenübungsplatz Kulsbjerg bei Vordingborg das Wasser. Dänemarks Militär verfügt derzeit über etwa 20.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Luftwaffe bildet slowakische Soldaten an Flugabwehrsystem aus
Slowakische Soldaten trainieren an einem Flugabwehrsystem. Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Nato. Die Truppenstärke des Militärs beträgt 19.500 Frauen und Männer. © Marcus Brandt/dpa
Lettland Militär Parade
imago80894560.jpg © Victor Lisitsyn/Imago
Militärmanöver in Kroatien
Kroatien verfügt über 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte werden umgangssprachlich meist als „Hrvatska vojska“ (Kroatische Armee) bezeichnet. Kroatien ist seit April 2009 Mitglied der Nato. © dpa
Mazedonien Namensänderung
Die Armee der Republik Nordmazedonien (Truppenstärke: 9000) gliedert sich in ein Heer mit angeschlossenen Luftstreitkräften (Heeresflieger). Aufgrund der Binnenlage des Landes gibt es keine eigenständige Marine.  © Dragan Perkovksi/dpa
Kaja Kallas
Am 15. Mai 2024 besuchte die damalige estnische Premierministerin Kaja Kallas die gemeinsame Übung „Spring Storm“ der estnischen Streitkräfte (Truppenstärke: 7700) und der alliierten Nato-Streitkräfte in Pärnu. © Jussi Nukari/Imago
Slowenien
Sloweniens Truppenstärke beträgt 7300 Frauen und Männer. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsministerium. Die für den Schutz der 46 Kilometer langen Adriaküste zuständige Marine und die Luftstreitkräfte sind keine selbständigen Teilstreitkräfte. © Zeljko Stevanic/Imago
Albanien
Seit 2010 hat Albanien eine Berufsarmee. Sie besteht derzeit aus 6600 aktiven Soldatinnen und Soldaten. Das Joint Force Command bildet ein Hauptquartier, dem die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine unterstehen. © Imago
Montenegro
Die seit 2006 aufgebauten Streitkräfte von Montenegro umfassen 2350 Frauen und Männer und gelten heute als eine funktionierende Kleinarmee in Europa. Montenegro ist seit Juni 2017 Mitglied der Nato. © Imago
Luxwemburg
Die Armee Luxemburgs umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee (Truppenstärke: 1000). Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. © Berit Kessler7Imago
Eurofighter über Island. (Archivbild)
Ein Eurofighter fliegt bei der Übung „Rapid Viking 2023“ über Island. Der hohe Norden gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Nato-Mitglied Island selbst verfügt über keine eigene Armee. © Britta Pedersen

Rechtliche Hürden bei der Abwehr von russischen Drohnen: Abschuss bleibt die Ausnahme

Rechtlich ist der Drohnenabschuss in Deutschland möglich, aber nur verhältnismäßig: Trümmer und Explosivladungen können Unbeteiligte gefährden – deshalb werde in der Praxis „fast nie“ geschossen, betont Verena Jackson von der Universität der Bundeswehr in München gegenüber Deutschlandfunk. Viele Behörden schrecken entsprechend deshalb zurück, weil die Risiken schwer kalkulierbar sind.

Die Politologin Ulrike Franke verweist ebenfalls gegenüber dem Radiosender auf Alternativen: kinetische Abwehr mit Projektilen, elektronische Gegenmaßnahmen wie Jamming und Spoofing sowie das „Hacken“ oder Abfangen durch eigene Drohnen. Diese Methoden seien weniger gefährlich für Zivilisten, aber auch technisch anspruchsvoll und bislang kaum flächendeckend verfügbar.

Methoden zur Drohnenabwehr

Das sind die gängigen Ansätze, mit denen Staaten und Militärs Drohnen bekämpfen. Alle Methoden sind im internationalen Sicherheitsbereich etabliert – ihre Wirksamkeit hängt stark vom Einsatzkontext ab.

Kinetische Systeme (Projektilwaffen, Flugabwehrkanonen): Weltweit im Einsatz, besonders gegen größere Drohnen und in Kriegsgebieten. Gegen kleine oder schwarmartig auftretende Drohnen nur begrenzt wirksam. Gefahr: Trümmerteile über bewohnten Gebieten.

Elektronische Gegenmaßnahmen (Jamming): Blockade der Funkverbindung – bei handelsüblichen Drohnen sehr effektiv. Problematisch bei autonomen Modellen, außerdem Risiko der Störung ziviler Funkdienste.

Spoofing: Drohnen werden durch falsche GPS-Signale vom Kurs abgebracht. Technisch möglich, aber moderne militärische Drohnen sind zunehmend durch redundante Navigationssysteme geschützt.

