VonJens Kiffmeierschließen
Die USA fürchten ein Szenario: Russland könnte im Ukraine-Krieg vermehrt auf Cyberattacken setzen. Die Frage ist nur, ob Wladimir Putin noch genug Macht hat.
Washington/Moskau/Berlin – Energieversorger, Krankenhäuser, Behörden: Die USA sorgen sich wegen ihrer Haltung im Ukraine-Konflikt zunehmend vor Cyberangriffen auf die eigene kritische Infrastruktur durch Russland. Eindringlich rief US-Präsident Joe Biden die Versorger im eigenen Land auf, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Die Erkenntnisse würden sich verdichten, dass Russlands Präsident Wladimir Putin entsprechende Maßnahmen prüfe, warnte der Regierungschef laut dem US-Nachrichtensender CNN in einer schriftlichen Mitteilung an die entsprechenden Regierungsstellen.
Dem Medienbericht zufolge stützt sich der US-Präsident auf vorliegende Geheimdienstinformationen. Demnach könnte es Russland darauf abgesehen haben, durch gezielte Cyberangriffe viele öffentliche Lebensbereiche in den USA zu torpedieren oder gar lahmzulegen. Attacken auf Gesundheits- oder Elektrizitätsbereiche gelten als mögliches Szenario, das durchaus als real gilt. Denn in den vergangenen Wochen und Monate irrten sich die US-Geheimdienste eher selten. Im Gegenteil, relativ präzise sagten sie die wahren Absichten von Wladimir Putin voraus. Während ein Großteil der Welt noch von Militärmanövern an der Ukraine-Russland-Grenze ausging, warnten die US-Behörden lange vor allen anderen vor einem vorbereiteten Angriffskrieg.
Putin-News: Plant Russlands Präsident im Ukraine-Krieg den Befreiungsschlag mit einem Cyberangriff auf die USA?
Dass Russland unter Führung Putins den Ukraine-Konflikt ausweiten und in Form eines Cyberkriegs auch in Richtung USA ausdehnt, hält US-Präsident Joe Biden durchaus für denkbar. Bereits bei einem Treffen des Business Roundtable in Washington überbrachte er laut CNN eine beunruhigendere Botschaft. „Das Ausmaß von Russlands Cyber-Kapazitäten ist ziemlich folgenreich, und es wird kommen“, warnte Biden unverblümt. Putin „hat sie noch nicht eingesetzt, aber sie ist Teil seines Spielbuchs“, fügte er hinzu.
In der Tat scheint Russland über enorme Kapazitäten im Cyber-Bereich zu verfügen. Immer wieder tauchen Berichte über Putins sogenannte Troll-Fabriken auf, in denen tausende Hacker gezielt Angriffe im In- und Ausland planen und ausführen. Zwar hat auch schon umgekehrt das Hacker-Kollektiv Anonymous Russland den Cyberkrieg erklärt und im Zuge von Informationskampagnen mehrere Erfolge gegen Putins Staatszensur erringen können. Doch es wird weithin angenommen, dass die russischen Möglichkeiten um ein Vielfaches höher liegen.
Wladimir Putin: US-Präsident Joe Biden traut seinem Amtskollegen aus Russland den Cyberkrieg zu
Die USA in Person von US-Präsident Joe Biden haben sich in dem Ukraine-Konflikt von Beginn an klar positioniert: pro Ukraine, contra Putin. Zusammen mit der Europäischen Union (EU) waren sie die treibende Kraft bei der Verhängung von Sanktionen, die Russlands Wirtschaft zunehmend in die Knie zwingt. Auch beim Thema Waffenlieferung und Versorgung der ukrainischen Armee mit Geheimdienstinformationen sind die US-Amerikaner nicht zurückhaltend – trotz drohender Gefahr, dass die Nato am Ende mit in den Krieg hineingezogen werden könnte. Dies alles sind ausgewachsene Gründe, warum die USA durchaus ins Visier der russischen Hacker geraten könnten.
Jedoch haben die Sanktionen und der lang andauernde Krieg in der Ukraine Russlands Präsidenten auch scharf in die Ecke getrieben. Abseits des wirtschaftlichen Schadens steht das Land mittlerweile international isoliert da. Erste Putsch-Gerüchte gegen Putin machten bereits die Runde. Denn die Kriegskasse ist leer und Russlands Armee leidet unter Nachschubproblemen. Und die Oligarchen, die nun weltweit geächtet sind und deren Vermögen eingefroren ist, können sich nicht mehr frei bewegen.
Trotz Troll-Fabrik und Hackerangriffen: In Berlin rechnet man wegen des Ukraine-Konflikts mit einem Ende der Ära Putin
Hat der Kremlherrscher also tatsächlich noch die Macht, zusätzlich zum Ukraine-Konflikt eine neue Front aufzumachen und auch noch einen ausgewachsenen Cyberkrieg mit den USA anzuzetteln? In Deutschland jedenfalls keimt die Hoffnung, dass es am Ende vielleicht nicht so weit kommt. So sieht SPD-Parteichef Lars Klingbeil bereits das Ende von Wladmir Putin kommen. „Ich glaube, dass dieser Krieg das Ende von Putin eingeläutet hat“, sagte Klingbeil im Interview mit dem TV-Kanal „Bild Live“ am Dienstag. Nach vier Wochen Krieg in der Ukraine fange der Rückhalt in Putins eigener Regierung „zu bröckeln“ an. Die politischen Prozesse könnten in Moskau sehr schnell an Dynamik gewinnen, meinte Klingbeil.
In Washington will man sich darauf aber nicht verlassen. US-Präsident Joe Biden forderte die Versorger der kritischen Infrastruktur auf, die Warnungen ernstzunehmen und sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Sicher ist sicher, lautet die Devise. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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