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Jewgeni Prigoschin teilt bei Telegram erneut gegen die russische Armee und gegen Moskau aus. Munition gibt es für die Bachmut-Front offenbar trotzdem nicht.
München/Bachmut/Moskau - Die Kleinstadt Bachmut mit vormals 70.000 Einwohnern ist zum Synonym für das Sterben im Ukraine-Krieg geworden. Hier sollen sich russische Soldaten nun wegen der anlaufenden ukrainischen Gegenoffensive zurückgezogen haben.
Ukraine-Front bei Bachmut: Wagner-Söldner bekommen offenbar keine Munition
Das behauptet zumindest Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin, dessen Söldner in Bachmut seit langen Monaten weitgehend vergeblich gegen die ukrainischen Verteidiger anrennen. Der offensichtliche Zwist mit dem Apparat von Moskau-Machthaber Wladimir Putin geht nun wohl so weit, dass Moskau Prigoschin bei angekündigten Munitionslieferungen auflaufen lässt.
So hat die russische Söldnertruppe nach eigenen Angaben vom russischen Verteidigungsministerium versprochene Munition für die Front in der Ostukraine - Stand Dienstag, 9. Mai - nicht erhalten. Prigoschin polterte deshalb einmal mehr bei Telegram gegen den Kreml.
Zuerst hatte der Militärunternehmer russischen Truppen vorgeworfen, aus ihren Stellungen vor der ukrainischen Gegenoffensive getürmt zu sein. „Heute ist eine der Einheiten des Verteidigungsministeriums von einer unserer Flanken geflohen“, sagte Prigoschin in einer auf dem Nachrichtenkanal veröffentlichten Video-Botschaft.
Ukraine-Front bei Bachmut: Verlassen russische Soldaten ihre Stellungen?
So hätten Soldaten der 72. Brigade angeblich ihre Positionen in Bachmut verlassen, während das Verteidigungsministerium „statt zu kämpfen die ganze Zeit mit Intrigen beschäftigt“ sei. Es ist seine nächste öffentliche Attacke gegen Verteidigungsminister Sergei Schoigu. Prigoschin fragte an Russland gerichtet: „Warum ist der Staat nicht in der Lage, sein Land zu verteidigen?“
Via Telegram beschwerte sich Prigoschin am Dienstagmorgen (9. Mai) weiter, dass bisher „nur zehn Prozent“ der geforderten Munition angekommen seien. Zuletzt hatten geleakte US-Dokumente einen seit Monaten schwelenden Streit um die Munition beleuchtet - und nahegelegt, dass der Kreml lange selbst nicht immer die Lieferungen im Blick hatte.
Jewgeni Prigoschin: Wagner-Chef poltert am „Tag des Sieges“ gegen Moskau
Bemerkenswert: Prigoschins Pressedienst veröffentlichte das Video, während in Moskau die traditionelle Militärparade zum 78. Jahrestag des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland am sogenannten „Tag des Sieges“ stattfand. „Der Tag des Sieges ist der Tag des Sieges unserer Großväter. Wir haben diesen Sieg noch mit keinem Millimeter verdient“, meinte Prigoschin bei Telegram.
Der 61-Jährige warnte zudem vor der ukrainischen Gegenoffensive. Die Front in Bachmut bröckle an den Flanken bereits, erklärte er. Seine Leute würden aber vorerst in der Donbass-Stadt bleiben, kündigte Prigoschin an, nachdem der Wagner-Chef zuletzt noch mit dem Rückzug seiner Söldner aus Bachmut gedroht hatte.
Ukraine-Krieg: Wagner-Söldner sollen laut Prigoschin vorerst in Bachmut bleiben
„Wir prügeln uns und dann sehen wir weiter“, sagte er nun. Zuletzt gab es mehrere Hinweise, dass die Ukraine für ihre Gegenoffensive Kräfte in der Region Charkiw sammelt, um von dort aus in Richtung Luhansk vorzustoßen - und so eventuell auch den russischen Nachschub für Bachmut abzuschneiden.
Wenn es keine Munition gibt, werden wir unsere Stellungen verlassen.
Türmen jetzt tatsächlich russische Soldaten fluchtartig aus der Region? Prigoschins Audiobotschaft bei Telegram war zumindest gespickt mit Vorwürfen. „Gestern kam ein Kampfbefehl, der eindeutig besagte, dass das Verlassen unserer Stellungen als Verrat am Vaterland angesehen wird. Das war die Botschaft an uns“, erzählte er: Der Verräter sei aber offensichtlich „derjenige, der den Befehl zur Lieferung von zu wenig Munition unterzeichnet hat. Wenn es keine Munition gibt, werden wir unsere Stellungen verlassen“. (pm)
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