Hacken/Übernahme: Eindringen in die Steuerungssoftware, um Drohnen zu übernehmen. Funktioniert eher bei älteren oder schlecht gesicherten Modellen. Moderne Systeme verfügen über starke Verschlüsselungen.

Drohne gegen Drohne: Abfangdrohnen mit Netzen oder Sprengköpfen befinden sich im Testeinsatz. Geeignet für taktische Szenarien, aber technisch komplex und bisher nur eingeschränkt praxistauglich.

Laser-Systeme: Sehr präzise und mit minimalen Kollateralschäden. Derzeit noch teuer und technisch aufwendig, erste Einsatzsysteme werden in den USA und Israel aufgebaut.

Mikrowellenwaffen: Wirksam vor allem gegen Schwärme: großflächige Energie legt gleich mehrere Drohnen lahm. Die Technik ist noch in der Pilotphase, gilt aber als zukunftsweisend.

(Quellen: n-tv.de, bmvg.de, deutschlandfunk, tagesschau.de, dpa)

„Nahezu nicht existent“ – Kritik aus der Rüstungsindustrie an fehlender Drohnen-Abwehr

Besonders kritisch äußert sich ein hochrangiger, aber namentlich nicht genannter Vertreter der Rüstungsindustrie gegenüber Bild: „Die deutsche Drohnen-Abwehr ist nahezu nicht existent.“ Er spricht von einer „Mär“, dass Bundeswehr und Sicherheitsbehörden die Infrastruktur wirksam schützen könnten. Vieles stehe im Ausland – etwa an der NATO-Ostflanke oder in der Ukraine – und sei daher nicht verfügbar.

Auch beim Material gibt es Rückschritte: Der Gepard-Flakpanzer, früher das einzige „voll taugliche System zur Drohnen-Abwehr“, wurde 2010 bis 2012 ausgemustert – „ein ganz großer Fehler“, wie aus dem Verteidigungsausschuss eingeräumt wird. Während der Gepard in der Ukraine heute noch Dienste leistet, fehlt er in Deutschland vollständig.

Technik-Realität beim Thema Drohnen: Lücken bei Detektion und Schutz

Fachleute nennen die Detektion als größtes Problem: Von Mini-Quadcoptern bis zu Shahed-Typen können Drohnen niedrig und leise operieren, oft „unter dem Radar“. Mobile Sensorik und vernetzte Lagebilder fehlen vielerorts, schreibt Deutschlandfunk. Ohne frühzeitige Erkennung bleibt aber jede Form der Abwehr weitgehend wirkungslos.

Selbst an kritischer Infrastruktur gebe es „keine oder zu wenige Abwehrmaßnahmen“, warnt Franke – der nötige Mix aus Sensoren, Störmitteln, Abfangsystemen und Lasern sei vielerorts nicht vorhanden. Deutschland liege damit im internationalen Vergleich deutlich zurück, während Länder wie Israel längst Schutzschirme aufgebaut haben.

Streit ums Instrumentarium bei Abwehr von russischen Drohnen: Bundeswehr vs. Polizei

Dobrindt will klare Zuständigkeiten und schnellere Entscheidungen. Polizeivertreter fordern dagegen, notiert tagesschau.de, die Polizei sofort zum Abschuss zu befähigen – statt auf „langwierige Amtshilfe“ der Bundeswehr zu hoffen. Der Einsatz müsse im Ernstfall in Sekunden entschieden werden, nicht erst nach langen Abstimmungen.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Thomas Röwekamp (CDU) signalisiert Unterstützung für gesetzliche Klarstellungen, um Drohnen „mit allen technischen Möglichkeiten bis hin zum Abschuss“ bekämpfen zu können, heißt es auf Deutschlandfunk. Damit dürfte der politische Streit um Kompetenzen in den kommenden Wochen an Schärfe gewinnen.

Schutz vor Putins Drohnen: Dobrindts Gesetz hilft – aber Technik, Personal und Übung entscheiden

Ein Gesetz kann Zuständigkeiten klären und den Rahmen für „Aufspüren, Abwehren, Abfangen“ setzen. Ohne verlässliche Detektion, ständige Einsatzbereitschaft und ausreichend Systeme bleibt Deutschland jedoch an neuralgischen Punkten verwundbar. Diese Schwachstellen lassen sich nicht allein mit Paragrafen schließen.

Die entscheidende Frage lautet daher: Kommt zum Gesetz auch der konsequente Aufbau eines Schutzschirms für Flughäfen, Energieanlagen und Regierungsgebäude? Wenn ja, könnte der Dobrindt-Plan tragen. Wenn nein, bleibt Deutschland eine leichte Beute für Drohnenschwärme. Für die Sicherheitspolitik wäre das ein fatales Signal. (Quellen: dpa, Deutschlandfunk, tagesschau.de, Bild) (chnnn)

Rubriklistenbild: © IMAGO / dts Nachrichtenagentur

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